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28. In der zwölften Stunde dieser Nacht setzen sich die Leute vor die Hausthüre, ziehen den einen Schuh aus und werfen ihn über die entgegen gesetzte Schulter rückwärts ins Haus. Fällt der Schuh mit der Spitze hinein, so bleiben sie das Jahr über im Hause; im umgekehrten Falle müszen sie das Haus verlaszen. S. Grimm Mythol. p. 1072.
29. Wer den Namen der heiligen drei Könige auf Papier geschrieben bei sich trägt, ist vor allen Seuchen und jedem Unglück bewahrt. Ein Mädchen wird damit eine glückliche Heirath thun.
30. In der Neujahrsnacht zwischen 11 und 12 Uhr gieszt man durch einen Erbschlüszel geschmolzenes Blei schweigsam in Waszer, über welches Tauf-, Hochzeits- und Leichenzüge gehen; aus den Gestalten des Bleies kann man erkennen, was die Zukunft bringt. Namentlich ersehen die Mädchen daraus das Handwerkszeug oder andere Standesanzeichen ihres künftigen Mannes.
31. In derselben Nacht decken die Mädchen den Tisch, setzen zwei Teller darauf, legen Meszer und Gabel daneben und stellen zwei Stühle dazu. Mit dem zwölften Glockenschlage erscheint der künftige Mann und nimmt seinen Platz am Tische ein. S. Grimm p. 1075.
32. Sie gehen auch in den Holzstall, nehmen stillschweigend einen Arm voll Holz, tragen es in die Küche und werfen je zwei und zwei Scheitchen ab. Bleibt von diesen zuletzt ein Paar übrig, so ist gewiss, dasz sie im kommenden Jahre heirathen; bleibt ein Scheit übrig, so haben sie in dem Jahre keine Aussicht auf Heirath; ist aber zuletzt ein Scheit und ein Spahn da, so reichen sie einem Wittwer ihre Hand. Auch am Neujahrsmorgen während der Frühkirche wird Holz in die Küche getragen. Die Mädchen erblicken bei dieser Arbeit ihren künftigen Bräutigam.
33. In der Umgegend von Schmalkalden gilt als ein sicheres Mittel gegen Krankheitsanfälle das Eszen einer Hagebutte in der Neujahrsnacht. Deshalb suchen und pflücken viele Leute diese Frucht in der Nacht und reichen sie Freunden und Bekannten, Eltern besonders ihren Kindern, ohne ein Wort dabei zu reden, durchs Fenster, damit sie stillschweigend die Frucht eszen und dadurch gegen jeden Unfall das Jahr hindurch sich sichern. Dieser Brauch und Glaube ist auch im Werra- thal zu Hause.
34. Der zweite Januar gilt als Unglückstag, an dem nichts besonderes vorgenommen werden darf. Niemand geht ins Holz, man fürchtet zu fallen und etwas zu zerbrechen. In verschiedenen Orten bei Eisenach heiszt der Tag„Waldvir“(Waldfeier) und alle Arbeit, besonders im Walde, ruht. Auch wird der Hirt an diesem Tage gedungen.
35. Am Dreikönigstage,„am obersten“, ward in Eisfeld affjährlich Frau Holle verbrannt. Man zog nach beeudigtem Nachmittagsgottesdienste mit Musik auf den Markt, sang ein geistliches Lied und rief sich dann einander zu:„Frau Holle wird verbranntbe(Brückner Landes- kunde des Herzogthums Meiningen S. 368. Grimm Mythol. 1212.)
36. Die heiligen drei Könige mit ihrem Stern ziehen in der Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstage noch immer umher, freitich nur verstohlen, und singen, ihren„Morgenstern“ drehend, ein Bruchstück des aften herkömmlichen Sterndreherliedes. Früher war in Thüringen der Aufzug in den Städten und auf dem Lande gleich volksthümlich und beliebt hei Jung und Alt. Nach einer Beschreibung aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts(Journal von und für Deutschland 1789. 1— 6 St. S. 156 ff.) wurde er in folgender Weise gehalten.
Drei junge Bursche, die zum gemeinsamen Unternehmen und Verdienst sich vereinigt hatten, waren mit langen weiszen Hemden bekleidet, die ein mit Goldpapier überzogener Gürtel zusammen- hielt; mit Goldpapier überzogene breite Wehrgehänge hingen über die Schultern und darin entweder hölzerne oder wirkliche Säbel. Zwei führten vergoldete Spiesze in den Händen und der dritte trug den sogenannten Stern. Der eine Bursche, welcher den Mohrenkönig vorstellte, war im Gesicht und an den Händen geschwärzt, hatte einen auf allerlei Art gezierten Turban auf und hinten hing ihm ein langer steifer Zopf herab, der auch den beiden andern nicht fehlte zu ihren zackigen Kronen
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