Jahrgang 
1862
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aufgehoben ſein, oder wenigſtens in ſehr geringem Grad ſtattfinden; ſelbſt in einem Aquarium geht die tactmäßige Bewegung des Maules äußerſt langſam vor ſich und iſt z. B. bei Schleihen oft gar nicht wahr⸗ zunehmen. Dieſelben liegen bei größerer Kälte Tagelang auf dem Boden des Gefäßes, halb im Schlamm ver⸗ ſteckt und ohne irgend welche Bewegung. Daß die Reſpiration zeitweilig eintritt, dafür ſpricht auch die Er⸗ fahrung, daß Karpfenteiche nach dem Zufrieren etwas abgelaſſen werden müſſen, um die Fiſche vor dem Er⸗ ſticken zu ſchützen. Wenn Plinius ſagt: nach harten Wintern fängt man viele blinde Fiſche, ſo ſcheint ſich dies auf Teiche zu beziehen, die keinen Zufluß haben und lange dicht mit Eis bedeckt ſtehen. Bringt man keine Oeffnungen in demſelben an, ſo wird das Waſſer durch die ſich im Schlamm entwickelnden Dünſte leicht ver⸗ dorben und die Fiſche werden krank oder ſterben. Die Fröſche gehen wahrſcheinlich mit ausgedehnten Lungen⸗ ſäcken in die Winterquartiere und entleeren auf dieſe Weiſe mehr oder weniger die Lungenſäcke. Bei den Säugethieren hat man mannigfaltige und genauere Beobachtungen angeſtellt. Igel, Fledermäuſe, Murmel⸗ thiere zeigten im Winterſchlaf nicht nur keine Spur von Athembewegung, ſondern erlitten auch nicht den ge⸗ ringſten Nachtheil, wenn ſie viele Stunden in Glocken zubrachten, die mit Kohlenſäure, Stickgas und Waſſer⸗ ſtoffgas gefüllt waren; hingegen ſtarben dieſe Thiere ſofort, wenn ſie im wachen Zuſtand dieſen Gasarten aus⸗ geſetzt wurden. Die Lebenszähigkeit mancher Thiere iſt übrigens auch beim Wachen derſelben außerordentlich groß.

So habe ich Feuerſalamander und Waſſermolche über eine Stunde in Kohlenſäuregas geſteckt und es hat ihnen die Luftveränderung gar nichts geſchadet. In das Aquarium wieder eingeſetzt, ſchwamm der Feuer⸗ ſalamander, als unbehülflicher Schwimmer ſogleich an den darin befindlichen Tuffſtein und blieb hier in ge⸗ wohnter Ruhe liegen, die Waſſermolche hingegen tummelten ſich mit ihrer großen Rückenmähne ſogleich wieder luſtig im Waſſer herum. Auch kleine Unken, die in einer Schüſſel ganz in Eis eingefroren waren, ſchwammen nach Aufthauen des Eiſes ganz behend im Waſſer fort.

Ein ſchlafender Igel verträgt auch ohne Schaden eine Luftveränderung bis zu einem Zehntel, ebenſo können ſie eine geraume Zeit unter Waſſer verweilen, ohne zu ertrinken. Spallanzani brachte ein im Winter⸗ ſchlaf befindliches Murmelthier bei einer Lufttemperatur von 12⁰ R. in kohlenſaures Gas, in dem ein Vogel und eine Ratte ſogleich ſtarben, das Murmelthier aber hatte ſelbſt nach Verlauf von 4 Stunden nichts gelitten; bei Fledermäuſen wiederholte er denſelben Verſuch mit gleichem Erfolg. Ferner brachte er 2 Fledermäuſe bei einer Lufttemperatur von 90 R. in Stickgas, und als er ſie nach Verlauf von 2 Stunden allmählig in eine wärmere Temperatur brachte, gaben ſie unzweifelhafte Lebenszeichen zu erkennen. Aus dem Einen, wie aus dem Andern geht hervor, daß das Athemholen im vollkommenen Winterſchlaf ſo ſehr vermindert iſt, daß man es für ziemlich erloſchen erklären kann; bei der geringſten äußern Bewegung, wie auch durch die Wärme der Hand, mit der man die Thiere anfaßt, beginnt es jedoch wieder. Murmelthiere, Fledermäuſe und kleine Haſel⸗ mäuſe veränderten während des Winterſchlafes 45 Cubikzoll atmoſphäriſche Luft nicht im Mindeſten, nachdem ſie ſich 3 Stunden darin befunden, und in 60 Stunden war nach einem andern Verſuch nur ſo viel Sauerſtoff verbraucht, als im wahren Zuſtand in einer halben Stunde. Vermindert ſich das Athemholen, ſo geht all⸗ mählig auch die thieriſche Wärme verloren, die bei Säugethieren und Vögeln hauptſächlich durch das Auf⸗ nehmen von Sauerſtoff aus der Luft in das Blut entſteht; die Säugethiere im Zuſtand des Winterſchlafes werden demnach kaltblütige Thiere. Der Siebenſchläfer hat ein verhältnißmäßig kaltes Temperament, er hat unter allen Säugethieren, mit Ausnahme des Igels, das kälteſte Blut. Die kleine Haſelmaus iſt zwar von allen Schlafmäuſen am ſchlafſüchtigſten, zeigt aber daneben die größte Lebendigkeit und Beweglichkeit, ſo daß die Erſcheinung des Winterſchlafes weder mit der Blutwärme, noch mit der Nahrungsweiſe, noch mit der großen oder geringen Lebhaftigkeit des Temperaments in einen urſachlichen Zuſammenhang gebracht werden kann. Die Unterſuchungen haben im Allgemeinen gelehrt, daß wenn der Winterſchlaf tief und feſt iſt, die Wärme der inneren Körpertheile oder des Blutes mit der Temperatur der umgebenden Luft ſo ziemlich gleichen Schritt hält, mit ihr ſteigt und fällt und daß ſie ſelbſt bis zum Gefrierpunkt, ja noch etwas darunter ſinken kann, ohne daß das Thier aufhört zu leben. Indeſſen iſt große Kälte dem Winterſchlaf nicht günſtig, die Thiere ſuchen ſich ja auch im Naturzuſtand davor zu hüten, indem ſie in unterirdiſchen Höhlen verweilen, in denen ſie überdies Pflanzenſtoffe anſammeln; oder ſie vereinigen ſich wie die Fledermäuſe geſellig zuſammen, wodurch ja ebenfalls der Einfluß der allzugroßen Kälte gemäßigt wird. Abſichtlich bei niedriger Temperatur