Jahrgang 
1858
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Dagegen ſtellen ſich andere ſymboliſche Johannisſpiele entſchieden den bekannten Pfingſtgebräuchen zur Seite: das Hahnſchlagen, das Wettreiten nach einem aufgeſteckten Kranze, Wettkämpfe zweier Parteien zu Pferde in Belling bei Paſſewalk, die Errichtung von Kletterſtangen, das Aufjagen der Räuberbande, die Er⸗ löſung der Prinzeſſin, das Suchen der Seejungfer und andere derartige Volksluſtbarkeiten, denen wir am Harze, in der Umgegend des Kyffhäuſer und anderwärts begegnen ³¹).

Die Natur und Beſchaffenheit dieſer Gebräuche, insbeſondere aber das Johannisbad und Sonnenwend⸗ feuer mit dem daran geknüpften Glauben laſſen den Tag der Sonnenwende als einen unſern heidniſchen Vor⸗ fahren hochwichtigen, heiligen Jahresabſchnitt erkennen, deſſen im Volke tief wurzelnde Bedeutung ein chriſtliches Feſt nach und nach verwiſchen und erſetzen ſollte. Davon überzeugt noch recht deutlich der Volksglaube, welcher demſelben Tage eine ganz beſondere Wunderkraft und Zauberpracht beilegt.

Sant Iohans sunewenden tact war nach dieſem Glauben die wunderſame, zaubervolle Zeit, in welcher die ganze Fülle und Kraft der Erde ſich aufthut, des Sommers höchſte Pracht und Herrlichkeit ſich entfaltet, die Geiſterwelt geöffnet und alles Unſichtbare ſichtbar wird. Längſt verſunkene Schätze kommen wieder empor und blühen und ſonnen ſich oder der Zugang zu ihrer Verborgenheit in Bergestiefen iſt geöffnet. Aus Felſen und Höhlen, aus verfallenen Burgen und altem Gemäuer treten gebannte Geiſter, beſonders weiße Frauen mit dem Schlüſſelbunde an der Seite und ihr Goldhaar ſtrählend, hervor, ſuchen Erlöſung, winken der Un⸗ ſchuld zum Entzauberungswerk und ſtellen reichen Lohn der muthigen, unerſchrockenen That in Ausſicht. Auch der alte Kaiſer, der in den Kyffhäuſer gegangen und dort am Steintiſche ſeinen Zauberſchlaf hält, geſtattet den Zutritt zu ſeiner Verborgenheit und unterirdiſchen Herrlichkeit, oder geht auch ſelbſt in der Nacht mit ſeinen Helden und Knappen hervor, um oben auf dem Berge Kegel zu ſchieben. Aus Seen, Teichen und Flüſſen ſteigen in der Mittagsſtunde Glocken empor und am Abend unbekannte Jungfrauen, welche Theil nehmen an der Freude der Menſchen, ſich unter die tanzende Jugend miſchen, dabei aber die beſtimmte Stunde verſäumen und in ihr Wellenreich zurückgekehrt die Verſpätigung mit ihrem Blute bezahlen müſſen. Auch läßt die Sage den wilden Jäger in der Johannisnacht wie in der Weihnachtszeit durch die Lüfte ziehen und Hexen halten ihre Ausflüge und Verſammlungen und treiben vielfachen Zauberſpuck und Unfug. Alle Pflanzen und Kräuter duften herrlicher als je und entwickeln ihre heilſamen, wunderbaren Zauberkräfte: der Sonnenwendgürtel oder Beifuß, das Farrenkraut mit ſeinem wunderthätigen Samen, das Johannisblut und die Johannishand, die Kö⸗ nigskerze, der Attich, Teufelsabbiß und viele andere Kräuter und Wurzeln von hohen Gaben und Gnaden wer⸗ den in der Mittagsſtunde oder in der Mitternacht vorher fleißig und ſtillſchweigend geſammelt, als heilkräftig für Menſchen und Vieh aufbewahrt oder ſogleich zu allerlei Zauber und Divination verwendet. Die Wünſchel⸗ ruthe wird gleichfalls in der Johannisnacht geſchnitten und ein Stück Eſchenholz, vor Sonnenaufgang aufwärts am Stamm gehauen oder geſchnitten, ſtillt das Blut und heilt jede Wunde, weil an dieſem Tage die Sonne ſtill ſteht. In einzelnen Gegenden von Sachſen und Thüringen umbindet man in der Johannisnacht die Bäume mit Strohſeilen in der Meinung, daß das Obſt, weiches ſie tragen, nicht unreif abfallen könne. In Schwaben bekommt der Wein einen angenehmen Geruch und Bodengeſchmack(Bodengefährt), wenn man am Johannis⸗ tage die Weinſtöcke ſchüttelt. Ein Schuß bei der Sonnenwende um Mittag in die Sonne gethan, wobei drei Blutstropfen herabfallen, die gefangen und aufbewahrt werden müſſen, läßt jeden weitern Schuß gelingen. In derſelben Zeit zwiſchen 12 und 1 Uhr kann man im Walde einen Kobold einfangen, dann wächſt auch an man⸗ chen Orten eine Johannishand aus der Erde, deren Beſtreichen gegen Flüſſe und andere Uebel hilft. Auch ſchwarze Kohlen werden aus der Erde gegraben, nach Hauſe getragen und auf den Fruchtboden gelegt, denn ſie ſchützen das Korn vor Würmern und das Haus vor dem Einſchlagen des Blitzes. Meſſer in derſelben Ta⸗ gesſtunde gefertigt leiſten gute Dienſte bei der Entzauberung der Hausthiere.

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31) Kuhn und Schwarz, Norddeutſche Sagen S. 187. Nr. 211. S. 390 ff. Kuhn, Märkiſche Sagen S. 331. Som⸗ mer a. a. O. S. 151 159.

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