Jahrgang 
1866
Einzelbild herunterladen

8

13. In der Christnacht musz das Viehfutter ins Freie gestellt oder um 12 Uhr derselben Nacht das Vieh gefüttert werden.

14. Im Meininger Oberlande füllt man am Weihnachtsheiligabend einen Korb mit Heu, stellt ihn in den heiligen drei Nächten ins Freie und legt am Dreikönigstage das gesegnete Futter dem Vieh vor. Wenn ein Thier davon nicht friszt, so ist das ein schlimmes Anzeichen. Vergl. Kuhn und Schwarz nordd. Sagen S. 406, 137. Vernaleken Mythen und Bräuche S. 290, 11.

15. In den Zwölften durfte der Name des Wolfes nicht genannt werden, wenn man von ihm verschont bleiben wollte.

16. Wenn es in den zwölf Nächten sehr windig und stürmisch ist(wenn die Bäume rammeln), gibt es ein gutes und reichliches Obstjahr.

17. Auf der Rhön wälzen sich die Leute in der ersten Christnacht auf unausgedroschenem Erbsstroh herum, um Erbsen auszuschlagen, die sie dann bei der Aussaat unter die übrigen Erbsen mengen. Sie glauben damit der Saat ein beszeres Gedeihen zu verschaffen. Auch peitscht man dort am Tage der unschuldigen Kinder die Bäume mit Ruthen, dasz sie im nächsten Jahre recht viele Früchte bringen.(Jäger Briefe über die hohe Rhön III, 5.) Vergl. Wolf Beitr. 1, 121.

18. Dasselbe thut im Werragrund die Bäuerin in der Neujahrsnacht. Sie geht um 12 Uhr mit einer Ruthe in den Garten und schlägt damit an jeden Baum, sprechend:ich schüttel dich, ich rüttel dich, du sollst mir tragen, dasz die Aeste beugen sich. S. Wolf Beitr. II, 126.

19. Man bringt auch in dieser Nacht den Obstbäumen ein Neujahr. Sie werden mit Stroh- bändern umwickelt und umbunden, das soll gleichfalls ihre Tragkraft erhöhen. S. Kuhn und Schwarz nordd. Sagen p. 407.

20. Während der zwölf Nächte darf kein Stall ausgemistet werden, sonst stirbt im Verlaufe des Jahres ein Thier. Ebenso wenig darf man Wäsche zum Trocknen aushängen; wer das thut, musz im nächsten Jahre einem Familiengliede den Sarg schmücken oder so viel Häute des gefallenen Viehes aufhängen, als er Stück Wäsche ausgehangen hat.

21. Dagegen spinnen die Frauen auf der Rhön und im Werragrund zwischen Weihnachten und Neujahr gern ihren Zwirn, weil er, in dieser Zeit gesponnen, beszer hält. In Groszlupnitz wird der Zwirn in derselben Zeit nicht blos gesponnen, sondern auch fleiszig verarbeitet. Ein Kleidungs- stück damit genäht, schützt beim Fallen vor dem Zerbrechen der Gliedmaszen.

22. Dem Mädchen, das am letzten Tage des Jahres oder am Abend vor Dreikönigstag seinen Rocken nicht abspinnt, wird von der Frau Holle oder Frau Roll der Flachs verunreinigt. Jedes Haar, das aus dem alten Jahr ins neue am Rocken verbleibt, hat ein Unglücksjahr zur Folge.So viel Rockenhaar, so viel Unglücksjahr, lautet das Volkswort. Grimm Mythol. p. 247.

23. Am Abend vor dem Neujahrstage geht der Bauer hinaus und schneidet Reiser von Erlenbäumen oder Hollunderbüschen ab, die er zu einem Reifen oder Seil dreht und in seinem Hause aufhängt, um vor dem Ausbruche eines Feuers gesichert zu sein.

24. Wer in der Neujahrsnacht zwischen 11 und 12 Uhr im Freien einen Kreisz um sich zieht und in denselben tritt, kann sein Schicksal fürs kommende Jahr erfahren. Er darf sich aber vom Bösen nicht aus dem Kreisze locken laszen, weil er ihm sonst verfällt. Weinhold a. a. O. p. 30.

25. Man kann sein Schicksal im künftigen Jahre hören, wenn man in dieser Nacht an dem mittelsten der drei Fenster eines Zimmers lauscht.

26. Wenn man am Sylvesterabend ein Licht in die Stube bringt und von den Schatten der Anwesenden einen ohne Kopf sieht oder mit zwei Köpfen, so stirbt der, dessen Schatten so erscheint, im kommenden Jahr. Vergl. Kuhn und Schwarz a. a. O. p. 508.

27. In derselben Nacht setzt man so viel Häufchen Salz auf den Tisch, als Personen zur Familie gehören, und bezeichnet ein jedes Häufchen mit dem Namen eines Familiengliedes. Wessen Häufchen am Morgen eingefallen ist, der musz in dem Jahre sterben. S. Grimm Mythol. p. 1072.