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eine ausserordentliche Unterstützung gewährt worden war, dann bis zu Ende des laufenden Schul- jahres(Rescr. vom 12. Decbr.), endlich durch Rescript vom 19. Febr. 1872 bis zu den diesjährigen Sommerferien. Am 17. März starb Dr. Möller, der seit Ostern 1860 im Gymnasium thätig gewesen war, und eine tüchtige Lehrkraft, die früher in anerkennenswerther Weise gewirkt hatte, ist vor der Zeit hingewelkt.
Am 2. September, dem Jahrestage der Schlacht bei Sedan, errichteten die Gymnasiasten mit den Schülern des Realgymnasium auf einer benachbarten Anhöhe ein Freudenfeuer und im Kreise der Fackelträger hielt Dr. Schneidewind eine Ansprache.
Am 7. September hielt Professor Dr. Witzschel die Vorbereitungsandacht zur Beicht- und Abendmahlsfeier.
Vom 11. bis 13. September wurde die schriftliche, vom 20. bis 22 die mündliche Prüfung vor- genommen, am 23. nach der Censurvertheilung das Sommerhalbjahr geschlossen
Das Winterhalbjahr nahm am 9. Oktober seinen Aufang. In dasselbe fielen 5 Studien- und Arbeitstage. Am 25. November hielt der Primaner Piltz die deutsche Rede zum Andenken an die Reichsgräfin Katharina von Elmpt, eine Wohlthäterin des Gymnasium. Am 13. December erhielt Dr. Benseler das Ministerial-Dekret über seine definitive Anstellung. Die schriftliche Prüfung der diesjährigen 9 Abiturienten fand vom 20. bis 23. Februar statt, während der ersten drei Tage fer- tigten auch die übrigen Schüler ihre schriftlichen Arbeiten, worauf am 5. März unter dem Vorsitze des Grossherzogl. Commissarius, des Herrn Geheimen Hofraths Dr. Schöll, die mündliche Prüfung der ersteren folgte. Dem Dr. Benseler, dem das Anerbieten gemacht wurde, mit erhöhtem Gehalte in seinem Vaterlande Sachsen von Ostern an eine Anstellung zu erhalten, wurde, da er hier zu bleiben versprach, mit gnädigster Genehmigung Sr Königl. Hoheit des Grossherzogs, eine Gehalts- zulage gewährt und zwar die eine Hälfte vom 1. Januar d. J.(Rescr. vom 4. März), die andere von Ostern an(Rescr. vom 15. Januar) Ebenso wurden die Besoldungen der DD. Schneidewind. Wilhelm und Möller vom 1. Januar an erhöht(Rescr vom 4. Mârz). Die Direktion wiederholt ihren wärmsten Dank gegen das hohe Ministerium des Kultus, welches die Anträge bei den Vertretern des Gross- herzogthums stellte und befürwortete, und gegen diese selbst. welche mit grosser Bereitwilligkeit das gewähren, was das Schulwesen des Landes fördern kann.— Am 19. und 21 März wurde in der Aula die öffentliche Prüfung sämmtlicher Klassen vorgenommen, zwischen beiden Tagen, am 20., der Valedictions-Actus gehalten, in welchem nach einleitendem Gesange fünf von den Abgehenden auf- traten und zwar Ernst Landsberg mit einem lateinischen Vortrage über die alten Deutschen nach Tacitus. Hermann Schomburg mit einem deutschen über die Hansa, Adolf Martin mit einem deutschen Gedichte„Das Vaterhaus“, Alexander von Boyneburgk mit einer französischen Rede über die haupt- sächlichsten Begründer der französischen Monarchie, Paul von Mülinen mit einer lateinischen über Demosthenes, endlich trug Landsberg ein von Hermann Simon verfertigtes deutsches Abschiedsgedicht vor, da der Verfasser in Folge der Nachricht vom Tode seines Vaters sofort nach Hause gereist war. Darauf hielt der Direktor eine Ansprache an die Abgehenden und entliess sie unter Einhändigung ihrer Maturitätszeugnisse und Entlassungsscheine Ein Abschiedslied, zu welchem der Primaner Arno Breitung den Text gefertigt hatte, schloss die Feier. Die Ansprache des Direktor war folgende:
Seitdem unser deutsches Vaterland den grossen Kampf mit seinem Erbfeinde so sieg- und erfolg- reich bestanden hat, ist gar oft ausgesprochen worden, dem deutschen Schulmeister verdanke man diesen Erfolg. Mag nun auch mancher darüber gespottet haben, so hat doch diese Behauptung ihren guten Grund. Andere wieder sagen, der letzte Grund dieses überaus glücklichen Erfolges sei der Schulzwang und die allgemeine Dienstpflicht. Wenn nun die Folge der letzteren die wahre Volksbewaffnung, das wahre Volksheer ist, so bewirkt der erstere die allgemeine Volksbildung, die in verschiedenen Abstu- fungen eben so gut aus der eigentlichen Volksschule in Stadt und Land hervorgeht wie aus den höheren Bildungsanstalten, welchen Namen sie immer haben mögen. Und der Sinn für Bildung und das Streben nach derselben und der Werth, den man ihr beilegt, entspringt aus dem Charakter des deutschen Volkes und seiner tiefer angelegten Natur, aus seinem sittlichen Ernst. Und so darf man gewiss ohne Selbst- überhebung sagen, dass das deutsche Volk seine Siege über den mächtigen Gegner seinem höheren Bil- dungsgrade, seiner grösseren Intelligenz und seiner tüchtigeren Gesinnung zu verdanken habe. Und nun ist Grosses, überaus Grosses, alle Erwartungen Uebertreffendes geschehen. Aber welche Reihe von Kämpfen hat es gekostet, ehe wir dahin gelangt sind, wo wir jetzt stehen. Seit dem ersten deutschen Befreiungskriege gegen Frankreich war der Gedanke erwacht und immer lebendigerge worden, ein einiges deutsches Vaterland zu schaffen. Für das Blut und die Wunden, die jener gewaltige Kampf kostete, wollte man auch den entsprechenden, den würdigen Kampfpreis davon tragen. Und wie viele edle Jüng- linge und Männer haben hart büssen müssen für das Jdeal, welches sie in ihrem Herzen trugen. Und
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