Bei den übrigen Thieren der letzten Klaſſe, wie z. B. bei den Quallen und Polypen fehlen auch die Beweiſe für oder gegen den Winterſchlaf. Die Weichthiere, mit vollkommen ausgebildeten Organen für die Ernährung, den Blutumlauf und die Athmung laſſen denſelben ſchon deutlich erkennen; bringt man einige Schalthiere aus ihrem Verſteck unter Moos oder Pflanzenreſten in die warme Stube, ſo regt ſich gar bald das in der kleinen Wohnung verborgene Leben. Ich habe Nacktſchnecken hinter dem Kalkbewurf feuchter Wände und auf der Erde unter den Kalkabfällen gefunden, welche ſteif und unbeweglich waren, jedoch durch die bloße Wärme der Hand nach wenigen Minuten ihre Fühler hervorſtreckten und ſich zu bewegen anfingen. Naht für die Land⸗ Gehäusſchnecken der Winter, ſo ſuchen dieſelben ebenfalls ſichere Verſtecke unter Moos oder unter lockern Erd⸗ ſchichten und verſchließen als geſchickte Baumeiſter ihre Wohnung ganz dicht mit Kalk, der in ihrem Mantel⸗ ſaume aufgelöſt iſt. Lockt die Sonne das erſte Grün aus der Erde, ſo werfen die Schnecken die Winterthür weg und kriechen aus ihren Schlupfwinkeln hervor, um ihr Gebäude zu vollenden oder auszubeſſern. Manche von ihnen vereinigen ſich beim Aufſuchen der Winterquartiere zu Geſellſchaften und beginnen die Deckelbildung erſt dann, wenn ſie in ſolcher Geſellſchaft bei einander liegen, was man namentlich bei der Weinbergſchnecke beobachtet hat. Viele derſelben betten ſich ein, denen der nächſte Frühling nicht mehr lacht, denn der Menſch jagt ihnen nach und liebt ſie nur dann als feinen Leckerbiſſen, wenn ſie gefaſtet und ſich eingedeckelt haben. Wenden wir uns nun zu den Glieder⸗ oder Kerbthieren, ſo treten uns, die unterſte Stelle in dieſem Thierkreis einnehmend, die Würmer zuerſt als Winterſchläfer entgegen, ſo z. B. der Blutegel und der Regen⸗ wurm, der ſich mehrere Fuß tief unter die Oberfläche der Erde verkriecht, aber auch unter Steinen in mehr oder weniger gekrümmter Lage angetroffen wird und beim Angreifen mit der Hand ſich erſt langſam bewegt, dann aber ſich dehnend, unter Abſonderung eines farbloſen Schleimes ſchnell von der Stelle zieht. Die ſoge— nannten Tauſendfüße findet man neben ſchlafenden Käfern und Würmern noch wach, ſpäter aber ſchlafen ſie gleich den Andern, erwachen jedoch in der Wärme ziemlich ſchnell, ſo daß der Winterſchlaf bei ihnen nicht ſo feſt iſt, wie bei vielen Mitbewohnern des Mooſes oder ähnlicher Schlupfwinkel. Die Krebſe ziehen ſich im Herbſt in ihre Höhlen zurück und verweilen in denſelben, ſo viel mir bekannt iſt, im Winter ohne Nahrung. Das luftige Völkchen der Spinnen überwintert auch, theils als Ei, theils als vollkommenes Thier. Das Weibchen der Kreuzſpinne legt gegen den Herbſt in ein Geſpinnſt oder Neſt 800— 1000 Cier, welche die ſtrengſte Kälte überſtehen können und ſich im nächſten Frühjahr entwickeln. Wenn auch die atlashaarige Sammetſpinne in einem weißen Gewebe ſteckt, um darin zu überwintern, ſo ſuchen andere blos den Schutz der Erde oder anderer Subſtanzen und wieder andere ziehen ſich tiefer in die zweckmäßig gebauten Neſter zurück, in welchen man ſie regungslos mit angezogenen Beinen trifft. Schauen wir auf den Grund eines ſtillſtehenden Waſſers, ſo ſehen wir eine braune, mit vier vertieften Punkten auf der Oberſeite des länglichen Hinterleibes verſehene Spinne emſig beim Weben beſchäftigt— es iſt die Waſſerſpinne. Nachdem ſie das Netz mit Fäden nach allen Richtungen hin an benachbarte Pflanzen geheftet hat, ſteigt ſie plötzlich an die Oberfläche des Waſſers und ſofort iſt ihr Hinterleib in eine Luftblaſe gehüllt; die Spinne glänzt wie Queck⸗ ſilber, mit einer Luftladung taucht ſie auf den Grund, kriecht unter das Gewebe und ſtreift mit den Beinen die Luft von ſich ab. Die leichtere Luft ſteigt unter der Seidendecke in die Höhe und nach mehrmaligen Auf⸗ und Niedertauchen der Spinne iſt der kleine eiförmige Waſſerpalaſt vollendet. In dieſem ſitzt ſie während der Winterzeit wochenlang regungslos da. Mordgier und Hinterliſt ſchweigen und die ſchwächere Nachbarin iſt ſicher vor dem Gift und Dolch ihrer ebenſo tückiſchen Gegnerin. Selbſt in der Stube in einem Aquarium ſtellt die Spinne zur Winterzeit keine Wanderungen an. Die unermeßlich reiche und flüchtige Welt der Inſecten, die, wie die Gräſer im Pflanzeureiche, den Grundſtock, die Hauptmaſſe des Thierlebens bilden, hat zu vielfachen Beobachtungen des Winterſchlafes Gelegenheit gegeben, da man ſie als Ei und als Larve, oder auch im Pup⸗ pen- oder vollkommenen Zuſtand antrifft. Viele Eier wie z. B. die der Heuſchrecken, mancher Käfer ꝛc. lie⸗ gen ſo tief in der Erde, daß die Kälte ihnen nicht ſchadet, viele befinden ſich in Baumritzen oder im faulen Holz, wo genügender Schutz iſt, viele liegen wieder ganz frei. So legt z. B. das Weibchen des in Obſtgärten ſo ſchädlichen Ringelſpinners die Eier, oft bis 400 Stück, ſpiralförmig dicht neben einander um 1— 2jährige Triebe, wo ſie überwintern; das Weibchen des Proceſſionsſpinners legt 150— 200 weiße Eier, von der Größe der Mohnkörner, klebt dieſelben feſt, meiſtens an die Sommerſeite der Stämme und Aeſte und überzieht die⸗
Jahrgang
1862
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