Jahrgang 
1866
Einzelbild herunterladen

Bursche auf dem Gipfel des Berges, worauf vor Zeiten die älteste Dorfkirche stand, aus Steinen, Moos und Rasen eine thurmähnliche Erhöhung, eine Art Pyramide, worauf am Christabend eine starke, oben mit Reisigbündeln versehene Stange aufgesteckt wird. Dann rüstet sich die Jugend des Orts gleichfalls mit Stangen, an deren Ende alte Besen oder Bündel von Holzspänen befestigt sind, um als Fackeln zu dienen. Daher in dieser Zeit kein Besen in Schweina sicher ist. Dunkelt der Abend und wird das Christfest eingeläutet, so zieht die Schaar der Knaben und Bursche den Berg hinauf und bald lodert die Flamme zum Himmel empor und das Kirchenlied:Vom Himmel hoch da komm' ich her etc. klingt durch die stille Nacht. Um die Hauptflamme scharen sich kleinere Flammen und Lichter zu einem Kranz und zuletzt wird wohl auch noch ein Fackelrennen und Fackelschwingen angestellt, bis die Lichter allmälig verlöschend wieder ins Thal zurückwandeln. Unten auf dem Marktplatze wird noch ein Kirchenlied angestimmt. Kirchenlieder, abwechselnd mit Volksliedern, werden auch in vielen Wohnungen gesungen, dabei Jubeln und Zechen die ganze Nacht hindurch. Um Mitternacht wirds auf dem Kirchthurme lebendig und zwischen dreimaligen Glocken- pulsen wird geblasen und gesungen.*) Gegen Morgen läutet es zur Frühmette und Alt und Jung, die Kleinen an der Hand und auf den Armen, geht zum Gotteshaus, um sich dort zu erbauen an dem Wort vom ewigen Licht. Auch im benachbarten Orte Steinbach finden Fackelzüge der Jugend an demselben Abende nach dem Lohberg oder Kirchberg statt, doch nicht mit derselben Theilnahme und gleichen Ausdehnung wie in Schweina. Aber noch im vorigen Jahrhundert soll auch hier in der Christnacht jedes Jahr ein Weihnachtsfeuer angezündet worden sein.(Brückner Landeskunde des Herzogthums Meiningen II, 55 f.) S. Grimm Mythol. 593. Wolf Beiträge zur d. Mythol. I, 117 ff.

7. Am Christabend, am Abend vor Neujahr und Dreikönigstag wird im Mei- ninger Oberland ein starker Holzstock(Christklotz¹) vor dem Schlafengehen in den Ofen geschoben, der dann die ganze Nacht brennen musz. Seine Kohlen und Ueberreste behüten das ganze Jahr hindurch das Haus vor Feuersgefahr, Einbruch und anderem Unglück. S. Grimm Mythol. p. 594. 1220. Weinhold Weihnachtsspiele p. 12.

8. In der Umgegend von Saalfeld wird die ganze Christnacht hindurch das Feuer im Ofen erhalten.

9. In den heiligen drei Nächten vor Weihnachten, Neujahr und Dreikönigstag verwandelt sich alles flieszende Waszer in der zwölften Stunde in Wein. S. Wolf Beiträge II, 124.

10. Während der zwölf Nächte wird die Asche im Ofen sorgfältig gesammelt und aufge- hoben, um sie später unter den Samenlein zu mischen. Dadurch wird das Wachsthum und Gedeihen der Leinsaat befördert. 3

11. In der längsten Nacht bleibt in Kaltenlengsfeld das junge Volk die ganze Nacht wach. Man iszt und trinkt, jubelt und läszt sich's wohl sein. Das herkömmliche Eszen istZempert oderZemmede.

12. In Eisenach hat man früher zu Weihnachten Pfefferscheiben gebacken, auf welchen Frau Holle mit dem Spinnrad oder Spinnrocken abgebildet war.

Hausvater, Hausmutter! wie habensich eure aber auch mit der Ruthe. Im Weggehen spricht er Kinder verhalten, noch: Ist Mangel vorgefallen, so saget mir's, So Ihr Kinder nehmt euch wohl in Acht wollen wir gleich eine Probemit ihnen Und seid auf euer Heil bedacht, machen. Und wenn ihr nicht wollt werden fromm, Läszt nur Erwachsene beten und straft mit Bibelsprüchen, Sowillich heut über acht Tage wieder komm'.

Ueber den Ursprung dieser Volksspiele und Umzüge des Klas-Ruprecht mit dem Christkindchen vor und zu Weih- nachten s. Weinhold Weihnachtsspiele S. 4 fl. Vernaleken Mythen und Bräuche S. 282, 3; 286, 8. Quitz- mann die heidn. Rel. der Beiwaren S. 35 fl. Grimm Nythol. p. 472. 482.

*) Sollte das noch ein Ueberrest von dem sonst in der Kirche üblichen Kindelwiegen sein? S. Hoffmann von Fallersleben Geschichte des deutschen Kirchenlieds S. 430. Meier Sagen aus Schwaben S. 464.