Jahrgang 
1867
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Jahresbericht von Ostern 1866 bis Ostern 1867.

Die ersten beiden Monate des am 9. April 1866 begonnenen Schuljahres vergingen in der gewohnten friedlichen Beschäftigung. So konnte in Folge Grossherzogl. Ministerialrescripts vom 14. April das Gymnasium den 5. Mai als den fünfzigsten Jahrestag des Bestandes der Verfassung des Grossherzog- thums in einfacher, aber angemessener Weise feiern, indem jeder Klassenlehrer seinen Schülern in dankbarer Erinnerung an den hochherzigen KAanl Aueusr, dem das Land diese Verfassung verdankt, die Bedeutung des Tages erklärte und am Nachmittage das ganze Lehrer-Kollegium mit den erwachse- neren Schülern an der von der Bürgerschaft veranstalteten Feier Theil nahm. Auch wurden durch Mini- sterialrescripte vom 17. April, 31. Mai und 12. Juni Anstalten getroffen, dass nach Erneuerung und Ver- mehrung der Turngeräthe auf dem Hofraum des hiesigen Realgymnasium die Schüler des Karl-Friedrichs- Gymnasium in Ermangelung eines eigenen Turnplatzes unter Anleitung des Turnlehrers am Realgymnasium, des Herrn Sander, turnen könnten. Diese Uebungen begannen am 17. Juni und dauerten bis zum Ein- tritt der rauheren Jahreszeit. Die Direktion wurde durch Rescript vom 15. November benachrichtigt, dass dieser Unterricht in der jetzt geordneten Weise bis auf Weiteres ertheilt werden soll. Das Ende dieses ersten Viertels des Schuljahres aber war sehr trüb und Sorgen erregend. Auch unter den Schülern des Karl-Friedrichs-Gymnasium zeigte sich die Augenkrankheit, die schon Schüler anderer hiesiger Anstalten ergriffen hatte. Eine durch Ministerialrescript vom 20. Juni angeordnete Unter- suchung der Schüler ergab die rasch fortschreitende Ausbreitung des Uebels und so ordnete die hohe Behörde den alsbaldigen Schluss des Unterrichts an, der am 22. Juni erfolgte, nachdem der herbeige- zogene Physikus den Schülern angemessene Verhaltungsmassregeln gegeben hatte. In Folge dessen musste die Feier des Geburtsfestes Sr. Königlichen Hoheit, unseres gnädigsten Grossherzogs, diesmal unterbleiben. Und es war ein Glück, dass die Schüler entlassen worden waren. Denn die Kriegsge- fahr rückte immer näher und bedrohte am 24. Juni Eisenach unmittelbar und die nächsten Tage brach- ten starke Truppendurchmärsche und zahlreiche Einquartierungen, mit denen auch sämmtliche Klassen- lokale zweimal belegt wurden. Als endlich die Kriegsunruhen vorüber waren, war eine gründliche Reinigung, theilweise Ausweissung der Räume des Gymnasialgebäudes und in Folge dessen die Ver- längerung der Ferien bis zum 29. Juli einschliesslich nöthig(Rescr. vom 10. Juli). Wegen dieser un- gewöhnlich langen Unterbrechung des Unterrichts wünschte das Lehrer-Kollegium eine Verschiebung der Herbstferien bis zum 29. September und durch Resc. vom 30. August wurde vom Grossherzogl. Staatsministerium Genehmigung dazu ertheilt. Glücklich aber kann sich das Gymnasium preisen, dass Cholera und Typhus, die sich hier und da in der Stadt zeigten, im Ganzen glücklich vorüber gingen. Nur einen sehr lieben und hoffnungsvollen Schüler, den Obersekundaner Karl Wepler entriss uns der Tod am 23. August. Auch die Masern, die später auftraten und an denen mehrere Schüler erkrankten, hatten für die Betroffenen keine dauernden üblen Folgen.

Das Winterhalbjahr begann am 15. October und bald darauf, am 24. und 25. d. M., fand die lange verschobene Beicht- und Abendmahlsfeier Statt, wobei Herr Professor Dr. Witzschel die Vorbereitungs-, Ilerr Diakonus Dr. Gilbert die Beichtrede hielt. In dies Winterhalbjahr fielen wieder fünf Studien- und Arbeitstage der Schüler.

Als Erfreuliches, was im Verlaufe des zurückgelegten Schuljahres vorkam und wodurch die hohe Schulbehörde ihr fortdauerndes Wohlwollen und ihre Fürsorge bethätigte, ist zu berichten, dass durch Rescript vom 6. September die Professoren DD. Witzschel, Schwanitz und Wittich, sowie der Mathematikus Kunze, durch Rescr. vom 2. Oktober Dr. Wilhelm, durch Rescr. vom 11. April d. J. Dr. Möller eine Gehaltszulage erhielten, endlich dass durch höchstes Decret vom S. April d. J. Mathematikus Kunze zum Professor ernannt wurde.

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