Jahrgang 
1868
Einzelbild herunterladen

6

Früchte getragen. Gründliche Kenntniss der alten Sprachen wurde bald das Eigenthum selbst von Juristen, Geistlichen, Typographen, während sich noch in demselben Jahrhundert eine staunenswürdige Univer- salität antiquarischer Gelehrsamkeit gleichsam gipfelt in den grossen Meistern Casaubonus, Scaliger und Salmasius. Seit dem 18. Jahrh. drängte die Nationalliteratur, und eine einseitige Beschäftigung mit der Muttersprache oder mit mathematischen Wissenschaften, das Studium der alten Sprachen sehr in den IHlintergrund. In jüngster Vergangenheit waren es besonders Deutsche(IIase, Dübner), die, in Frankreich eingebürgert, durch philologische Gelehrsamkeit sich auszeichneten, und die Klage Dacier's in dem Mémoire an Napoléon I. über den Verfall der Philologie scheint leider ziemlich genau auf die Gegenwart zu passen.(Villers, coup d'oeil sur les universités d'Allemagne p. 86.)

Die erste Hälfte des XVI. Jahrh., die Zeit also König Franz I., war ihrem eigentlichen Wesen nach für Frankreich eine Zeit des Ueberganges, der Umwandlung. Die mittelalterliche Wissenschaft, die Scholastik, wurde bekämpft von Petrus Ramus(Pierre de la Ramée) in seinen: Aristotelicae Animad- versiones und Dialecticae Institutiones, die zuerst erschienen Paris 1543; und den alten Kirchen- glauben erschütterten die, von Deutschland und der Schweiz, eindringenden reformatorischen Lehren. Die, für das Mittelalter so charakteristischen, geistlichen Spiele, die Mystères sacrés, welche Anfangs sogar einen Bestandtheil des Gottesdienstes bildeten, waren allerdings entartet, und mussten jetzt der alten Kirche um so bedenklicher und anstössiger erscheinen, da der unbefangene, naive Glaube nicht mehr vorhanden war. Sie wurden deshalb allen möglichen Beschränkungen und Hemmnissen unter- worfen, von einer Bühne zur andern verscheucht, und endlich 1548 ganz aufgehoben. Auch noch auf einem andern Gebiete, für die Dichtkunst nämlich, bereitete sich damals eine Umwälzung vor, die fast unmittelbar nach dem Tode des Königs zum Ausbruch kam, die jeden Faden des Zusammenhanges mit dem Mittelalter zerschnitt, völlig mit der Vergangenheit brach, und eine Geschmacksrichtung zur herr- schenden machte, die das ganze Jahrh. hindurch bis auf Malherbe, die allgemeine, einzig gültige ge- blieben ist. Diese Umwälzung entsprang der Begeisterung für die Literatur Griechenlands und Roms, ist also wesentlich auf den zurückzuführen, der das Studium des Alterthums in Frankreich erst wieder erweckt und auf alle Weise gefördert hat, und muss deshalb hier, wenigstens in ihren Grundzügen dar- Zuvor aber ist noch Clément Marot's, gleichsam des letzten bedeutenderen Ausläufers

190

gestellt werden. mittelalterlicher Dichtung in Franz l. Zeit, gedacht worden. Er war IIofdichter, den Hof nannte er seine

maitresse d'école, bekleidete zuerst die Stelle eines Kämmerlings, valet de chambre bei der Herzogin 8 gln s Schwester, dann bei diesem selbst, zog mit ihm nach ltalien, kämpfte mit bei

von Alençon, des König und theilte eine Zeit lang die Gefangenschaft seines königlichen Herrn.

Pavia, wurde hier verwundet, Kaum nach Paris zurückgekehrt, wies man ihm, trotz seiner nahen und, wie behauptet wird, sehr ver- trauten Beziehungen zum Hofe, wegen seiner Hinneigung zur Ketzerei, im Chatelet unerwünschte Woh- nung au, und leicht hätte er das Schicksal seines Freundes, Etienne Dolet, haben können, dem wirklich die Ehre widerfuhr, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu enden. Ueber die fortdauerden Verfolgungen der Sorbonne beklagt er sich einmal, obgleich, wie es scheint, ziemlich fruchtlos, in einer poetischen Epistel an den König, in welche er geschickt dessen Lieblings-Schöpfung, das Collegium der drei Sprachen, das Collége Royal, einzuflechten verstand: sans cause qui soit bonne,

Me veut du mal l'ignorante Sorbonne.

Bien ignorante elle est d'ètre ennemie

De la trilingue et noble Académie(le Collége de France)

Qu'as érigée. II est tout manifeste

Que-dedans, contre ton vueil céleste,

Est défendu qu'on ne voyse alléguant

IHIébrieu, ni grec, ni latin élégant;

IHumo hewe, shäter nieht eigent

und NMeist nur e merk bei l verm In de die holfe geme dure erho eine zur

hand Ker kaur nacl Sohe de( mit

Ware 80 8 Wen)

Schi