Jahrgang 
1866
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der Umgegend von Eisenach, im Werrathal und Feldagrund noch an vielen Orten und wo er nicht mehr in Uebung ist, lebt er wenigstens noch im Andenken der Leute. Beachtung verdienen die Namen, womit man den Brauch bezeichnet. Bei Salzungen nannte man den Halmbüschelden Struisz(Strausz) oderden Alten; bei Berkadie alte Schusel'; um Eisenach und Mark- suhl herum heiszt erWichtelmann,Waldmann undFeldmann. Bei Völkershausen und im Feldagrund bleibt erfür die gute Frau stehen, bei Tiefenortfür die arme Frau; auch läszt man dort für die arme Frau eine kleine Garbe auf dem Felde liegen. Man nennt auch den Halmbüscheldas arme Fräche. Gewöhnlich bleibt er drauszen auf dem Felde stehen, bis ihn die armen Leute beim Aehrenlesen mit abschneiden; an manchen Orten schneidet man aber beim Weggange vom Acker die Aehren oben ab, damit nicht ein Anderer, der Wichtel oder der Johannisschnitter, vom Kornboden des Besitzers das Jahr über mitesze. In Unterellen läszt man den Waldmann als Wächter des Korns drauszen auf dem Felde bis zur Einfahrt des letzten Fuders; dann wird er mit einem frischen Kranze geschmückt und auf dem Kornwagen vom Vorschnitter gehalten, während der Wagen, von den Schnittern begleitet, die Lieder allerlei Inhalts singen, langsam zum Dorfe und auf den Hof des Besitzers einfährt. Ueber diese Erntesitte s. Grimm in Haupts Ztschr. 7, 385. Mythol. 140 ff. 231 f. Kuhn märk. Sag. 337 ff. Vorr. VI f. Kuhn und Schwarz nordd. Sag. 394 ff. Panzer Beitr. I, 241. II, 214 ff.

71. Bei der Obsternte nimmt man dem Baume nicht alle Früchte. Man läszt die eine oder die andere daran hängen, damit der Baum auch im nächsten Jahre etwas geben möge.

75. Wenn das Grummet eingefahren wird, läszt man auf der Wiese ein kleines Häufchen liegen. Es gehört demHolzfräle(Holzfrauchen) für den gebrachten Segen.(Meininger Oberland.)

76. Dem Gutsherrn wurde sonst nach jeder Ernte mit dem letzten Heu, Korn, Weizen u. s. w. ein Erntekranz überbracht. Auf dem letzten Heufuder saszen Weiber und Kinder der Mähder mit dem aus Wiesenblumen gefertigten, mit Bändern geputzten und an der Heugabel oder dem Rechen befestigten Kranze. Die Leute erhielten dann eine Mahlzeit. Jetzt wird nur am Schlusze der Ernte ein Kranz gebracht, aus allen möglichen Blumen und Früchten gewunden.(Umgegend von Lengsfeld.)

77. Wenn sonst die erste Fuhre Korn eingefahren wurde, so frug die Frau:Mann was bringst du?Brod für die Kinder und den Tod für die Mäuse, war die Antwort. Das sagte man, um das Korn vor den Mäusen zu schützen. Man warf auch die erste Garbe für die Mäuse in die Tenne oder steckte, um die Mäuse fern zu halten, Erlenreiser stillschweigend in die vier Ecken des Banzen.

78. Beim Dreschen wird in die letzte Garbe eine Magenwurst gesteckt und mit der Garbe in die Tenne geworfen. Sie heiszt dieBarrenwurst oderBanzenwurst und wird von den Dre- schern gemeinsam verzehrt. Nach dieser Mahlzeit wird hier und da ein Bursche in Erbsstroh gehüllt und in diesem Kostüm durch das Dorf geführt.

79. Der Glaube an Hungerbrunnen als Vorzeichen künftiger Theuerung ist oder war anch um Eisenach herum zu Hause. Paullini im philosophischen Feierabend p. 284 f. erzählt: Eine Meile von hier(Eisenach) über Lauterbach am Holze, in dem sogenannten Kalkofen, ist ein Platz, wo nach Aussage der Alten, wenn es theuer werden will, zugleich viele solcher Quellen her- vorflieszen und zwar so stark, dasz sie auch wohl eine Mühle treiben könnten, dahero vor solchem Ausflusz der Brunnen fast den ganzen vorigen Sommer niemand mit einem Wagen hat ins Holz kommen können. Deswegen auch solche Brunnen von langen Jahren her die Hungerbrunnen heiszen. Zu Bischofroda ist auch ein solcher Ort, welcher die Hölzenau genannt wird, in dem langen Thal, da eben dergleichen Brunnen das Jahr vorher, ehe es theuer wird, pflegen zu entspringen. S. Grimm Mythol. p. 557.