Blindſchleichen graben ſich nach neueren zuverläſſigen Nachrichten förmliche Winterquartiere, die aus einem 30— 36 Zoll langen Stollen mit mehreren Krümmungen beſtehen, welche ſie im Spätherbſt von innen mit Gras und Erde zuſtopfen. So liegen die Thiere in tiefer Erſtarrung, theils zuſammengerollt, theils in einander ver⸗ ſchlungen, theils gerade geſtreckt. Die Amphibien, die hauptſächlich der heißen Zone angehören, halten auch in jenem Himmelsſtrich ihren Schlaf und zwar zur Zeit der größten Wärme und Trockenheit, ſo daß hier von einem Sommerſchlaf die Rede ſein muß. Wie herrlich und zweckmäßig ſorgt die Natur für die Erhaltung der verſchiedenen Thiergattungen! Denn ſowohl dort wie hier fällt der Schlaf in den Zeitraum, wo die Nahrung für jene Thiere fehlt. Sie würden bald ſpurlos von der Erde verſchwunden ſein, wenn nicht ihre Lebensver⸗ richtungen und ſomit das Bedürfniß nach Speiſe temporär faſt ganz aufhörte. Unter den Säugethieren finden ſich im Verhältniß wenig Winterſchläfer, die entweder zu der Klaſſe der Raubthiere oder der Nagethiere ge⸗ hören. Von den einheimiſchen Arten gehören hierher die Fledermaus, jenes intereſſante Bindeglied zwiſchen Vogel und Säugethier, der Igel, die Haſelmaus, der Hamſter. Unter den Nagethieren zeichnen ſich beſonders die Siebenſchläfer und Murmelthiere durch einen lang dauernden Winterſchlaf aus. Die Siebenſchläfer durch⸗ ſchlafen 6— 7 Monate, wenn auch mit zahlreichen Unterbrechungen. Während des Winters ſind ſie am fetteſten, wie ſchon Martial bemerkt:
Winter, Dich ſchlafen wir durch; wir ſtrotzen von blühendem Fette
Juſt in den Monden, wo uns nichts als der Schlummer ernährt.
Die Fledermäuſe ſuchen, ſobald es friert, geſchützte Felſengrotten, Höhlen, alte Rauchfänge auf, häkeln ſich mit den Daumen der Vorderfüße neben einander feſt und ſchlafen, bis die Wärme des Frühlings ſie wieder erweckt. Die kleine Haſelmaus überwintert in Baumlöchern oder trockenen Erdhöhlen, welche ſie mit Moos, Gras ꝛc. auspolſtert; ebenſo der Siebenſchläfer. Der Igel gräbt ſich gewöhnlich unter dichtem Gebüſch ein Lager, welches er mit Laub und Moos ausfüttert. Die Alpenmurmelthiere, die 7—8 Monate ſchlafen und deren todtesähnliche Lethargie ſie allein vor dem wirklichen Tode des Verhungerns und Erſtarrens zu ſchützen vermag, bauen beſondere Sommer⸗ und Winterwohnungen. Die erſteren ſind einfach, haben oft nur eine Zu⸗ fluchtsröhre ohne künſtlichen Bau, die letzteren beſtehen aus einer meiſt mehrere Fuß im Durchmeſſer haltenden Höhle mit trockenem Heu glatt ausgefüttert und mit einem einzigen Eingang verſehen, ſo wie mit einer Röhre, die hinab zum eigentlichen Bette führt. Die Bären ſollen in kalten Zonen den Winter in Höhlen zubringen, ohne jedoch zu erſtarren. Prof. Harting erzählt wenigſtens in ſeinen Skizzen aus der Natur Folgendes: „Wenn ein finniſcher Bauer des Winters in der Nähe des Waldes im Schnee die Spur eines Bären gewahr wird, ſo läuft er um den Wald, um zu ſehen, ob die Spur auf einer Stelle auch wieder herauskommt. Iſt dies nicht der Fall, ſo ſchließt er daraus, daß der Bär im Walde ſein Winterlager hat, und nun läuft er in großen Kreiſen, die er allmählig immer kleiner und kleiner macht, ſo lange im Walde herum, bis er endlich auf den ſchlafenden Bär ſtößt. Er erlegt ihn dann aber gewöhnlich nicht, ſondern begiebt ſich zu einem Kauf— mann, mit dem er den Preis beſtimmt, für welchen er demſelben in einigen Wochen oder Monaten die Bären— haut liefern will. Man ſieht alſo, daß in Finnland das Sprüchwort:„Die Haut verkaufen, ehe der Bär ge⸗ ſchoſſen iſt,“ keinen bildlichen, ſondern einen buchſtäblichen Sinn, und keineswegs die Bedeutung hat, welche wir gewöhnlich daran knüpfen. Die Dachſe werden im Spätherbſt ſehr fett und zu Anfang des Winters ſchlafſüchtig, ohne aber einen eigentlichen Winterſchlaf zu halten. Denn ſie verlaſſen zuweilen, namentlich in milden Nächten ihren Bau, um Nahrung zu ſuchen, vorzüglich um zu ſaufen, was die Fährte auf dem Schnee am deutlichſten verräth und in Fuchseiſen gefangene Dachſe zur unumſtößlichen Gewißheit bringen. Bei ſtarker Kälte ſcheint der Dachs zuweilen wochenlang ſeinen Bau nicht zu verlaſſen. Während des Schlafes liegt er zuſammengerollt mit dem Kopf zwiſchen den Beinen, woher wohl die Sage entſtand, daß er die Schnauze in die Drüſentaſche ſtecke und von dem daſelbſt befindlichen Fette zehre.
Ich wende mich nun zu den Erſcheinungen, welche mit dem Winterſchlaf verbunden ſind, um die Reſultate vorzuführen, welche viele Naturforſcher durch mühevolles Schaffen gewonnen haben. Das Athmen iſt nach den Beobachtungen während des Winterſchlafes ſehr vermindert, hört ſogar öfters ganz auf. Weichthiere, die ihre Wohnung mit einem Deckel luftdicht verſchließen, ſprechen am deut⸗ lichſten gegen die Reſpiration. Bei den Fiſchen mag dieſelbe während des Winterſchlafes zeitweiſe auch


