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gepauchtem Gewande, der Maske mit dem weit offenstehenden, gewissermassen zum Sprachrohre dienenden Munde, konnte doch nicht mehr gefallen und war namentlich für den mit der Sache Unbekannten mehr schreckenerregend als erhebend oder anziehend.
Auch sonst war das fnteresse für das Theater ein mehr ausserliches. Denn von den Theater- tumulten erzählte man ausführlicher und lieber, als von den Stücken, deren Aufführung man bei- gewohnt hatte, wenn man auch ganz vortrefflich die Leistungen einzelner guter Schauspieler zu beurtheilen verstand. Der Stand der Schauspieler selbst war bekanntlich allgemeiner Verachtung preisgegeben, und nur Sklaven und Freigelassene, zuweilen auch Fremde gaben. sich dazu her. Aber bald wurde doch Einer oder der Andere von dem Publikum ausgezeichnet. Namentlich waren es die vornehmeren und wohlhabenden Familien, welche solche Künstler mit Geschenken und Ehren aller Art überhäuften, so namentlich schon zu Cicero's Zeit den tragoedus Clodius Aesopus und den comoedus Roscius. ¹¹) Zogen doch selbst Söhne aus den edelsten Familien Roms mit den Schauspielern in den Strassen umher und hielten es für eine Ehre in deren Gesellschaft gesehen zu werden. Auch die Kaiser, die mehrmals Verordnungen gegen diese Verletzung einer alther- gebrachten Sitte erliessen, schlossen sich dem Gebrauche ebenfalls an. Es bildeten sich schliess- lich Parteien für verschiedene Schauspieler, die in demselben Theater auftraten. Man vergass auch während der Darstellung den Streit nicht, störte die andere Partei, wenn sie ihrem Günstlinge Beifall zurief, und so entstanden die heftigsten Tumulte, die, wenn auch nicht von so gewaltiger Ausdehnung und beklagenswerthen Folgen wie die der farbigen Parteien der Rennbahn, doch die Gemüther zu gegenseitigem Hasse aufstachelten.
Viel später als die eben erwähnten Spiele finden wir in Rom noch die athletischen, die aus Griechenland einwanderten und gar bald sich einen Platz bei der Gunst des Volkes erwarben, so dass die Kaiser sich genöthigt sahen, eine ganze Reihe von Ringschulen oder Stadien zu erbauen. ¹²) Eine grosse Menge national-gesinnter Römer aber protestirte dagegen, als den altrömischen Sitten zuwider, und auch die im Stadium auftretenden Athleten genossen im Allgemeinen keine grosse Achtung von Seiten der Römer, wenn sie auch nicht so tief standen, als die eigentlichen Schauspieler.
Auch diese Kämpfe waren nicht im Stande, die sinkende Kraft des einst so stolzen Römer- volkes, vor dem der gesammte Erdkreis erzittert hatte, wieder zu heben. Es rollte das Rad des Verhängnisses unaufhaltsam dem Abgrunde zu. An Stelle der geistigen Bildung, der Hebung der sittlichen Kraft, der Stärkung der geschwächten Körperkraft hatten diese Spiele mehr oder weniger dazu beigetragen, den Untergang Roms vorzubereiten und den Sturz des Weltreiches zu beschleunigen. An Händen und Füssen gelähmt, musste Rom zusehen, wie ein Glied seines gewaltigen Staats- körpers nach dem andern abgerissen wurde, wie eine jungendlich kräftige Nation nach der andern aus den Trümmern des morschen Kaiserreichs neue Tempel und neue Wohnungen errichtete, und „neues Leben aus den Ruinen erblühte““.
11) Bernhardy, Grundr. d. röm. Liter. S. 237. ¹²) Friedländer, Sittengesch. Roms II, S. 342 u. ff.


