Jahrgang 
1870
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Der Strahl GF, der am wenigsten in die Kugel eindringt, ist deshalb der lebhafteste, von hochrother Farbe(puniceus oder rubeus), der Strahl GN ist ein wenig dunkeler, nämlich grün(viridis), der am tiefsten eindringende GM ist blau(purpureus oder pavonaceus). Anders verhält es sich mit den Strahlen GL, GK, GJ, unter denen GL der lebhafteste, also hochroth ist, weil er sich dem auf dem Hintergrund der Kugel winkelrecht stehenden B G am meisten nähert; der Strahl GK aber, der sich weiter von diesem Lothe entfernt, ist grün, und GJ blau.

Die Körperchen, deren Hintergrund die Strahlen reflectirt, nennt de Dominis Dunstbläschen (bald guttulae, bald corpuscula rorida). Solche seien(Fig. 3) B. C. D; die Sonne sei in A; BH, BG, BF der untere Strahlenbüschel von B; CG, OF, CJ der von C u. s. W., so sieht das Auge in F das Bläschen B durch den hochrothen Strahl FB, C durch den grünen F C. D durch den blauen FD. Wird es nach G versetzt, so erhält es von C blaues, von B grünes, und von dem über B befind- lichen Dunstbläschen das rothe Licht u. s. w.(Aus Wilde, Geschichte der Optik, I. Band.)

Die Verschiedenheit der Farben erklärt Antonius de Dominis wie bei Aristoteles durch die Beimischung von Dunkelheit zu dem Licht. Das rothe Licht soll durch die erste Beimischung des Dunkelen zum Hellen, das grüne durch eine stärkere, das blaue durch eine noch stärkere bewirkt werden. Den äusseren Regenbogen erklärt er auf dieselbe Weise, wie den inneren, durch die zweite Reflexion im Hintergrund der Tropfen in den Richtungen(Fig. 2) GJ, GK, GL.

In der Erklärung des Regenbogens wären schnellere Fortschritte gemacht worden, wenn nicht ein schon im Anfang des 14ten Jahrhunderts verfasstes Buch gänzlich unbekannt und unbeachtet geblieben wäre. Der Verfasser dieses auf der Bibliothek in Basel als Manuscript befindlichen und De radialibus impressionibus et de iride betitelten Buches ²⁵) ist ein deutscher Dominikaner, Theodoricus de Saxonia. In diesem Buche ist die wahre Theorie des Regenbogens schon an- gegeben, es wird bestimmt in demselben gesagt, dass der Strahl beim Eintritt in den Tropfen dem Einfallsloth zugelenkt, dann an der Hinterseite unter gleichem Einfalls- und Reflexionswinkel zu- rückgeworfen und beim Heraustreten aus dem Tropfen von dem Einfallsloth weggelenkt werde. Auch der zweite Regenbogen ist genau und vollständig erklärt, warum aber nur gewisse Stellen im Tropfen die Sonnenstrahlen zurückzuwerfen vermögen, das lässt er unerörtert, indem er be- merkt, die Natur habe diese Stellen besonders dazu bestimmt. Das Verdienst, nachgewiesen zu haben, unter welchen Winkeln Strahlen, die auf einen Wassertropfen fallen, nach zwei Brechungen und einer oder zwei Reflexionen ins Auge kommen müssen, kommt Descartes zu(geb. 1596, gest. 1650). Er begründete seine Erklärung durch einen Versuch, den er mit einer Glaskugel machte, welche mit Wasser gefüllt war und die Stelle eines Regentropfens vertreten sollte. Befand sich in E(Fig. 4) das Auge und ist EM parallel zu den einfallenden Sonnenstrahlen AB, FG, so er- schien der untere Theil der Kugel bei D roth, wenn der Winkel DEM ungefähr 42⁰° betrug. Wurde die Kugel gesenkt, so dass der erwähnte Winkel kleiner ausfiel, so erschien je nach der Veränderung gelb, grün und blau, bei Vergrösserung des Winkels verschwand aber die rothe Farbe sogleich. Betrachtete er die Stelle K der Kugel, so dass der Winkel KEM ungefähr 52⁰° betrug, so erschien ihm auch diese Stelle roth, nur nicht so glänzend wie in D und bei einiger Vergrösserung des Winkels zeigten sich nachgehends gelb, grün und blau. Bei einer geringen Verkleinerung desselben verschwand die Farbe. Descartes fand nun bei genauerer Untersuchung, dass die von A nach B kommenden Sonnenstrahlen in B gebrochen wurden, hierauf nach C gingen und von dort reflectirt und beim Austritt aus der Kugel in D zum zweiten Male gebrochen, in das Auge E gelangten; ferner stellte sich heraus, dass die rothe Färbung in K von den Sonnenstrahlen herrühre, die von F nach G kommend, in G nach H hin gebrochen, in H nach ³ reflectirt, hier abermals nach K zurückgeworfen wurden und in K gebrochen, in das Auge E gelangten.So zweifelte ich nicht mehr,

2⁵) Gehler's physik. Wörterbuch, Art. Regenbogen.