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auf diese verderbnisse weniger achtsam war. doch sind mir einige interpolationen anderer art nicht ganz entgangen. wie in der Sondersh. hs. die in Rothes zeit noch üblichen formen und lautver- hältnisse der einzelnen worte fast überall modernisiert und der sprache derjenigen zeit, in welcher die hs. oder ihre vorlage entstanden ist, angepasst und gleich gemacht sind, so haben auch ältere ausdrücke, die ausser gebrauch und übung gekommen und dem schreiber nicht mehr geläufig oder verständlich waren, andern worten und wendungen weichen müssen. das von J. Rothe viel ge- brauchte entzeben= mhd. entseben, inne werden, verspüren., ist als veraltet regelmässig mit vornemen vertauscht worden, wie hr. v. L im glossar unter dem worte selbst sagt. so wird c. 468, 23 erzählt, dass bei der translation der h. Elisabet aus ihrem grabe ein so guter geruch kam, dass alle lewte(SDr. hier und auch sonst luthe) dorvon gesterket worden die dorumbe stunden. do die herren diss vornomen, do griffen die hischoufe selber zu. in FDr. steht do die herrin des entzuben, auch 567, 9 haben dieselben hss. vnde do her des enzcub, daz her mit gelde do etzwas geendin mochte. hs.: do her das vornam. 686, 28 hat sicher J Rothe geschrieben: vnde alsso her des entzub, das her sterben muste, wie 68, 16 zufällig auch in der hs. stehen geblieben ist: unde do her enzub, dass her nicht genessen mochte, und die andere chronik in Schlorffs abschrift bl. 279a von demselben kaiser Günther berichtet: da ker entschub, das her nicht genesen mochte. das capitel fehlt in F und bei Mencken. vgl 683, 13 689. 28.
463, 21 ist andelogen zwar stehen geblieben, wird aber 260, 15 mit hantreichen, 299, 20 mit langen und 331, 9 mit antworten vertauscht, wie Schlorffs exc. bl. 97², 129a und der abdruck bei Mencken p. 1667 zeigen. auch Schlorffs abschrift der kl. chronik hat das wort bewahrt bl. 22 1a: da wart ome sente Jeorien banir geandelagit. vgl. Rückert zum leb. des h. Ludw. 60, 13.
339, 25 hat schon Bech in Pfeiffers Germ. 5, 245 für mut hermen hs. oder mit hermin Dr. richtig muthermen vermuthet, wie in F gelesen wird. ich bemerke noch, dass zu vor muther- men zu streichen ist. Joh. Rothe verbindet mit beginne, begunde oder begonde den infinitiv ohne zu, das FDr. hier wie auch sonst weglassen, ein sprachgebrauch, den Schlorffs auszüge und seine abschrift der andern chronik überall bestätigen. dagegen ist vom schreiber der Sondersh. hs. oder ihrer vorlage den infinitiven bei beginnen immer zu hinzugesetzt. richtig lautet in FS der anfang von c. 51: Twingen begunden da die Halen vgl. Bech in der Germ. 6, 48.— dasselbe wort muthermen ist aus F noch herzustellen 445, 21: do muthermte sy sich sere umbe. in Dr. steht dafür betrubete, in hs. muhte.
535. 12 wird der könig von Böhmen von seiner gemahlin gescholten, dass Rer sich eyume graven underthenigk gebe unde liesse sich mit worten blodin unde volde seyne lant unde seyne kynder eyme geben, der kume segn duner geseyn mochte. was heisst hier Ploden? in F steht blei- gen. sollte Rothe nicht geschrieben haben Ploigen= blugen: und liess sich mit worten ei n- schüchtern? in Schlorffs abschrift der kl. dür. chronik lesen wir von der h. Elisabet bl. 230: nue wart sie sere gebloiget von etczlichen, die or sauten dass sie or herre Kebesen wolde, und in derselben erzühlung der chronik bei Schöttgen und Kreysig I. 92: d„ werdit sere gebloygit. aus beiden stel- len erhellt, dass blugen auch activen sinn gehabt hat ich mache schüchtern; das mhd. wb. I, 215 führt aus Parz. 411, 29 nur die bed. schüchtern werden an, ebenso Lexer I, 314. vgl. Schmeller I, 325 Fr.
655, 23: unde umbe deswillen das die hirschaft zu Warperg alle wege nicht gehabin maghk ir legir, fso beschiet her den brudirn do alsso vil korngulde phennigk gulde von selnen renthin, das sich mit der almosin vier ader sechs brudir do wol erneren mogen. 80 L. für erneren lirnerin Dr.) steht in F betragen, was ohne zweifel ein abschreiber mit dem ihm verständlicheren irnerin vertauscht hat. dann ist aus F auch alsso vil Korngulte unde phenniggulte herzustellen. kurz vorher z. 20 ist noch des clostirs kirche nach FDr. in des clostirs kuchin zu ändern.


