Jahrgang 
1870
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(sagt Descartes) dass der Hauptregenbogen durch zwei Brechungen und eine Reflexion, der äussere Regenbogen aber durch zwei Brechungen und zwei Reflexionen des Sonnenlichtes entstehe, und dass eben hierin der Grund liege, weshalb der letztere nicht so deutlich wie der erstere erscheint.

Aehnliche Versuche hatte auch Marcus Marci(geb. 1595, gest. 1667) angesellt, der eine um- fangreiche Abhandlung schrieb über die prismatischen Farben und den Regenbogen, und der einer der ersten ist, bei dem Andeutungen der Newtonschen Farbenlehre vorkommen.

Während Antonius de Dominis in der Farbenerklärung noch die Aristotelische Ansicht ver- tritt, dass die Verschiedenheit der Farben entstehe durch die Beimischung von mehr oder weniger Dunkelem zu dem Hellen, finden wir bei Descartes die Meinung ausgesprochen, die Farben ent- ständen durch eine verschiedene Geschwindigkeit der Lichtheilchen, durch einen mehr oder weniger starken Anstoss derselben gegen die Netzhaut auf ähnliche Weise, wie das Ohr mannigfache Töne blos durch die verschiedene Geschwindigkeit der Luftschwingungen unterscheidet.

Die richtige Erklärung der Farben und somit auch die erste vollkommen genügende Erklärung des Regenbogens war dem erhabenen Genius Newton's vorbehalten, der mehr Licht ausstrahlte, als Jahrhunderte vor ihm im Stande waren hervorzubringen. Er machte die Entdeckung, dass das weisse Licht nicht einfach, sondern aus ungleichartigen in verschiedenem Grade brechbaren Theilen zusammengesetzt sei, die für sich allein in unserem Auge die Empfindung einer bestimmten Farbe, in ihrer Vereinigung aber die Empfindung des weissen Lichtes hervorrufen. Fallen nämlich durch eine kleine runde Oeffnung eines Fensterladens Sonnenstrahlen auf ein durchsichtiges Prisma, so zeigt das längliche Farbenbild(Spectrum) hauptsächlich folgende Farben: Roth, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett, die in unzähligen Abstufungen in einander übergehen und von denen die erste die geringste, die leztere die grösste Brechbarkeit besitzt. Dieselben Farben sind es nun auch, die uns der Regenbogen darbietet, und zwar erscheint der Hauptregenbogen an der oberen Seite roth, an der unteren violett, während der Nebenregenbogen die umgekehrte Anordnung der Farben zeigt.

Da die prismatischen Farben nicht bei der Zurückwerfung, sondern nur bei der Brechung des Lichtes entstehen, so müssen die Sonnenstrahlen zuerst an der vorderen Seite in den Regentropfen eindringen, darin gebrochen, auf der hinteren Seite reflectirt und auf der Vorderseite wiederum gebrochen werden.

Es sei M ein Regentropfen(Fig. 5) und Sa stelle einen auf denselben fallenden Sonnenstrahl dar. Da derselbe aus einem dünneren in ein dichteres Mittel übergeht, so wird er nach dem Einfallsloth It hingelenkt und tritt, nachdem er in b reflectirt worden ist, bei c. in seine farbigen Bestandtheile zerlegt, aus dem Tropfen heraus.(Der Theil des Lichtes, welcher bei b austritt und bei c reflectirt wird, kommt hier gar nicht in Betracht.) Da die Strahlen bei ihrem Austritt sehr divergiren, so gelangt nur der rothe Strahl cr in das Auge O, während die übrigen, wie der violette Strahl cv, dasselbe nicht treffen. Von einem tiefer gelegenen Tropfen N, der ebenfalls von einem zu Sa pa- rallelen Sonnenstrahl S a- getroffen wird, erhält das Auge nach stattgefundener Brechung in au, Re- flexion in b und abermaliger Brechung in nur den violetten Strahl c'v', während die zwischen M und N gelegenen Tropfen dem Auge die übrigen prismatischen Farben zusenden.

Da ein einzelner Strahl auf unsere Netzhaut nur einen schwachen Eindruck macht, wir aber den Regenbogen in lebhaften Farben erblicken, so müssen deren mehrere parallel und ganz nahe beisammen aus dem Tropfen heraustreten, um durch die kleine Pupille auf den Hintergrund des Auges zu gelangen. Es fragt sich also, an welcher Stelle des Tropfens gleichlaufende und ganz nahe neben einander gehende Strahlen auffallen müssen, damit sie nach den Brechungen beim Ein- und Ausgang und den dazwischen vorgehenden Zurückstrahlungen parallel und ganz nahe neben einander herausgehen.

Verlängert man den Strahl Sa, bis er sich mit dem verlängerten er in d schneidet, und verlängert man ingleichen Sa bis zum Durchschnitt mit dem verlängerten Strahl*v in e, so ergiebt die