unseren heutigen Volksfesten zu geschehen pflegt, den letzten Festtag auf eine glanzende Weise
geßschlostsen haben,
Wenn auch der Circus mit seinen Gladiatorenkampfen viel Anziehungskraft, ausübte, wenn auch der Anblick der geschickten Fechter, der Gewandheit, der Stärke., des Muthes, wenn das Schauspiel der Gefahr, des in Strömen vergossenen Blutes, der gefallenen Kämpfer, der theils erlegten, theils noch unbhndig umhertobenden Thiere die Nerven erregte und die Aufmerksamkeit, namentlich die der grossen Menge, auf das IHléchste anspannte, so trat, alles Interesse hierfür in den Ilintergrund, als in der Rennbahn sich Parteien organisirten, die durch verschiedene Farben, Grün, Blau, Weiss und Roth ausgezeichnet, nun auch ffentlich mit ihren Leuten in diesen Parben erschienen; als die neftigste Parteileidenschaft bei diesen Spielen an den Tag trat, die so weit ging, sich gegenseitig auszuhöhnen und die eigenen Leute durch lauten Zuruf zu grösserer Anstrengung zu ermuntern LPine der traurigsten Folgen solchen Treibens wur, wie bekannt, der Aufstand unter Justinian, her vorgerufen durch die Blauen und die Grünen.
Kein Wunder, wenn bei der Theilnahme für derartige Unterhaltung die eigentlichen Bühnen spiele, obgleich auch für sie viel geschah, vor den andern peiden in den llintergrund traten War es doch einmal so Brauch, duss die Kniser um die Gunst des Volkes sich eifrig bewerben mussten, dunn musten auch nothwendig diejenigen Spiele, welche den ungebildeten Hlaufen am meisten an zogen, an welchen er sich auch in grösseren Massen betheiligen konnte, mit grösserem Aufwande abgehalten werden. Dies beweisen uns nebenbei auch noch viele der aus jenen Zeiten auf uns ge Kommenen Münzen, auf denen wir wol Anspielungen auf duas Amphitheater und den Circus finden, aber niemals Spuren von Beziehungen auf das Theater und die Bühnenspiele.
Wenn sich nun diese Feste, wie schon gesagt, vom ftrühesten Morgen bis zum späten Abend fortsetzten, und wus höchst wahrscheinlich, um Mittuag zur Prholung und Prfrischung eine P'ause intrat, 8so wird man wol mit Roecht annehmen müssen, dass die Sitzreihen theilweise schon vor Sonnenaufgung besetzt wurden, namentlich die oberen Reihen, die denen angewiesen waren, welche nicht in dem vorgeschriebenen Festanzuge orscheinen konnten. Mittags, wührend der Pause, ent fernte sich vielleicht ein Theil der uschauer, um nach kurzer Lorfrischung zurückzukehren, der grössere Theil blieb aber gewiss zurück, um den ersehnten Platz auf den höher gelegen Bäͤnken nicht zu verlieren und den reichen Sbenden von Nahrungsmitteln und Kostbarkeiten nahe zu pleiben. Pur diese Zurückbleibenden, die ja in ihrer Wohnung doch nichts fanden, und die mit der Aus sicht hierauf hergekommen waren, musste nuch gesorgt werden, und wurde es in reichlichem, sputer in Nnhrhaft übertriebenem Musse Denn nicht nur, dass in den unteren Llallen der Theater eine Menge Buden aufgeschlagen waren. welche Esswunren aller Art feil hielten, auch die Kniser solbst fanden Gefallen duran, zugegen zu pleiben und durch eine zahlreiche, reichgekleidete Diener schuft Köstliche Speisen umhertragen zu lassen. Es wurden auch Marken unter die Menge ver Cheilt, theils als Anweisungen einer freien Mahlzeit, theils als 1L,00se zu einer Lotterie, in welcher allerhand Kkleinere und grôssere Gewinne in Aussicht standen,„uletzt Gold- und Silbergeräthe, Edelsteine und Perlen, Hhuser, Schiffe, Güter gewonnen werden konnten. Dass bei dem Ausverfen dieser einzelnen Marken ein ungeheures Druͤngen und Stossen der grossen Volksmenge entstehen musste. wobei öfters nuch Menschenleben verloren gingen, war nnatürlich. Wer daher keine Absicht auf die immer reichhaltiger und Kkostbarer werdenden Gewinne zu den Spielen mitgebracht hatte, ontfernte sich wohlweise früher, ehe das allgemeine Haschen nnch den Loosen begann.
Aus diesen Erscheinungen, wie sie sich Wuhrend der Kaniserzeit zeigten, ersieht man hin
Junglich, duss die höheren Stunde mit demselben Interesse an allen diesen Kostspieligen, und gerade
nur für sie allein Kostspieligen Vergnügen ebenso leidenschaftlichen Antheil nahmen, als die


