Jahrgang 
1870
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mixtum tamen cum colore vaporis, qui niger est, ut in aquosis vaporibus evidens est(sunt enim omnes nigri) natura autem lucis est immiscere se coloribus rerum, ad quas reflectitur etc.

Porta(geb. 1543, gest. 1615), der Erfinder der Camera obscura, hält die Anzahl der Farben im Regenbogen für unbestimmbar und sieht als die Ursache desselben nicht eine Zurückwerfung wie Aristoteles, sondern eine Brechung der Sonnenstrahlen an, die aber nicht in jedem einzelnen Tropfen, sondern in der ganzen Wolke erfolge.

Der sicilianische Abt Maurolycus ²³)(geb. 1494, gest. 1577) erklàrt den Regenbogen durch die Zurückstrahlung von einer nebeligen Wolke(rorida nubes) II, 25, und meint, die Kreisgestalt ent- stehe dadurch, dass die Strahlen von allen Seiten unter einem Winkel von 45 gebrochen würden. Er theilt nämlich den Umfang des Tropfens in acht gleiche Theile(Fig. 1) und nach seiner Meinung wird der Strahl LH unter einem Winkel LH M= 45° nach M hin von der erhabenen Seite des Tropfens, der Strahl KAPD von der hohlen Oberfläche des Tropfens in D ebenfalls unter einem Winkel KDM= 45⁰ nach M hin reflectirt. Ehe die Strahlen aber ins Auge kommen, sollen sie, um sich mit Farbe zu sättigen, im Tropfen herumgeworfen werden, der Strahl LH z. B. siebenmal in E, B, G, D, A, F, C.

Nachdem Maurolycus erwähnt hat, dass der Regenbogen als Halbkreis erscheine, wenn die Sonne im Horizont stehe und kein Regenbogen stattünnden könne, wenn die Sonnenhöhe mehr als 45 betrage und ein Jeder seinen eigenen Regenbogen habe II, 2628, unterscheidet er im 29ten Theorem besonders vier Farben im Regenbogen, die er croceus, viridis, coeruleus und purpureus nennt, fügt aber hinzu, dass es zwischen diesen noch drei Mittelfarben gäbe(qui sunt utrorumque connexiones) und deshalb der Regenbogen mit Recht siebenfarbig genannt werden könnte.

Johann Fleischer, Prediger an der Elisabethenkirche in Breslau, gest. 1593, wird gewöhnlich als der erste angegeben, der den alten Wahn beseitigte, der Regenbogen entstände in den Wolken. Er versetzte denselben in den Regen selbst und nahm eine zweimalige Brechung und einmalige Zurückwerfung der Lichtstrahlen an, versetzte die letztere aber nicht auf den Hintergrund des Tropfens, sondern meinte, die Strahlen, nachdem sie sich an der vorderen und hinteren Seite ge- brochen haben, würden von anderen dahinterliegenden Tropfen reffectirt24). So war man zwar der Wahrheit etwas näher gekommen, aber erst Marcus Antonius de Dominis(umgekommen im Jahre 1624), der nirgends Fleischer's Schrift erwähnt, gebührt das Verdienst, nachgewiesen zu haben, dass eine Reflexion des Lichtes auf dem Hintergrunde des Tropfen stattfindet. Er kam nämlich zuerst auf den glücklichen Gedanken, Versuche mit festen und mit Wasser gefüllten Glaskugeln anzu- stellen und gelangte zu folgenden Resultaten:

Halt man eine solche Kugel(Fig. 2) gegen die Sonne B, so erleiden die Strahlen Aenderungen mancher Art. Ein Theil derselben wird bei dem Eintritt in die Kugel sowohl, als auch bei dem Ausgang aus derselben gebrochen, und vereinigt sich in einem Punkte V; ein anderer Theil wird von ihrer vorderen convexen Oberfläche CD refʒlectirt; ein dritter endlich wird von ihrem Hintergrund G zurückgeworfen und nach zwei verschiedenen Richtungen hin, die beide kreisförmig sind, verbreitet: die eine mehr seitwärts nach den Linien GF, GE, die andere der Sonne näher nach den Linien GJ, GH. Diese beiden Reflexionen erfolgen aber nicht in untheilbaren Linien, sondern sie zeigen eine gewisse Breite. Die eine nämlich dehnt sich in den Strahlenbüschel GF, GN, GM rings um die Kugel kreisförmig aus, die andere, gleichfalls kreisförmig, in den Strahlenbüschel GL, G K. GJ.

2²³) Francisci Maurolyci, abbatis Messanensis, mathematici celeberrimi, thooremata de lumine et umbra, ad perspectivam, et radiorum incidentiam facientia. Diaphanorum partes, seu libri tres: in quorum primo, de per- spicuis corporibus: in secundo, de iride: in tertio, de organi visualis structura, et conspiciliorum formis, agitur. Problemata ad perspectivam et iridem pertinentia. His accesserunt Christophori Clavii e societate Jesu notae. Lugd. MDCXVII.

) Wilde, Geschichte der Optik, I. Band. S. 175