Jahrgang 
1875
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590, 19. Die bürger und einwohner von Flandern zogen uſs unde belougen(I. b elagen oder belogen) eyne stat, die nicht mit on eyn seyn wolde, unde die Franciosen tatin alſso sie ge- than hatten. hr. v. L. schlägt vor zu lesen den Franciosen tun alſso ete. die verbesserung liegt hier näher. das comma hinter wolde ist zu streichen und totin statt tatin zu schreiben. der sinn der stelle ist: sie belagerten eine stadt, die nicht mit ihnen gleicher meinung sein und die Franzosen töten wollte, wie sie gethan hatten. vyl. die vorhergehenden worte, welche den mord der Franzosen in allen städten und burgen berichten. in F steht teten, was auf der häufigen verwechselung der beiden buchstaben e und o beruht, wohl auch toten heissen soll, nur etwas flüchtig und undeutlich geschrieben. aus der grossen ähnlichkeit der beiden buchstaben in den hss. sind oft fehler in die abschriften gekommen. so sagt 8, 13 nach G gott zu der schlange in dem paradiese: hntschaft secze ich zcuschin dir vnde dem wihe und zeuschen dime vnd orme somen, sie sal din houpt zcutretin vnde du solt legin orem trele. über orem trete steht von spä- terer hand vnder. das könnte möglicher weise eine verbesserung und die richtige ergänzung eines hier fehlenden wortes sein, zumal man auch in F deutlich und ohne correctur liest du solt ligen vnter iren triten. allein ligen ist wahrscheinlich aus legin entstanden und dieses verlesen aus logen, mundartl.= lagen, insidiari, so dass diesmal in der Sondersh. hs. und in L die worte rich- tiger stehen vnde du salt logen erin tretin. vgl. genesis 3, 15.

645, 27. Die markgräfin Elisabet nahm einen herren von Plauen zum vormund ihres sohnes und beschirmer von dessen ländern und der machte yn Wyſsen vnde von dem Behemer walde guten freden unde n den Hessin allen lewten. dafür ist aus Dr. und F herzustellen vnde machte In Myſſen vnde von dem Behemer walde byſs n dyg Hessen guden frede allin luthen. in G finden wir vnde machte in Miſſsin vnde vor dem B. walde biz in die Heſsin gar guthin frede.

649, 5. Die gebrüder Friedrich und Hermann von Treffurt samptneten vil volkes unde zogen vor Sunenborn unde vor Gotha unde hereten unde branten, die weile das die marggrafynne fraw Elſsebet zu Gotha mit dem jungen fursten Frederiche irem ſsone was u. s. W. das wörtchen was hat der hsgbr. hinzugethan, in der Sondersh. hs. fehlt es, und mit recht. darin wird wahr- scheinlich ebenso wie in G stehen oder dann sicher herzustellen sein vnde sammenten gar eyn groſsis volgk vnde czogin do vor Sunneborn vnde vor Gotha vnde heretin vnde brantin, die wile waz die maurgraffisnne frowe Elsehethe czu Gotha mit dem jungin forstin Frederiche orme sone, der[= deren] lantfoyd czu Doringen er Frederich von Wangeheym czu den geczythin do waz.

629. Im jahre 1349 sah man die büsser aufs allen steten unde dorffirn unde von enner stat in die andir, von egme dorffe n das andir gehin mit gesange. undé wo die Kirmesse waren, do qwomen ir zu male vil her. L. statt her hat Dr. richtig hin. es ist hier, wie der zu- sammenhang zeigt, nicht die rede woher, sondern wohin die geissler zogen. her ist verlesen oder verschrieben aus hen. der umgekehrte fehler findet sich in den nachfolgenden worten: alfso gyngen sie In Doringen n Sachſsen on Myſsen on Franckin un den Buchin unde in Hessin unde dorzu yn andirn vil landin. es muss heissen yn der Buchin. das wort Buchin, gekürzt und gebildet aus ahd. Buochunna oder Puohunna, wie dieser gau- und waldname in fuldischen schenkungsurkun- den mehrmals erscheint, ist ein nomen collectivum wie wuostinna, mistind, misten, und bei J. Rothe übersetzung des lat. Buchonia, welches vielleicht selbst erst aus dem alten deutschen gaunamen hervorgegangen ist. diese wortbildung zur bezeichnung gewisser mit einer bestimmten baum- oder strauchart bestandener plätze lässt sich sicher noch mit andern im volksmunde erhaltenen forst- namen belegen und erläutern.

705, 19. Die grafen von Honstein, Reinstein und Wernigerode sollten mit dem bischoufe von Hildinſsheym uf tage leisten, alſso on bescheiden was L. das sinnlose uf vor tage leisten fehlt in G. sollte es vielleicht ursprünglich geheissen haben uf eyne zcit lage leisten?