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6. Ein Weihnachtsfeuer in der Christnacht wird auf dem Antoniusberge(Tungels-
berge) bei Schweina, im Amt Salzungen, von der Dorfjugend noch immer angezündet.
Guten Abend, guten Abend, Glück herein!
Hier schicken mich die lieben Christkinde- lein;
Ich sollte fragen, ob's die Hausleute zu- frieden sein,
Dasz die lieben Christkindeleinsollen kom- men herein.
Hat Vorläufer eine zusagende Antwort erhalten,
so geht er hinaus in den Hof und klatscht mit der
Peitsche so lange, bis seine Mitspieler kommen, denen
dasz sie in das Haus eintreten dürfen.
der
er dann mittheilt,
Der erste Schäfer, in der Kleidung eines gewöhnlichen Schäfers, hat aber viel Wolle um den Hals und den Schöppenstiel mit Silberpapier umringelt: Guten Abend, guten Abend, ihr lieben Leut', Verzeiht mir meine Grobheit, Dasz ich so schnell hereingetreten komm'; Esistsehr kalt drauszen(Mfeibt sich die Hände), Hände und Füsze mögen einem erfrieren.
Simon, Simon, komm' auch herein!
Der zweite Schäfer:
Ja, ja, wenn's nur die Hausleute zufrieden sein.. Der erste Schäfer: Simon, siehe einmal, es istschön warm all- hier.. 4 her zweite Schäfer: Ja, ja, Bruder Schäfer, beim Ofenl das glaub' ich dir; Ich wollte, dasz ich schon wieder drauszen wWäre. Der erste Schäfer: Simon, Simon, ziehe einmaldeine Sackpfeife heraus Und sieh' doch nicht so sauer aus. Die Pfeife steckt in einem Ranzen, welchen der zweite und besteht einer Mangerolle, die mit Gold- und Silberpapier geringelt ist.
Schäfer anhängen hat, aus kleinen
Der zweite Schäfer:
Ja, Bruder Schäfer, gleichwohl wollte ich dir ein's machen auf meiner Sackpfeife, aber sie ist mir eingefroren und hab' auch noch die Huppstange verloren.
Dabei zieht er die Pfeife etwas aus dem Ranzen heraus.
Der erste Schäfer:
Simon, sieh einmal, was guckt da drauszen herein,
Ich meint', es das Christkin-
(Die Sonne sieht zur Thüre herein.)
Der zweite Schäfer:
Ja, ja, bei meiner Sackpfeife, es scheint’s zu sein.
wär' liebe
delein.
Weder
Die Sonne
ist ein Mädchen mit einem weiszen, von zahlreichen Bändern geschmückten Kleide und einem Papphut; daran sind viele Sterne und Bänder von Goldpapier und am Hute eine blecherne Laterne angebracht, deren Deckel in einen Stern ausgeschnitten ist, so dasz das darin be- findliche Licht sternförmig ausstrahlt. In der Hand hat sie einen Taktirstocke, auch mit Bändern geschmückt. Sie spricht:
Ichbin die Sonn', geb' klaren Schein,
Das danket eurem Jesulein,
Der euch all' eure Tritt' und Schritt',
Auch eure Leib und Seel' behüt'. Der Engel,
(gekleidet wie die Sonne, nur hat er in dem Hute kein Licht und anstatt des Taktirstockes einen sehr langen, ganz mit Gold- und Silberpapier überzogenen und mit einer Fahne von Bändern versehenen Stock):
Ihr faulen Schäfer, was liegt ihr hier
Auf diesem groszen Ehrentag,
Da Christus der Herr geboren ist,
Der euer Hirt und Heiland ist? Beim Eintritt des Engels fallen die Schäfer, die bis jetzt am Ofen sich gewärmt, auf die Kniee.
Der erste Schäfer: Und wem ist dies zu gut gescheh'n Und wem soll dieser Trost angeh'n? Der Engel Euch, euch und aller Welt; Jetzt kommt der grosze Jakobsheld.
Der erste Schäfer: Ei, so wollen wir singen eins. Die Sonne:
Und ich schlage den Takt d'rein. Die beiden Schäfer richten sich empor und singen in Gemeinschaft mit dem Engel und der Sonne einen be- liebigen Vers eines Weihnachtsliedes
Der König aus dem Mohrenlande,
bekleidet mit einer weiszen Hose, einem Frack mit Silber-
papier ausgeschmückt und einem Napoleonshute aus Pappe mit schwarzem Papier überzogen, worauf von
Gold- und Silberpapier geschnittene Sterne geklebt sind; auf beiden Seiten ist ein Stern ausgeschnitten, damit man Wachslichtchen Hute selbst sehr vorsichtlig angebracht istz an der Seite hängt Er führt die Maria in die Stube, zieht den Säbel und spricht:
das brennen siehl, das im
ihm ein langer Säbel.
Jetzt kommt der König aus Mohrenland Und bringt die Maria an der Hand,


