Jahrgang 
1863
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ah resbericht von Oſtern 1862 bis Oſtern 1863.

Das Schuljahr wurde am 28. April 1862 in herkömmlicher Weiſe eröffnet. Was die perſönlichen Verhältniſſe der Lehrer betrifft, ſo iſt zu erwähnen, daß den Profeſſoren DD. Rein, Witzſchel, Schwanitz und Wittich, ſowie dem Mathematikus Kunze durch Miniſterialreſcript vom 15. December 1862 vom 1. Januar 1863 an abermals eine Gehaltsverbeſſerung zu Theil geworden iſt. In Bezug auf den Stundenplan iſt nur zu bemerken, daß der An⸗ na der Direktion, die Schreibſtunde von Tertia wegzunehmen und der Quinta zuzulegen, durch Reſcript vom

November 1862 bis auf Weiteres Genehmigung erhalten hat.

Die Beicht- und Abendmahlsfeier fand am 4. und 5. Juni, ſowie am 22. und 23. Oktober Statt; vor der erſteren hielt der Direktor, vor der zweiten Herr Profeſſor Dr. Weißenborn im Gymnaſium die Vorbereitungsrede. Das Geburtsfeſt des durchlauchtigſten Landesherrn wurde am 24. Juni wie ſeit Jahren gefeiert. Herr Profeſſor Dr. Weißenborn wies in ſeiner Feſtrede die Bedeutung von Tacitus Germania für das Gymnaſium in der Gegenwart nach. Darauf ſprach der Oberprimaner Wuth im Namen des Cötus das metriſche von ihm ſelbſt verfertigte Gebet für den Landesherrn und ſein fürſtliches Haus, der Sekundaner Rebling trug ebenfalls einen eigenen metriſchen Verſuch in deutſcher Sprache vor, andere Schüler recitirten lateiniſche, franzöſiſche und deutſche Gedichte. Der Gymnaſialchor trug bei dem Beginne und Schluſſe der Feier unter Leitung des Herrn Muſikdirektor Helmbold Geſänge vor.

Das Sommerhalb jahr wurde mit dem Privatexamen am 18. und 19. und mit der Cenſurvertheilung am 20. September geſchloſſen.

Das Winterhalbjahr nahm am 6. Oktober ſeinen Anfang. In demſelben kamen wiederum ſechs Studien⸗ und Arbeitstage der Schüler vor. Die Weihnachtsferien dauerten diesmal mit Genehmigung der hohen Behörde volle zwei Wochen vom 21. December 1862 bis zum 4. Januar 1863.

Die Dankbarkeit legt dem Verfaſſer dieſes Berichtes die Pflicht auf von ſich ſelbſt zu ſprechen. Am Januar 1863 waren es fünf und zwanzig Jahre, ſeitdem ihm die Direktion des Gymnaſium übertragen worden war. Dieſer Gedenktag wurde ihm durch die Theilnahme der Lehrer, der früheren und jetzigen Schüler, mehrerer Bürger und Gönner und Freunde zu einem Ehren⸗ und Freudenfeſte, deſſen Erinnerung ihn, ſo lange ihm Gott das Leben ſchenkt, begleiten wird. Auf Veranſtaltung der jetzigen Schüler wurde am frühen Morgen im Turn⸗ garten vor der Wohnung des Direktor von Blasinſtrumenten der ChoralNun danket alle Gott vorgetragen und von dem Gymnaſialchor ein von einem Primaner gedichtetes Lied geſungen. Später erſchien das Le hrer⸗Collegium mit ſämmtlichen Hülfslehrern und überreichte dem Jubilar, nachdem Herr Profeſſor Dr. Weißenborn eine ergrei⸗ fende Anſprache gehalten hatte, einen Ehrenpokal; hierauf als Commiſſarius des Großherzogl. Staatsminiſterium, Depart. der Juſtiz und des Kultus, Herr Geheimer Juſtizrath Ritter Zwez, welcher im Auftrage der genannten hohen Behörde dem Direktor ein ehrenvolles Gratulationsſchreiben und zugleich als Andenken an dieſen Tag das Corpus inscriptionum graecarum mit wohlwollender Widmung einhändigte; dann die Deputation des jetzigen Cötus, welche ein von einem Primaner gefertigtes, gedrucktes Gedicht in lateiniſcher Sprache, endlich eine Deputa⸗ tion der früheren Schüler, welche ein dem Gefeierten höchſt erfreuliches Geſchenk, ein Album mit den Photogra⸗ phien vieler ehemaliger Schüler, überreichte. Außerdem erwieſen dem Direktor die Ehre der perſönlichen Beglück⸗ wünſchung der Großherzogliche Herr Bezirksdirektor, der Vorſtand der Reſidenzſtadt Eiſenach, eine Deputation des Realgymnaſium, die Vorſtände des Schullehrer⸗Seminar und der Sekundar⸗ und Bürgerſchulen ſowie mehrere Freunde und ehemalige Schüler. Das Lehrer⸗Collegium des Gymnaſium in Weimar überſandte ein lateiniſches Gratulationsgedicht, Herr Dr. Sehrwald am Gymnaſium in. Altenburg, ein Zögling des Karl Friedrichs⸗Gymnaſium aus der neuern Zeit, eine dem Jubilar gewidmete Druckſchrift: observationum criticarum in Sophoclis Antigo- nam et Oedipum Regem specimen, Herr Schulrath Profeſſor Dr. Stoy in Jena mehrere ſeiner pädagogiſchen Schriften in feſtlichem Einbande mit freundlicher Zuſchrift.*) Ueberdies gingen im Verlaufe des Tages zahlreiche Glück wünſchende Briefe und Telegramme von frühern Schülern ein. Um 2 Uhr des Nachmittags war von dem Lehrer⸗Kollegium in der Klemda ein Feſtmahl veranſtaltet, welches zahlreiche Theilnahme fand. Ein Fackelzug der jetzigen Schüler, dem ſich auch zur Freude des Jubilar mehrere Bürger anſchloſſen, beendigte den Tag. Möge es die Vorſehung dem Berichterſtatter vergönnen, den Dank, zu dem ihn das Vertrauen der hohen Vehörde, die Theil⸗ nahme ſeiner Amtsgenoſſen, die. Anhänglichkeit ſeiner früheren Schüler, die mannigfachen Beweiſe freundlicher Ge⸗ ſinnung von Gönnern und Freunden verpflichten, in ſeiner ferneren Amtsführung zu bethätigen!

*) Herr Hofrath Profeſſor Dr. Sauppe in Göttingen, von der Unive rſitätszeit her dem Berichterſtatter innig befreundet und von dem Feſte, welches derſelbe feierte, zu ſpät in Kenntniß geſetzt, widmete ihm im Februar in den Nachrichten der Königl. Ge⸗ ſellſchaft der Wiſſenſchaften zu Göttingen ſeine AbhandlungDionyſios und Ariſtoteles.