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ſelben mit der ſchwärzlich⸗braunen Afterwolle. Mitte Mai ſchlüpfen gewöhnlich die Räupchen aus und dann ziehen die Familien in regelmäßigen Zügen nach den jungen Trieben. Auch der Schwammſpinner(Großkopf) legt ſeine 200— 400 röthlich braunen Eier zu länglichen Haufen an die Stämme und Aeſte der Bäume und bedeckt ſie dann dicht mit der ſchwammähnlichen, bräunlich⸗grauen Afterwolle, welche die Feuchtigkeit abhält und den nöthigen Schutz bietet gegen die widerwärtigen Einflüſſe der Jahreszeit. Höchſt intereſſant und merkwür⸗ dig iſt bei dem Eierlegen, wie die Weibchen für die im Ei ſchlummernden Embryonen auch über den Winter hinaus ſorgen und zwar dadurch, daß ſie dieſelben an die Zweige und Aeſte derjenigen Bäume oder Pflanzen abſetzen, welche gleichzeitig mit dem Ausſchlüpfen der kleinen Larven die erſten Knoſpen treiben. Wenn auch die meiſten Larven im Verlauf der wärmeren Jahreszeit die letzte Metamorphoſe beſtehen, ſo giebt es doch viele, die zu ihrer vollſtändigen Entwickelung mehrere Jahre brauchen, wie z. B. die der Maikäfer, Hirſchkäfer, Bockkäfer, Libellen, Weidenbohrer und anderer Schmetterlinge. Die Räupchen des bekannten Baumweißling, welche nach dem Ausſchlüpfen aus dem Ei ſogleich ein Geſpinnſtdach über ſich ſpinnen und mehrere Blätter in ihr Gewebe ziehen, die allmählig braun werden, überwintern in den ſo gebildeten kleinen Raupenneſtern (zum Unterſchied von den großen Raupenneſtern des Goldafterſpinners). Im nächſten Frühjahr freſſen ſie die Blüthenknoſpen und dann die jungen Blätter; erſt Anfangs Mai, wo die zweite Häutung erfolgt, wachſen ſie ſchnell heran und verpuppen ſich im Juni. Nach etwa 14 Tagen kommt der Schmetterling zum Vorſchein, wobei er einige Tropfen eines blutrothen Saftes fallen läßt, der zur Sage vom Blutregen Veranlaſſung ge⸗ geben hat. Die Raupen des ſo ſchädlichen Kiefernſpinners freſſen von Mitte Auguſt bis zum Eintritt des Froſtes die Nadeln ab. Anfangs November kriecht die ganze Geſellſchaft vom Baum herunter und bezieht unter Streu und Moos meiſt am Fuße des Stammes ihr Winterquartier. Gegen Ende des April im folgen⸗ den Jahr beginnen die Raupen ihr verderbliches Geſchäft von Neuem und faſt Tag und Nacht geht das Freſ⸗ ſen fort bis zum Juli, wo ſie ſich einſpinnen und nach etwa 20 Tagen als Falter erſcheinen.
Viele der Larven beziehen im Herbſt die Quartiere, um ſich darin vor Eintritt des Winters zu ver⸗ wandeln, ſo daß dieſe als Puppe dem Winterſchlaf verfallen und in der von der Larve verſchiedenartig ge⸗ bauten Wiege geſchützt liegen; viele Puppen befinden ſich auch frei liegend unter Moos und anderen Stoffen, ja ſogar ganz frei, wie die Puppe des Fuchſes und des Kohlweißlings, die den Einflüſſen der ungünſtigen Temperatur unmittelbar ausgeſetzt dennoch nicht untergehen, ſondern oft als die Erſtlinge des Jahres uns früh⸗ zeitig begrüßen, aber auch ihren vorſchnellen Dienſt meiſtens mit zu frühem Tod bezahlen. Endlich überwin⸗ tern auch die Inſecten im vollkommenen Zuſtand, beſonders die Ordnung der Käfer, Wanzen, Weſpen ꝛc. und Fliegen. Schmetterlinge trifft man im Ganzen ſelten in ihren Winterquartieren; mit Ausnahme des kleinen Froſtſpanners, der im November und December fliegt, überwintern zuweilen der Trauermantel, der große Fuchs, der Taubenſchwanz, die Dotterweideneule, der große Froſtſpinner und noch einige andere. Wahrſchein⸗ lich ſind die aufgefundenen meiſtens ſolche, die durch die Jahreszeit begünſtigt zu früh aus ihrer Hülle ſchlüpf⸗ ten und nun in der Winterraſt der günſtigen Zeit harrten. Die Käfer ſuchen ſich, wie die übrigen Inſecten verſchiedene Orte zum Ueberwintern, wie Baumritzen, faules Holz, Blätter, Steine, Moos ꝛc. und man findet deren oft aus den verſchiedenſten Ordnungen in einem gemeinſamen Schlupfwinkel, Thier⸗ und Pflanzenfreſſer, Räuber und ſonſtige Beute liegen friedlich bei einander. Die Waſſerkäfer vergraben ſich in Schlamm oder be⸗ geben ſich auf das Land und ſuchen ſich da ihre Winterquartiere. Ich habe ſeit mehreren Jahren in einem ziemlich großen Aquarium außer andern Thieren verſchiedene Schwimmkäfer gehalten, unter dieſen auch den ſogenannten Gelbrand(Dyticus marginalis) und deſſen Larve. Dieſer ging vorzugsweiſe in der Dunkelheit auf Beute aus, doch zeigten ſich dieſe geſchickten Schwimmer auch am hellen Tag. Während des Winters waren ſie verſchwunden, nur wenn das Waſſer längere Zeit geſtanden und anhaltende Wärme in der Stube war, kamen ſie aus ihrem Verſteck und ſuchten ſich als unglückliche Opfer die kleinen Weißfiſche aus, denen ſte regelmäßig die Augen ausfraßen. Die ſogenannten Stichlinge(Gasterosteus aculeatus) ſind nie von ihnen angegriffen worden, hingegen ſtießen die kleinen bewaffneten Ritter mit großer Wuth auf hineingeſetzte Larven des Gelbrandes und zauſten an ihnen herum. Ein etwa halbpfündiger Karpfen wurde ſo von den kleinen Stichlingen zugerichtet, daß er alsbald ſtarb. Pfeilſchnell, mit aufgerichteten Stacheln ſchoſſen ſie von hinten und von der Seite auf den Rücken des friedlichen Thieres, riſſen in unaufhörlichen Angriffen die Schuppen an
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