Jahrgang 
1858
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en zur Dooch wir wollen dem Detail des ſo reichen Johannisaberglaubens, wofür ſich Belege in allen Sammlungen Aem z deutſcher Sitten und Gebräuche vorfinden, nicht weiter nachgehen; die angedeuteten Hauptzüge deſſelhen laſſen uns die Gr⸗ klar und deutlich den Tag der Sonnenwende als einen beſonders ſegensreichen, gnadenvollen Jahresabſchnitt wir am erkennen, von hoher Bedeutung und großem Einfluß für das Wohlbefinden der Menſchen und das Gedeihen

des Viehes und der Saaten. Auch das Johannisbad und das Sonnwendfeuer mit den daran geknüpften Ge⸗ ewend⸗ bräuchen, Ceremonien und heilſamen Folgen beruhen auf derſelben Anſchauung und Vorſtellung, welche in der 1 Vor⸗ Vorzeit feſt und lebenskräftig war, in der Gegenwart zwar ſtill und eingeſchüchtert, aber dennoch fortlebt, mit iſtliches ihren Wurzeln aber bis tief in das Heidenthum zurückreicht. Denn ſie ſteht in innigem Zuſammenhange mit welcher dem heidniſchen Glauben, daß durch die unmittelbare Nähe der Gottheit dem Tage eine beſondere Heiligkeit

und Weihe zu Theil werde, die über die ganze Natur und alle Elemente ausgegoſſen und verbreitet einem jeden welcher zum Heil und Segen gedeihe, der treu und glaubensvoll mit Opfern und Gaben der Gottheit ſich nähert und aüfaltet, an der allgemeinen Feſtfeier Theil nimmt. Es iſt ein bedeutſamer Zug des germaniſchen Heidenthums, daß es empor ſeine Götter zwar unter einander in menſchlicher Weiſe verkehren, aber noch öfter den Angekegenheiten der t. Aus Menſchen liebevolle Sorge und Theilnahme zuwenden läßt. Sie geben ihren Willen nicht blos durch Zeichen Frauen und Winke kund, ſie ſteigen auch ſelbſt hernieder und ziehen zu Wagen und zu Roß in den Lüften und auf der Un⸗ den Fluren umher, Segen und Fruchtbarkeit über Haus und Hof, Land und Leute ſpendend, dabei unfrommes . Auch Thun und Treiben ſtrafend, zuweilen auch Krieg und Unheil ankündigend. Die Zeit dieſer ſegnenden Umzüge ttet den war eine beſtimmte; ſie wiederholte ſich alljährlich und die Tage ſelbſt waren hehr und heilig, Feſte und Freu⸗ t ſeinen dentage der Völker. Zwar hat auch dieſen Glauben das Chriſtenthum möglichſt zu beſeitigen geſucht, aber noch Flüſſen immer hat ſich die alte Vorſtellung von der nahenden Gottheit, obwohl mehr und mehr abgeſchwächt, verdunkelt men an und ſelbſt ins Gegentheil verkehrt im Volksglauben erhalten und bricht zu gewiſſen Zeiten, namentlich zur Ad⸗ rſäumen vents⸗ und Weihnachtszeit hindurch, wie auch der Einfluß der göttlichen Nähe auf die ganze Natur und deren ie Sage Freude und Jubel über die Gegenwart und Anweſenheit der Götter in dem reichen, vielgeſtaltigen Weihnachts⸗ rhalten aberglauben klar und lebendig uns vor die Augen tritt. Auch bei den Herbſt⸗ und Frühlingsfeſten ſind Götter Kräͤuter oder Göttinnen anweſend und wir begegnen ihrem Einzuge in die Länder und Fluren. Sollten ſie nicht auch ttel oder am Tage der Sommerſonnenwende den Menſchen nahe geweſen und ihr Thun durch ihre Gegenwart geſegnet, die Kö⸗ haben? Gewiß, das Gegentheil iſt nicht leicht denkbar. Dies läßt ſich ſchon aus dem innern Zuſammenhange den wer⸗ und der gegenſeitigen Beziehung und Berührung, worin die Winter⸗ und Sommerſonnenwende zu einander eilkräftig ſtehen, mit Wahrſcheinlichkeit folgern und vermuthen, wenn auch das Andenken und die Erinnerung daran in Lünſchel⸗ der Sage und im Volksglauben ziemlich verblaßt und faſt verloſchen iſt. Allein in den Erſcheinungen der wei⸗ aufwärts ßen Frauen, der Waſſerelben, der redenden Glocken, der alten Volkshelden, des wilden Jägers, ſowie der e Sonne Hexen und Bilſenſchneider dürften vielleicht noch Nachklänge des alten Glaubens erhalten ſein. Läßt ſich dieſe e Bäume Vermuthung halten, dann iſt es auch unbedenklich, den Aberglauben, welcher dem Johannisbad, dem Sonn⸗ chwaben wendfeuer und anderen Verrichtungen dieſes Tages eine beſondere Wirkſamkeit und Zauberkraft zuſpricht, als vohannis⸗ eine zwar dunkle, hin und wieder auch verunſtaltete aber dennoch gebliebene Erinnerung an den Segen und die

Weihe aufzufaſſen, welche einſt von der Gegenwart der Gottheit bei dieſem Jahresfeſte über die ganze Natur In verbreitet waren.

ügen. 4 Mittelpunkt der Feſtfeier war das lohende Sonnwendfeuer, in der älteſten Zeit ohne Zweifel ein Opfer ³2²). an ne Welchem Gotte aber das Opfer galt und das Feſt gefeiert wurde, ob neben Woutan auch Donar, ob einer ft. Aud Gottheit oder überhaupt den Gottheiten der Fruchtbarkeit und des Gedeihens, auf dieſe Fragen läßt ſich kaum eine Vermuthung, geſchweige eine beſtimmte Antwort geben, wenn auch hier und da eine leiſe Beziehung des

pobei drei

32) Dafür ſpricht die Nachricht von dem in die Flamme geworfenen Pferdehaupte, um dadurch die Hexen herbeizulocken und zu erkennen, eine deutliche Reminiszens an die dem Woutan geſchlachteten Pferdeopfer; dafür ſprechen die Thierknochen, welche man im 12. und 13. Jahrhundert in Frankreich verbrannte, dafür auch die Kränze, Blumen und Kräuter, welche bis in die jüngſte Zeit herab dem Feuer übergeben wurden, und der weiße Hahn bei flaviſchen Völkern.