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Iris, die schnellfüssige Tochter des Thaumas, erscheint als Botin der Junos); sie schreitet äber den breiten Rücken des Meeres, wenn Streit und Zank unter den Sterblichen ausbricht. Wenn aber Unwahres gesprochen wird von den Bewohnern des Olympos, da pflegt Zeus dieselbe auszu- senden, um fernher den Zeugen des grossen Eides der Götter, das berühmte kalte Wasser in einem goldenen Becken zu holen, welches von einem hohen, schroff aufsteigenden Felsen herabgleitet. ⁵) Auch zu anderen Sendungen auf die Erde werden die Dienste der lris in Anspruch genommen. Denn nicht nur auf den Befehl des Kroniden verlässt sie den Sitz des Olympos, um dem gross- herzigen Priamos nach Ilios hinein zu melden, dass er seinen lieben Sohn auslösen soll,*) sondern sogar auf das Flehen des Achilles eilt sie in die Wohnung der Winde, um sie herbeizurufen zum Anfachen des Scheiterhaufen, auf welchem Patroclos liegt, den alle Achäer beweinen.³) Im Götter- pallast selbst sitzt sie beständig unten am Throne der Göttin, die sie vorzüglich liebt und ist so aufmerksam auf ihre Befehle, dass sie immer bereit ist, dieselben auszurichten.²) Sie thut ihr eben die Dienste, wie der Aphrodite ihre Grazien, denn sie salbt und badet sie, ¹⁶) ja Theocrit erzählt, dass sie dem Zeus und der Hera mit ihren wohlriechenden Händen das Lager bereite. ¹¹)
Die alten Griechen und Römer erkannten bei ihrer unvollkommenen und falschen Anschauung der Naturerscheinungen die nächstliegenden Ursachen von Naturwirkungen nicht, und wie langsam überhaupt der menschliche Geist in seiner Entwickelung voranschreitet, das zeigt uns deutlich die Geschichte der Optik und somit auch die Geschichte der Theorie des Regenbogens.
Verdanken wir immerhin dem geistreichen Volke der Griechen viel Bedeutenderes in der Lehre vom Licht, als den Römern, bei denen nur Lucrez, Seneca und Plinius zu erwähnen sind, verdanken wir ihnen schon die Gesetze der Spiegelung und der Brechung, und unterwarfen sie allein unter allen Völkern des Alterthums den unendlich feinen Stoff des Lichtes bereits der mathematischen Behandlung, so herrschte doch über die Entstehung der Bilder in Spiegeln, über Farben, überhaupt über die gewöhnlichsten Erscheinungen des Lichtes die grösste Unklarheit. So berichtet uns z. B. plutarch in seiner Schrift„De placitis philosophorum“ IV, 13:„Das Sehen erfolge nach der Mei- nung des Democrit und Epicur durch Ausströmen der Bilder aus den Augen, und Hipparch sage, dass die von beiden Augen ausgehenden Strahlen mit ihren Enden wie mit Tasten der Hände, welche die ausserhalb befindlichen Körper befühlen, das Auffassen derselben in Beziehung auf das Sehobject bewirken. Plato hingegen bezeichne durch Synaugie das Zusammentreffen der Strahlen oder den gegenseitigen Zusammenstoss der Strahlen, wenn das Licht der Augen herausströmt zu einem Theil des Zwischenraumes in die ihm verwandte Luft, und wenn zugleich das Licht, welches von den Körpern ausgeht, ihnen begegnet.“ Selbst Aristoteles, der am tiefsten unter den Philosophen des Alterthums über das innere Wesen des Lichtes nachgedacht hatte, der das Licht ¹²) und die Farben nicht für körperliche Ausflüsse aus den leuchtenden Gegenständen hielt, sondern nach dessen Meinung das Sehen durch eine Bewegung des durchsichtigen Mittels zwischen dem Auge und dem Gesehenen erfolge, ¹s) kannte nicht die Brechung des Lichtes und die mit ihr verbundene Zerlegung in Farben.
⁵³) Virg. Aen. IV, 600. Ovid. Met. IV, 480. 6) Hesiod. Theog. 784— 787. Virg. Georg. I, 379: bibit ingens arcus. Prop. III, 3, 54: Purpureus pluvias cur bibit arcus aquas. ) Ilias XXIV, 144. ) Ilias XXIII, 197— 211. *) Kallim. Hymne auf Delos v. 235— 239. )
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Ovid. Met. IV, 478. 11
Idylle 17, 133— 134.
) ¹²) Arist. de anima II, 7. 4οςα ϑει εσσιννυπ robνrov gvéyiα oν ϑαρασάeνονs, duumαάνεs. qwwdhusr dν εmν ois roντ⁶
QGri E 16 Gντοε.
1³) Wilde, Geschichte der Optik I. Band, S. 8.


