6 Begeisterung, die ihn endlich siegreich bekämpfte. Seit vielen Jahrhunderten geschah es jetzt zum ersten Male, dass die politische Begeisterung im deutschen Volke zu hellen Flammen aufschlug. Ein gläubiges Gottvertrauen, Zuversicht zur guten Sache, Zuversicht zur eigenen Kraft warfen es frei- willig und freudig in einen furchtbaren Krieg, um sich zu retten. Und nun strömte Alles zu den Waffen und übte sich im Waffendienste. Die blühende Jugend eilte aus den Hörsälen der Universi- täten unter die Waffen; die deutsche Studentenschaft schloss sich zum grossen Theile der Freischaar Lützow's an, selbst die älteren Schüler mancher Gymnasien folgten— auf den Leichenfeldern von Gross- görschen und Bautzen fand man Knaben von 16— 17 Jahren—, Gelehrte, Beamte, Männer aus allen Ständen stellten sich zum Dienste für das Vaterland. Wer nicht selbst in's Feld ziehen oder einen der Seinigen ausrüsten helfen konnte, suchte durch Gaben dem Vaterland zu helfen. Frauen aus den gebildetsten Kreisen bestimmten sich dem Dienste in den Lazarethen. Kurz, Reich und Arm, Vornehm und Gering steuerte bei, bot seine Dienste dar nach besten Kräften und mit dem besten Willen. Es ist ergreifend die einzelnen Züge dieser Opferfreudigkeit zu sehen. Könnte ich sie Euch. liebe Schüler, alle aufzählen, Euer jugendliches Gemüth würde von tiefer Rührung ergriffen werden. Möget Ihr wenigstens aus der einfachen Andeutung erkennen, was Vaterlandsliebe vermag. Und nun erklärte Preussen, welches sich mit Russland verbunden hatte, an Frankreich den Krieg. Da erschallten die Lieder unserer Dichter des grossen Befreiungskampfes, vor allen Arndt's, des getreuen Eckardt's des deutschen Volkes, des romantischen Max von Schenkendorf, Theodor Körner's, des Lieblings deut- scher Jugend, der mit Leier und Schwert gegen den Feind kämpfte, des ernsten und doch tief gemüthlichen Friedrich Rückert, Josephs Freiherrn von Eichendorf, eines von Lüzow's Jägern, des ritterlichen de la Motte Fouqué, eines der freiwilligen Jäger, und was sie sangen, das klang an in den Herzen der Kämpfer und be- geisterte sie zu todtesmuthiger Kampfeslust. Da rief Körner das deutsche Volk auf zu dem Kreuzzuge, zu dem heiligen Kriege:
Recht, Sitte, Tugend, Glaube und Gewissen
Hat der Tyrann aus deiner Brust gerissen,
Errette sie mit deiner Freiheit Sieg.
Und Rückert mahnte Preussen in dem herrlichen Gedichte:
Borussia! gelegt in schwere Stricke
Wardst du, als dich der Herr im Zorn gerichtet;
Jetzt hat er seinen Zorn mit dir geschlichtet,
Und deine Bande schlottern am Genicke.
Borussia! in diesem Augenblicke
Ist Deutschlands ganzes Aug' auf dich gerichtet;
Denn nicht ist zwischen dir und ihm vernichtet
Das alte Blutband, deins ist sein Geschicke.
Borussia! du hast einst deutschen Ländern
Ein Beispiel selbst verschuldten Unterliegens
Gegeben, preisgegeben dich den Schändern.
Jetzt gib ein Beispiel Fallens oder Siegens.
Auf und greif nach des Kriegsglücks dunklen Pfändern
Keck mit dem Wahlspruch: Gottes Hände wiegen's!
Der Frühjahrsfeldzug in Deutschland lastete allein auf Preussen und Russland; im August trat auch Oestreich dem Kriege gegen Frankreich bei. Mochte auch der Feind bei Lützen, dann bei Bautzen und zuletzt bei Dresden neue Siege davon tragen, die Kämpfe bei Grossbeeren, an der Katzbach, bei Kulm und Nollendorf, Dennewitz, Wartenburg, die den Feldherren Bülow, Blücher, Gneisenau, Kleist, York unsterbliche Namen gebracht haben, liessen ihn doch ahnen, was die vereinten Kräfte der Ver-


