Jahrgang 
1866
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Lichtmesse, Peterstag und Fastnacht.

37. Auf Lichtmesse wird von der Bäuerin ein Rocken mit Flachs auf den Mist gesteckt, damit der Hahn daran spinne. Die Freunde aber werden mit Kräpfeln und Kaffe bewirthet. Dasselbe geschieht an andern Orten am Peterstage.

38. Am Peterstage(22. Februar) ist es im Werragrunde Brauch, dasz gute Freunde und Nachbarn einander denPetersdreck bringen. Sie füllen einen Topf mit Leinsamen oder den Annen vom Flachse, auch wohl mit Kehricht aus der Spinnstube, schleichen sich damit in des Nachbars Haus und werfen den Topf mit den Worten:so hoch soll der Flachs werden! in die Stube oder vor die Stubenthür. Je höher der Topf geworfen wird, desto höher wird auch der Flachs. Wer den Topf wirft, musz sich in Acht nehmen, dasz er nicht gefaszt und ergriffen wird, denn er bekommt dafür sein Gesicht geschwärzt. Uebrigens ist der Petersdreck demjenigen, welchem er gebracht wird, eine gute Vorbedeutung für das Wachsen und Gedeihen der Leinsaat. Auch sehen es die Leute aus demselben Grunde gern, wenn ihnen am Fastnachtsabende Töpfe wider die Thür ge- worfen werden.

39. Der Sonntag nach Fastnacht heiszt auf der Rhön Hutzelsonntag, weil Abends kalte Hutzeln mit Kräppeln(Schmalzkrapfen) als herkömmliche Speise aufgetragen werden. Gegen Abend zog man sonst durch die Felder auf eine Anhöhe oder einen Berg; Kinder und junge Burschen trugen Holzfackeln, getheerte Besen, Stangen mit Stroh umwickelt; man rollte auch ein mit Brennstoff umwickeltes Rad, in dessen Nabe eine Stange gesteckt war. Alle diese Dinge nannte manHolle- rad, zündete sie an, lief damit durch die Saatfelder und warf sie zuletzt auf einen Haufen, den die Menge umstand und alte Gesangbuchslieder oder Volkslieder sang. Das geschah der heiligen Jungfrau zu Ehren, damit sie das Jahr über die Feldfrüchte bewahre und segne; oder man meinte mit den brennenden Strohwischen und Fackeln durch die Flur laufend den bösen Säemann zu ver- treiben. Noch im Anfang dieses Jahrhunderts rollte man ein flammendes Rad von der kalten Staude am Fusze der Sachsenburg bei Dermbach bergab ins Thal. Die Sitte, mit brennenden Fackeln durch die Flur zu ziehen, lebt noch auf der hohen Rhön bei Frankenheim. S. Grimm Mythol. p. 594.

40. Am Fastnachtstage müszen die Strohbänder für die Ernte gemacht werden. Es kommen dann keine Mäuse in die Garben.

41. Fastnacht, Aschermittwoch und Donnerstag musz man Brei, Schmalzkrapfen und Sauer- kraut mit Schweinefleisch eszen und die abgenagten Knochen und Rippen in den Samenlein stecken.

42. Das Fett, worin man die Fastnachtskräpfel gebacken hatte, hub man früher in Marksuhl auf, die Wagen damit zu schmieren, wenn man zum ersten Male ins Feld fahren wollte. Dabei drehte man die Vorderräder rückwärts, die Hinterräder vorwärts. Im Meininger Oberlande sehnitzt man zu Fastnacht die Ackerpflugkeile, taucht sie in das Kräpfelfett und schlägt sie später in den Pflug. Das hilft dem Wachsthum und Gedeihen der Saat.

43. Am Fastnachtstage musz die Magd auf dem Tische tanzen und rücklings herunter springen. Je höher sie dabei springt, um so mehr wächst der Flachs in die Höhe. Grimm a. a. O. p. 1189.

41. Ob der altgermanische Schwerttanz auch bei uns in Thüringen zur Fastenzeit und bei Hochzeiten, wie in Hessen, oder bei andern Gelegenheiten aufgeführt worden ist, läszt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Dasz er aber in unserer Nähe bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts

Der Tochter wollen wir wünschen eine goldne Kann Und über das Jahr einen jungen Mann!

Dem Rnecht wollen wir wünschen eine silberne Dosen Und über das Jahr eine eigene Hosen.

Der Magd wollen wir wünschen einen zipflichen Rock Und über das Jahr einen Ziegenbock.