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weltliche noch kirchliche Verbote haben den Brauch beseitigen können, auch nicht die Ungunst der Witterung, Regen, Schnee und Kälte. Schon in der Adventzeit bauen die älteren Knaben und jungen
Thut ihr verehren Gold, Weihrauch und Myrrhen, Damit sie das liebe Christkindlein thut myrrhen. Der König tritt nun der Sonne und dem Engel gegenüber und präsentirt mit dem Säbel.
Der König Herodes,
gekleidet wie der König:
Bist du der König aus Mohrenland, fährt mit seinem Säbel an den des Königs, dasz es einen hellen Klang gibt,
Bin ich Herodes, ein Vierfürst genannt,
Euch, euch zu fragen insgesammt,
Ob ihr gesehen und erkannt
Den hellen Stern in eurem Land',
So ziehet hin und forschet fein
Gar fleiszig nach dem Kindelein,
Und wenn ihr's findet. sosagt mir's auch,
Dasz ich's anbete nach meinem Brauch. Herodes tritt neben den König und präsentirt ebenfalls
mit dem Säbel.. Maria in gewöhnlicher Bauernkleidung; trägt sie eine Wiege, auf dem Kopfe ein seidenes Tuch;
das Wiegebettchen von seidenen Stoffen, darin eine ge-
in einem Kindermantel
schmückte Puppe, die das Jesuskindlein vorstellt. Ist sie in die Stube getreten, thut sie die Wiege hervor, läszt die anwesenden Kinder wiegen so lange, bis Herodes mit Sprechen fertig ist, dann spricht sie:
Joseph, Joseph, mein alter Mann,
Wird sein' Sach' schon zeigen an.
Joseph
ist wie ein alter Mann gekleidet, trägt einen dreieckigen Ilut mit einem Federbusch, ein Winkeleisen, eine Schnupf- tabaksdose, daraus er die Zuschauer schnupfen läszt, die ihm dafür eine Belohnung an Geld in die Dose legen. Schon drauszen und beim Hereingehen hustend, spricht er:
Was soll ich euch viel Sagens machen,
Ihr wisst ja selber wohl die Sachen,
Dasz in einem finstern Stall,
Wo Ochs und Esel liegen all'*,
In der Krippe, in der Wiegen,
Das liebe Christkindlein thut liegen.
Ich zimmere täglich auf dem Land, bei diesen Worten setzt er sich an den Tisch und malt mit Hilfe des Winkeleisens ein Haus,
Doch Armethei geht vor die Hand,
Ich leb' in einem traurigen Stand
Und ziehe nach Egypten land.
Petrus, Petrus komm' auch herein
Und schlag' mit deinem groszen Schlüszel
d'rein!.
Petrus hat schwarze Hosen mit Silberstreifen, eine dergl. Jacke, gewöhnlichen Hut, ganz mit Silberpapier überzogen, in der Hand einen hölzernen Schlüszel, ebenfalls mit Silber- papier überzogen. Er schlägt damit auf den Tisch und spricht: Mein groszer Schlüszel klinget nicht, Die bösen Kinder gehorchen nicht; Wenn sie des Morgens früh aufsteh'n und beten gern, So will ich ihnen die Himmelsthür auf- schlieszen gern. Flugs, Flugs komm' auch herein! Flugs. Kleidung des Engels; statt eines Stabes eine Birkenruthe in der Hand, unter seinem weiszen Kleide um die Lenden ein Schellengeläute, das er jedesmal hören läszt, wenn ein Mitspieler in die Stube tritt. Sobald er selbst ein- getreten ist, so musz er in drei Sprüngen bis an den Tisch kommen. Er spricht: Flugs, flugs fleucht man zur Himmelsthür herein, Es musz erst recht gebetet sein, So komme ich mit Unbedacht, Schlag' d'rauf, dasz die Haut kracht. Schlägt mit der Ruthe auf den Tisch. Zitter, Zeter, Scorpion, Dasz sie schreien Mordion. Darauf läszt er die Kinder in der Stube beten.
Das Christkind,
ein Mädchen, gekleidet wie der Engel, hat aber statt des Hutes ein seidenes Tuch über den Kopf hängen, in der einen Hand eine Birkenruthe, in der andern ein Körb- chen mit Nüszen:
Hört, ihr Kinder, euretlwegen
Bin ich jetzt und hier zugegen,
Dasz ich meinen Abgesandten,
Sct. Nicolaus Rupperich ist auch vorhanden,
Dem ich seinen Willen ehre,
Den ihr jetzt und bald sollt hören.
Komm herein, Sct. Nicolas, mein frommer
Mann.
Läszt die Kinder beten, gibt ihnen Nüsze, wobei es auch nicht an Hieben fehlt.
Der llerscheklas hat einen groszen Mantel um, spitz auslaufenden Hut mit Papierfranzen, eine hölzerne Larve, eine geflochtene Birkenruthe in der Hand und spricht: Ja, ja, wer mich fromm laszen kann! Wumsl ist die Losung hier, Nach bösen Menschen(Kindern) ich sSpür';


