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Sie erhielten am 6. August das Zeugniss der Reife und traten sofort in das deutsche Heer ein, Ausfeld, um sich dem Militär zu widmen, Reussner und Henssgen, um nach Beendigung des Krieges Theologie, Schill, um die Rechte, Rauch, um Medicin zu studieren. Sie alle sind, so weit der Direktion bekannt ist, erhalten geblieben. Dagegen sind, soweit die Kenntniss der Direktion reicht, 9 frühere Zöglinge des Gymnasium Opfer des Krieges geworden, nämlich:
Richard Leutbecher aus Weida,(Ostern 1866 auf die Universität entlassen), Kandidat der Rechte, Unteroffizier, † am 6. August bei Wörth,
Smil Ehmer aus Ostheim,(Schüler vom April bis zum December 1864), † in Folge seiner bei Wörth am 6. August erhaltenen Wunden bei hiesigen Verwandten,
Otto Heusinger aus Eisenach,(Schüler von Ostern 1860 bis Septbr. 1869), Fähnrich, † am 1. September bei Sedan,
Fritz von Harstall aus Mihla,(Schüler von Ostern 1860 bis Ostern 1869, wo er das Maturitätsexamen bestand), Sekonde-Lieutenant, † 18. Oktober in Chateaudun,
Max Ratenbacher aus Gerstungen,(Schüler von Ostern 1858 bis Ostern 1868), Student der Medicin, † 31. Oktober im Lazareth zu Bric,
Karl Fischer aus Eisenach,(Schüler von Ostern 1857 bis Ostern 1864), Vice-Feldwebel, † am 2. December bei Artenay,
Tom Derham aus Leipzig,(Schüler von Ostern 1865 bis Ostern 1868), Unteroffizier, † am 2. December bei Brie sur Marne,
Wilhelm Fischer aus Oechsen,(Schüler von Michaelis 1866 bis Ostern 1870), Student der Theologie, † am 2. December bei Poupry,
Adolf Luden aus Jena,(Schüler von Ostern 1865 bis gegen das Ende des Januar 1867), † bei La Croix in der Nähe von Le Mans am 12. Januar 1871.
Wenn die in Aussicht stehende Aula hergestellt sein wird, soll dafür gesorgt werden, dass in einer Gedenktafel die vorstehenden Namen zu bleibender Erinnerung verzeichnet werden.
Vom 15. bis 17. September wurde die schriftliche, am 22. und 23. die mündliche Prüfung vorgenommen, am 24. mit der Vertheilung der Censuren das Sommerhalbjahr geschlossen.
Am 29. September starb der seit Ostern in den Ruhestand versetzte Professor Dr. Wittich. Da dieser Todesfall in den Herbstferien eintrat, konnten nicht alle Lehrer und Schüler der Be- erdigung des früheren Amtsgenossen und Lehrers beiwohnen.
Das am 10. Oktober begonnene Winterhalbjahr hatte seinen regelmässigen Verlauf. In dasselbe fiel am 25. November die Elmptsche Gedächtnissfeier, bei welcher der Primaner Schomburg die deutsche Rede hielt. Die seit einer ziemlichen Reihe von Jahren eingeführten Studien- und Ar- beitstage wurden auch in diesem Halbjahr beibehalten. Die schriftliche Prüfung der diesjährigen drei Abiturienten fand vom 7. bis 10. März statt, an den ersten drei Tagen fertigten auch die Schüler sämmtlicher Klassen ihre Arbeiten. Die mündliche Maturitätsprüfung erfolgte am 17. März in Gegenwart des Grossherzogl. Kommissarius, des Herrn Geheimen Hofrathes Dr. Schöll. Die Osterprüfung konnte wegen Mangels an einem geeigneten Lokal diesmal keine öffentliche sein; das Grossherzogl. Staatsministerium, Departement des Kultus, gestattete daher durch Rescr. vom 26. Jan. 1871, dass sie im Auditorium der Prima nur vor dem Lehrer-Kollegium gehalten werde. Dies geschah vom 29. bis 31. März. Aus demselben Grunde musste auch der Valedictions-Actus weg- fallen. Die am 1. April vorgenommene Censurvertheilung aber, mit welcher das Schuljahr ge- schlossen wurde, gab den Beweis, dass die Anfangs gehegten Besorgnisse, es möchten die Kriegs- ereignisse auf den Fleiss und die wissenschaftliche Thätigkeit der Schüler übel einwirken, nicht in dem Masse, wie zu befürchten war, gegründet waren. Die bei weitem grössere Mehrzahl der Schüler konnte befriedigende Censuren erhalten und wenn ja in wissenschaftlicher Beziehung ein Ausfall eingetreten ist, so steht zu hoffen, dass dieser aufgewogen wird durch das erhöhte und lebendiger gewordene vaterländische und nationale Gefühl und Bewusstsein, welches die grossartigen und ruhmvollen Ergebnisse dieses deutschen Krieges in dem empfänglichen Gemüthe der Jugend hervorbringen müssen.
Während des Winterhalbjahres waren Vorbereitungen zur Ausführung einer Massregel ge- troffen worden, die in dem neuen Schuljahre in das Leben tritt. Schon am 16. Juni 1870 war die Direktion davon in Kenntniss gesetzt worden, dass in Folge eines Antrags des Grossherzogl.


