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Bei allen Schriftstellern des Alterthums, die von dem Regenbogen handeln, tritt uns die Ansicht entgegen, die dunkle Wolke sei ein Hohlspiegel, von dem das Sonnenbild in Gestalt eines Bogens zurückgeworfen werde, und wenn auch Anaxagoras behauptet, der Regenbogen komme von der Brechung der Sonnenstrahlen in einer dicken Wolke, wie in einem Spiegel her, ⁴⁴) so ist auf eine solche vereinzelte Aeusserung nicht viel zu geben.
Was die Farben betrifft, so hielten die Alten dieselben für Licht, das mit Schatten oder an- deren Dingen vermischt wäre und dadurch geschwächt würde. Aristoteles, der vorzüglich drei Farben ¹⁵) im Regenbogen unterscheidet, sieht auch als Ursache desselben eine Zurückwerfung der Sonnenstrahlen von einer durch Zusammentritt der Luft und des Dunstes gebildeten Wolke an ¹⁶) und die Verschiedenheit der Farben erklärt er durch die mehr oder weniger schief auffallenden Strahlen ¹⁷), Den oberen Regenbogen erklärt er auf dieselbe Weise, wie den unteren, nur sind seine Strahlen schwächer, weil er in einer entfernteren Gegend des Wasserdunstes entsteht und die Anordnung der Farben ist umgekehrt ¹⁵).
Cicero de nat. deor. III, 20, 51 fragt, warum wird aber der Regenbogen nicht auch unter die Götter gezählt, denn er ist ja schön und seiner bewunderungswürdigen Gestalt wegen soll ihn Thaumas erzeugt haben. Ist seine Natur göttlich, was soll wohl die der Wolken sein? Denn der Regenbogen entsteht ja aus den auf verschiedene Art gefärbten Wolken, von denen sogar eine die Mutter der Centauren sein soll.
Auch Plinius Hist. nat. II, 59, 60 hält die einer hohlen Wolke zugesendeten Strahlen für die Ursache des Regenbogens und meint, die Verschiedenheit der Farben entstehe durch die Mischung der Wolken, der Luft und des Feuers(mixtura nubium, ignium, aeris).
Wie schwer es ist, einen einmal bestehenden Irrthum zu beseitigen, zumal ohne richtige Vor- stellungen über Kraft, Ursache und Wirkung, das sehen wir deutlich an dem Stoiker Lucius Annaeus Seneca. Er handelt weitläufig von Spiegeln und deren Anwendung, wobei er seine Betrachtungen anstellt über die Ueppigkeit und Putzsucht seiner Zeit und über die einfachen früheren Zeitalter; die Reflexion der Lichtstrahlen hätte ihm also bekannt sein können und durch die angegebenen Experi- mente geleitet, hätte er leicht auf die Brechung der Lichtstrahlen geführt werden können, allein auch von ihm ist keine andere Ansicht vertreten, als die der aältesten griechischen Weltweisen. Nachdem er in der Vorrede zu den Quaest. nat. auf das Walten einer allmächtigen und allweisen Vorsehung in den Erscheinungen der Natur aufmerksam gemacht hat, werden folgende Thatsachen angeführt: Remus tenui aqua tegitur et fracti speciem reddit. Poma per vitrum adspicientibus multo maiora sunt. I, 3, 10: Literae quamvis minutae et obscurae per vitream pilam aqua plenam maiores clarioresque cernuntur. Sidera ampliora per nubem adspicienti videntur, quia acies nostra in humido labitur, nec apprehendere, quod vult, fideliter potest. Quod manifestum fiet, si poculum impleveris aqua, et in id conjeceris annulum. Nam cum in ipso fundo jaceat annulus, facies ejus in summa aqua redditur I, 6, 5 etc. ed. Fickert.
Die einzige Spur eines Prisma im Alterthum treffen wir sogar bei Seneca und die Entstehung der Regenbogenfarben durch dasselbe. Denn im Anfang des 7. Capitels im ersten Buch heisst es: Virgula solet fieri vitrea, stricta, vel pluribus angulis in modum clavae torosa: haec si in trans- versum solem accipit, colorem talem qualis in arcu videri solet, reddit, ut scias non imaginem hic solis esse, sed coloris imitationem ex percussu.
1¹) Brucker, Hist. crit. Philos. Lips. 1567, edit. sec. Tom. I. p. 514. 15) Arist. Meteor. ed. Ideler. III, 2, 4. 5. 16) Arist. Meteor. III, 3, 2; 4, 9. 1) Arist. Meteor. III, 4, 25: A⁴ dey ody od, Tiv So oεiix STer. Gr dsyicne»do eu⁵κᷣενα õdeiα⁷ n9ooimεετει νυνμ οςσ τον Aεοeν, syi—* e. ¹, Gε, οανεvν zdννμ τυr dνα᷑ 1*ev. 1s) Arist. Meteor. III. 4, 31. 32. 1*


