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seine zähe Lebensdauer bewahrt hat, ersieht man aus einem Verbot desselben in dieser Zeit. Beck Ernst der Fromme I, 427. erzählt:„Das Schwerttanzen der Handwerksburschen in Friedrichroda und die Tänze und Ueppigkeiten zur Fastnachtszeit muszten in Folge eines Befehls vom 3. Februar 1651 eingestellt werden.“ Der Schwerttänze in Thüringen gedenkt auch Pfefferkorn thür. Chron. S. 48:„lch könnte auch hier von dem privilegirten Schwerttanz der Bauern im Amt Georgenthal etwas melden, aber etc.“*)
45. Die älteste bis jetzt aufgefundene Beschreibung des Eisenacher Sommergewinns aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts lautet:„Unter denen Eisenachischen Gebräuchen, so noch alljährlich allda mit gehalten werden, ist auch das so genannte und bekannte Sommergewinnen auf Laetare in der Fasten, da viele Kinder nach der Amts- oder Haupt-Predigt, auch nach denen Mittagspredigten vor das Georgen- Thor gehen, die ausgehängte und in einer frischen Tanne oder Fichten sitzende Sommerdocken sehen und sich einen so genannten Sommer(nämlich Bretzeln, Gipstäflein mit bibli- schen Bildern, Bändern, kleinen Kuchen, gefärbten Eierschalen, Schneckenhäusern und andern Sachen, so an die Tannen- oder Fichtenreiszer gehänget sind) kaufen und in die Stadt oder wo sie wohnen hintragen. Vor 50 und mehr Jahren ist hiebei der ärgerliche Gebrauch noch gewesen, dasz die jungen Burschen mit Mägden und erwachsenen Kindern auf den Mittelstein gegangen, worauf sie ein Rad getrieben, daran sie einen strohernen Mann gebunden, welchen sie den Tod genennet, denselben angezündet und mit dem Rad den Berg hinunter haben lauffen laszen, dabei sind sie bei der Warten- burg in den Tannenwald gegangen, haben eine gleiche und hohe Tannen abgehauen, welche sie nachgehends mit Bändern geschmücket und auf den Plan fest eingegraben und aufgestellet haben, da denn die Mannsleute nach denen Bändern gestiegen. Als aber einer von der Tannen einmal gefallen und ein Bein gebrochen, auch sonst viele Ueppigkeit dabei vorgekommen, ist solcher Unfug nachgehends abgeschafft worden.“(Kochs handschriftl. Collectaneen z. Gesch. v. Eisenach. 1704.)
Ostern und Pfingsten.
46. Die am Gründonnerstag gelegten Eier gibt man besonders gern den Hühnern zum Ausbrüten. Das daraus hervorgegangene Hühnervolk wechselt jedes Jahr die Farbe.— Ein Ei, an demselben Tage von einer schwarzen Henne gelegt, nimmt man auf der Rhön in einer hölzernen Büchse am ersten Ostertage mit in die Kirche. Wer mit einem solchen Ei versehen ist, kann alle Hexen, die in der Kirche zugegen sind, erkennen; sie erscheinen ihm mit Melkkübeln auf den Köpfen. Vergl. Grimm a. a. O. p. 1032 f.
47. Am grünen Donnerstage versteckt man den Kindern bunt gefärbte Ostereier, die sie dann suchen. An manchen Orten werden diese Eier mit der Osterblume oder Küchenschelle(Ane- mone pulsatilla) gefärbt. Sie liegen gewöhnlich in einem künstlich gemachten Neste und man sagt, der Hase oder Storch habe sie gelegt. Auch sitzt ein gebackener Hase auf dem Neste, ein Back- werk, das an diesem Tage herkömmlich von allen Bäckern verkauft wird.
48. Am Charfreitage werden in Möhra während des ersten Liedes nach der Früh- predigt und zwar in dem Augenblick, wo man die drei Zeichen mit den Glocken gibt, die Bäume gehörig geschüttelt, um damit ihre Tragbarkeit zu erhöhen. In Marksuhl und der Umgegend legte man sonst an demselben Tage ein Bündel Heu zuerst auf den Düngerhaufen und dann erst gab man es dem Vieh zu freszen. Das sollte vor Krankheit schützen.
49. Am Osterheiligabend früh 9 Uhr werden in den Ortschaften auf der Rhön die Fasten ausgeläutet und Jedermann trägt dann ein Stückchen Holz zu dem Osterfeuer, das vor der
*) Sollten nicht vielleicht in alten Amtsakten noch Nachrichten und Notizen enthalten sein, welche über diesen uralten Volkstanz, den schon Tacitus erwähnt, weitere Aufschlüsze, namentlich über seine Aufführung, geben könnten? Vergl. Lynker Sagen und Sitten aus Hessen S. 238. Neocorus von Dahlmann II, 566 ff.


