einer Stelle herunter und in wenig Tagen hatten ſie den entblöſten Rücken dergeſtalt angefreſſen, daß der Karpfen den Verwundungen erlag. Es ſei noch mit wenigen Worten der in größeren Colonien beiſammen lebenden Ameiſen und Bienen gedacht. Erſcheint der Winter mit ſeinem weißen Kleid, ſo ziehen ſich ſämmtliche Bewohner in den Bau zurück,(die Weibchen gehen in der Regel mit dem Eintritt der Kälte zu Grunde) die Ausgänge werden feſt verrammelt und Alles verſammelt ſich in dem großen mittleren Gemach, kauert ſich an einander und verſinkt nach und nach in den Winterſchlaf. Die allgemein erwärmende Schnee⸗ decke wärmt und ſchützt auch die kleinen Myrmidonen mit ihren Eiern; und wenn die Frühlingsſonne dieſelbe ſanft wegnimmt und die ganze wieder aufwachende Pflanzenwelt die Blüthenköpfchen hervorſtreckt, ſo wird es auch wieder lebendig im Reiche der Ameiſen. Bei kleinern Ameiſenarten hat man auch mitten im Winter Larven und Puppen gefunden; zuweilen überwintern auch einige Weibchen und bringen dann wie die Arbeiter den Winter in Erſtarrung zu. Die Bienen nähren ſich den Winter über von den geſammelten Honigvorrath, er⸗ ſtarren aber nur bei ſehr ſtrenger Kälte.
Doch genug von dem Heer der Inſecten, die ſo reich an verſchiedenen Gattungen uud eine ſo wunder⸗ bare Mannigfaltigkeit der Lebensweiſe zeigen; ich wende mich nun zu den Wirbelthieren mit den vier Klaſſen. Die Vögel, die ſich ſchon von Außen ſo weſentlich von allen übrigen Thieren unterſcheiden, ſind in dieſem großen Thierkreis die einzigen, die dem Winterſchlaf nicht unterworfen ſind; früher nahm man auch bei ihnen einen ſolchen an und ſchon Ariſtoteles nennt als Winterſchläfer die Störche, Droſſeln, Amſeln, Schwalben, Tur⸗ teltauben, Staare und Eulen. Der Kuckuck, der gewöhnlich in den letzten Tagen des April kommt und Ende Juli oder Anfangs Auguſt ſchon wieder wegzieht, hat noch im vorigen Jahrhundert als Winterſchläfer gelten müſſen und der langbeinige Stelzer, der Storch, ſollte ſogar unter dem Eiſe überwintern. Die Vögel ertragen entweder die ungünſtigen Verhältniſſe, wie die Standvögel, oder ziehen von einem Ort zum andern, wo ſie Nahrung finden für ihren Lebensunterhalt und auch den nöthigen Wärmegrad für ihren Organiſmus und ſeit⸗ dem die Schwalben von Reiſenden auf ihren Wanderungen angetroffen worden ſind, iſt auch das Mährchen von der Ueberwinterung der Schwalben im Schlamme verklungen. Alfred Brehm ſah während ſeines Aufent⸗ haltes in Aegypten die Flüchtlinge aus Europa Ende Septembers eintreffen. Pirole und Fliegenfänger mach⸗ ten den Anfang, dann folgten Schwalben und Wachteln, dann Lerchen, Pieper und Sylvien. Manche dieſer Vögel bleiben in Aegypten, andere z. B. die Schwalben ziehen bis Nubien und noch weiter am Nile hinauf. Manche bleiben des Winters ſchon in Südeuropa(Krähen, Dohlen, Lerchen und manche Finken), andere, na⸗ mentlich die eigentlichen Inſectenfreſſer, ſetzen ihren Zug mit Unterbrechungen 3—4 Monate lang fort. Schwalben hat man zuweilen in Erdlöchern an Ufern von Gewäſſern und unter Thurmdächern in England, Deutſchland und Frankreich erſtarrt gefunden. In einer Berghöhle im Thale von Maurienne, auf der Straße von Italien nach Frankreich, ſoll man regelmäßig faſt alle Jahre viele Schwalben wie Bienenſchwärme an der Decke aufgehängt im Winterſchlafe finden. Von manchen Fiſchen iſt es bekannt, daß ſie den Winter ſchlafend verbringen; die Karpfen ſuchen zu dieſer Zeit die tiefſten Stellen auf, wühlen daſelbſt Gruben und liegen hier in Schaaren aneinander gedrängt. Die Aale verkriechen ſich haufenweiſe in den Schlamm, ebenſo der Schlammbeißer oder Wetterfiſch genannt, unſere Neunaugen und Schleihen. Schmerle und Kaulköpfe habe ich im November regungslos unter Steinen gefunden; ſie ließen ſich ganz bequem aus dem Waſſer nehmen, ſuchten aber dann ſchnell aus der warmen Hand zu ſchlüpfen. Viele Fiſche können wenigſtens einen ſehr hohen Kältegrad ertragen. Der Blei wird in Schnee verpackt oft weit verſchickt und in Eis eingefrorene Karauſchen ſollen beim Aufthauen wieder aufgewacht ſein. Pallas ſah in dem Eiſe der einen großen Theil des Jahres bis auf den Grund zugefrorenen Seen Sibiriens eine Art Karpfen, die nach dem Aufthauen wieder lebendig wurden. Franklin berichtet daſſelbe von Fiſchen im Eiſe der Polmeere; diejenigen, welche mit einem Netze aus der Tiefe geholt wurden, gefroren augenblicklich und wurden ſo hart, daß ſie ſich mit Beilſchlägen ſpalten lie⸗ ßen, wobei ſich zeigte, daß die Eingeweide einen einzigen Eisklumpen bildeten. Nichtsdeſtoweniger gaben dieſe gänzlich gefrorenen Fiſche wieder Zeichen des Lebens, wenn ſie ans Feuer gebracht wurden. Bei den Amphi⸗ bien iſt der Winterſchlaf allgemein; die Fröſche verbergen ſich Anfang November im Schlamm ſtehender Ge⸗ wäſſer und eröffnen ihren quakenden Rundgeſang erſt im nächſten Frühjahr wieder, die Kröten und Schlangen bringen dieſe Zeit unter der Erde, unter Steinhaufen oder in Baumhöhlen zu, ebenſo die Salamander. Unſere


