Jahrgang 
1866
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Jahresbericht von Ostern 1865 bis Ostern 1866.

In dem ersten Viertel des am 24. April 1865 eröffneten Schuljahres war wegen des am Schlusse des vorjährigen Programmes gemeldeten Todes des Professor Dr. Rein eine Vertretung seiner Lektionen nöthig. Diese wurde wesentlich erleichtert, als der Kollaborator des geistlichen Ministerium Herr Robert Stier, der früher schon an der Schwesteranstalt in Weimar als Lehrer thätig gewesen war, sich bereit erklärte in Quinta den lateinischen und deutschen Unterricht zu übernehmen. Nach erfolgter Genehmigung von Seiten der hohen vorgesetzten Behörde trat Herr Stier am 22. Mai ein und führte den Unterricht in der genannten Klasse bis zum Beginne der Sommerferien am 8. Juli fort. Die Direktion fühlt sich verpflichtet, ihm nochmals hier ihren Dank auszusprechen für die Gewissenhaftigkeit, Treue und liebevölle Weise, mit welcher er die Knaben unterrichtete. Unterdessen war die Direktion durch Ministerialrescript vom 19. Juni davon in Kenntniss gesetzt worden, dass ein Kollaborator für das Gymnasium ernannt sei, welcher am 1. August seine Funktionen übernehmen werde. So konnte die Direktion den Stundenplan in der Weise ein- richten, dass die bisherigen Klassenlehrer von Quarta und Quinta in die entsprechende höhere Klasse mit dem wesentlichen Theile ihrer Amtsthätigkeit einrückten, dem neuernannten Lehrer aber vor- zugsweise Quinta zugewiesen wurde.

Dieser provisorisch angestellte Kollaborator ist Dr. Eugen Erdmann Wilhelm. Er ist 1842 in Neustadt a. O. geboren und auf dem Gymnasium zu Weimar vorgebildet. Zu Ostern 1861 bezog er die Universität in Jena, wo er Philologie studirte, später auch der neueren Sprachwissenschaft sich zuwandte. Gleichzeitig nahm er an den Uebungen des philologischen Seminars Theil, dem er 2 ½ Jahre als ordentliches Mitglied angehörte. Zu Michaelis 1863 ging er nach Halle, um seine Studien fortzusetzen. Nachdem er zu Ostern 1864 in Jena zum Doctor der Philosophie promovirt worden war, war er ein Jahr lang in Holstein als Privatlehrer thätig. Am 1. August 1865 trat er sein Amt am Karl-Friedrichs-Gymnasium an. Vor Kurzem hat er seinequaestiones Vellejanae durch den Druck veröffentlicht.

Die interimistische Vertretung des Ordinariats in Tertia und Quarta aber fand ihre Erle- digung, als mit höchster Genehmigung durch Rescript vom 5. Oktober Professor Dr. Witzschel als Ordinarius der Tertia, Professor Dr. Schwanitz als Ordinarius der Quarta, beide mit erhöhtem Ge- halte, bestätigt wurden. Zugleich erhielten Professor Dr. Wittieh und Mathematikus Kunze eine entsprechende Gehaltszulage. Auch bethätigte die hohe Behörde ihre wohlwollende Fürsorge für die Lehrer dadurch, dass sie einem der genannten ein Holzdeputat gewährte, die der drei übrigen aber ordnete(Rescripte vom 19. Oktober und 14. November).

Am 29. April wurde Mathematikus Kunze durch das Sekretariat der Oberlausitzischen Ge- sellschaft der Wissenschaften in Görlitz benachrichtigt, dass die von ihm eingesandte Abhandlung über die von dieser Gesellschaft gestellte PreisaufgabeEhrenfried Walter von Tschirnhaus' Leben und Würdigung seiner Verdienste den Preis davon getragen habe.

Die Beicht- und Abendmahlsfeier fand am 17. und 18. Mai sowie am 1. und 2. November statt; zur ersteren hielt Professor Dr. Weissenborn, zur letzteren der Direktor im Gymnasium die Vorbereitungsrede.

Das Geburtsfest des durchlauchtigsten Landesherrn wurde am 24. Juni in gewohnter Weise gefeiert. Nachdem Professor Dr. Schwanitz die Festrede über Schillers Don Carlos und den ge- schichtlichen gehalten hatte, sprach der Primaner Rein im Namen des Cötus den metrischen Fest- gruss. Darauf trugen der Primaner Enders und der Sekundaner Creuznacher eigene Gedichte in deutscher Sprache vor, andere Schüler Gedichte deutscher Dichter. Mit Gesang des Gymnasialchores wurde die Feier eingeleitet und geschlossen.

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