Jahrgang 
1864
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Jahresbericht von Ostern 1863 bis Ostern 1864.

LDas Schuljahr begann am 13. April 1863; während desselben wurde der regelmässige Verlauf des Unterrichts nur insofern unterbrochen, als Herr Professor Dr. Weissenborn, um seine Badekur in Reichenhall zu vollenden, nach den Sommerferien noch eine Woche von der Schule abwesend sein musste, und Herr Archidiakonus Kohl vor Weihnachten erkrankte und mehrere Wochen den Religions- unterricht in Tertia, Quarta und Quinta aussetzen musste. In der letztgenannten Klasse übernahm während dieser Zeit Herr Professor Dr. Schwanitz eine Bibellektion.

Die Beicht- und Abendmahlsfeier fand am 6. und 7. Mai, sowie am 4. und 5. November Statt; vor der ersteren hielt Herr Professor Dr. Rein, vor der zweiten Herr Professor Dr. Witzschel im Gymnasium die Vorbereitungsrede.

Das Geburtsfest unseres durchlauchtigsten Landesherrn wurde am 24. Juni in üblicher Weise mit einem Rede- und Declamations-Actus gefeiert. Herr Professor Dr. Rein hielt in lateiniseher Sprache die Festrede über die Geburtstagsfeier bei den Alten, namentlich bei den Griechen und Römern. Darauf sprach der Oberprimaner Schmidt im Namen des Cötus das metrische von ihm selbst gefertigte Gebet für den Landesherrn und sein fürstliches Haus, der Oberprimaner Slevogt, sowie die Sekundaner Trautvetter und Landmann trugen ebenfalls eigene Arbeiten in gebundener Rede vor und je zwei Schüler der übrigen vier Klassen recitirten deutsche Gedichte. Gesänge des Gymnasialchores begannen und schlossen unter der Leitung des Herrn Musikdirektor Helmbold die Feier.

Nachdem die schriftliche Prüfung vom 8. bis zum 10. September vorgenommen worden war, folgte die mündliche am 24. und 25. Am ersten Tage wohnte Herr Geheimerath von Wintzingerode eine Zeit lang der Prüfung bei. Am 26. wurde das Sommerhalbjahr mit der Censurvertheilung geschlossen.

Das Winterhalbjahr nahm am 12. Oktober seinen Anfang, Nachdem die Lehrer der Geschichte, in Sexta der Klassenlehrer in einigen Lektionen der ersten Woche in entsprechender Weise den Schülern die Hauptbegebenheiten des grossen Freiheitskampfes der Deutschen vor 50 Jahren auseinandergesetzt hatten, fand am 17. Oktober zur Vorfeier des grossen Tages aller Deutschen ein solenner Actus Statt. Nachdem der Gymnasialchor einige Verse eines Hymnus gesungen hatte, hielt der Direktor die vor diesem Jahresberichte abgedruckte Rede. Darauf trugen Schüler der obern Klassen Gedichte vor: Schill von Arndt, Andreas Hofer von Mosen, Landsturm von Max von Schenkendorf, Scharnhorst und Blücher von Arndt, Körner, auf die Schlacht bei Leipzig, Festlied von Rückert, Frühlingsgruss an das Vaterland von Schenkendorf, beim Oktoberfeuer von Nonne. Dazwischen sang der Chor Körner's Schwertlied, komponirt von Maria von Weber, und das Gebet vor der Schlacht nach Himmel's Kom- position. Ein Vers des erwähnten Hymnus schloss die Feier. Zugleich hatte der Direktor die Freude 12 Exemplare von Ferdinand Schmidt's Geschichte des Befreiungskriegs, wozu ihm die hohe Behörde auf sein Gesuch eine Summe verwilligt hatte, an fleissige und gutgesittete Schüler vertheilen zu können. Es erhielten diese Festschrift die Primaner Schmidt, Reinhard, Rebling, Ratenbacher und Rauch, die Sekundaner Landmann, Schäfer, Schede, Helmbold, die Tertianer Heumann und Wernick, der Quartaner Wepler. Am 18. Oktober, einem Sonntage, nahm das Lehrer-Kollegium mit den erwachseneren Schülern sowohl an der kirchlichen als auch an der von der Stadt veranstalteten Feier Theil, indem es bei letzterer dem Festzuge sich anschloss. In Folge der Einladung des Fest-Comité hielt ein Lehrer des Gymnasium, Herr Professor Dr. Rein; auf dem Markte die Festrede. Am Abend vereinigten sich die Schüler des Gymnasium mit denen des hiesigen Realgymnasium zu einem Fackelzuge.

In das Winterhalbjahr fielen fünf Studien: und Arbeitstage.

Vom 23. bis zum 25. Februar d. J. wurde die schriftliche Prüfung der Abiturienten und der übrigen Schüler, am 3. März die mündliche der Abiturienten, vom 15, bis zum 17. die öffentliche Haupt- prüfung sämmtlicher Klassen, am 19. die Censurvertheilung vorgenommen. Auf dieselbe folgte zum Schlusse des Schuljahres ein Valedictions Actus, in welchem von den diesjährigen sechs Oberprimanern, die auf die Universität entlassen wurden, fünf ihre Vorträge hielten und zwar Wilhelm Schmidt:

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