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Kirche angezündet wird. Eine Kohle von diesem Feuer unter dem Dache des Hauses oder Vieh- stalles verborgen schützt gegen Hexen und Wetterschaden. Vergl. Waldmann eichsfeldische Gebr. und Sagen p. 4 ff.
50. In der Osternacht gehen junge Mädchen an einen Bach und schöpfen dort stillschweigend das Osterwaszer. Es musz immer mit und nicht gegen den Strom geschöpft werden. Dasselbe ist heilsam, vertreibt die Sommersproszen und macht das Gesicht schön und glänzend. In Wiesenthal im eisenachischen Oberlande klopfen die jungen Burschen die Mädchen aus den Betten und bespritzen sie mit dem sogenannten Osterthau. Vergl. Grimm p. 557.— Die Hand, welche mit Osterthau benetzt war, verhindert das Blähen des Viehes, wenn man mit derselben dem Thiere über den Rücken hinstreicht. Das Osterwaszer wird dem Vieh auch unter das Saufen geschüttet, damit es das ganze Jahr über gesund bleibe. In dieser Nacht verwandelt sich auch alles Waszer einen Augenblick in Wein.
51. In verschiedenen Dörfern um Eisenach war und ist es noch Sitte, dasz die Bauern oder ihre Knechte in der Osternacht die Pferde ins Waszer reiten und dann in ein Saatfeld, damit die Pferde etwas von der jungen Saat freszen. In Marksuhl reitet man die Pferde gleichfalls ins Osterwaszer und dann in die grüne Saat, damit dieselbe beszer gedeihe.
52. Auf Walpurgis macht man drei Kreuze an die Thüren des Hauses und der Viehställe, damit die Hexen nicht hinein kommen können. Sonst gosz derjenige, welcher am Morgen zuerst aufstand, auch einen Eimer Waszer zur Hausthür hinaus.(Marksuhl.)
53. In Ettenhausen bei Marksuhl umwickelten sonst zu Pfingsten die jungen Burschen einen ihrer Kameraden mit grünem Laub vom Kopf bis zu den Füszen, putzten ihn auch noch mit bunten Bändern und Tüchern und führten ihn im Dorfe von Haus zu Haus als Laubmännchen umher. Einige von der Gesellschaft trugen Körbe, die Victualien, Eier, Speck, Würste, Butter, Kuchen etc., hinein zu legen, die sie bei diesem Umzuge von den Leuten begehrten und erhielten. Zuletzt wurde das Laubmännchen von den Umführenden mit Waszer besprengt und von den eingesammelten Gaben ein gemeinschaftlicher Schmaus gehalten. Auch in Allendorf bei Salzungen hat man das Laubmännchen noch jüngst herumgeführt und nach dem Umzuge mit Waszer begoszen.
In der Vogtei Dorla bei Mühlhausen, in den Dörfern Ober- und Niederdorla und Langula, wird derselbe Repräsentant des jungen, mit frischem Grün und Blumenschmuck eingezogenen Som- mers am zweiten und dritten Pfingsttage noch heute als„Schoszmeier“ hoch zu Rosz im stattlichen Laub- und Blumenkleide eingeführt und nach dem Umzuge, wenigstens früher, ins Waszer gestürzt.*) Und in Groszvargula steckt man die Zweige von der Pappelpyramide, unter welcher dort der„Graskönig“ zu Pfingsten ins Dorf eingeritten war, nach dem Umritt auf den Leinacker, um langen Flachs dadurch zu bekommen.
54. In Langensalza war sonst Nachmittags am Trinitatissonntage nach dem Gottesdienste ein Rennen und Laufen der Leute aus allen Enden und Theilen der Stadt nach jenem Hause hin, wo sich um diese Zeit die Fuhr- und Ackerleute aus der Stadt und Umgegend versammelten, um einen
*.) Diese Waszertauche und das Besprengen mit Waszer stellt den thüringischen Laubmann und Schoszmeier dem schwäbischen und baierischen Waszervogel und dem österreichischen Püngstkönig an die Seite uad läszt vermuthen, dasz in älterer Zeit mit seinem Umzuge eine Art Regenzauber zulelzt verbunden war. S. darüber Grimm Mythol. S. 560. Vergl. Nr. 55. Panzer Beitr. zur deutschen Mythol. I. 235. r. 261. II, 81. fl. 444 fl. Meier Sagen und Gebr, aus Schwaben S. 404. Nr. 98. Auf diese Sitte bezieht sich wahrscheinlich auch im Erfurter Zuchtbriefe vom Jahre 1351 folgende Bestimmung:„Das niemant den&m dern in das waszer trage. Unser hern ver- hieten auch, das niemant zu Ostern, zu Pfingsten, noch zu keiner andern zeit den andern in das uaszer tragen oder werſſen Sol, als dicke sol er X schillinge geben. vermag er des geldes nicht, so sal er sein buess leyden en dem stocke.“ Als Kindersitte ist das Laubmännchen noch an vielen Orten, namentlich auf dem Walde, zu Pfingsten gekannt und in Uebung.


