13 Bedeu⸗ S 8 — zehnten Sitten und Bräuche am Johannisabende vorhanden, in denen wir, wie auch in dem ſogenannten Jo⸗ hucn hannesbiere zu Hambühren bei Celle am Harze, Ueberreſte eines alten Opfermahles vermuthen dürfen, deſſen 1 u Andenken ſich auch in Belgien und Frankreich erhalten hat ²⁶). ſeiner Noch ſind in einzelnen Gegenden von Deutſchland andere Johannisgebräuche übrig, abgeſchwächte und ver⸗ hriyft blaßte Ueberreſte, wie es ſcheint, einer vormals reicheren und ausdrucksvolleren Feſtfeier, in ihrer jetzigen Ge⸗ 5 ſtalt den Pfingſtgebräuchen nicht unähnlich und in manchen Punkten ganz mit ihnen übereinſtimmend. In ſäch⸗ n und ſiſchen Dörfern und Städten werden in der Johannisnacht Kronen von Laub und Blumen gewunden, mit Bän⸗ t paar- dern und Tüchern verziert und am Morgen an den Häuſern aufgehangen. Man meint, daß in das Haus, nſtehen woran keine Johanniskrone hängt, das ganze Jahr hindurch kein Glück und Segen einkehre. Auch gebraucht zſcheite man dieſe Kronen das Jahr über als Thee bei Krankheiten. In den Vorſtädten von Halle werden Blumen⸗ 1 heute kronen an Schnüren quer über die Straße gehängt, die Kinder tanzen darunter und ſperren durch Blumenge⸗ pringen winde oder Bänder den Vorübergehenden den Weg und erhalten von ihnen kleine Geldgeſchenke. In vielen hrt das Dörfern iſt auch Illumination, vielleicht eine Erinnerung an ehemalige Johannisfeuer. In Leipzig trägt man u nicht Blumen, Kränze und Kronen auf den Friedhof und ſchmückt damit die Gräber. Die Kirche des Friedhofs iſt langen eine Johanniskirche. Bei dem danében gelegenen Hospitale war es bis zum Jahre 1786 Sitte, ein kleines Rädchen hölzernes Männchen ſchön geputzt auszuſtellen, neben dem eine Vaſe mit Blumen ſtand. Der Aberglaube be⸗ trachtete dieſes Johannis⸗Männchen als das Palladium der Stadt, welches Seuchen, Feuerſchäden, Blitz und in der andere Unfälle abzuhalten im Stande ſei. Als im genannten Jahre die Ausſtellung der Puppe verboten wurde, Minne zog die Bevölkerung der Stadt zwar nicht mehr dorthin, dafür aber nach dem Geſundbrunnen am Thonberge ²). ach der Am Harze und den angrenzenden Ortſchaften werden Tannenbäume oder Birken, mit Blumen, Bändern und n Chri⸗ Tüchern geziert, aufgerichtet. Um dieſe„Johannisbäume“ wird dann von Jung und Alt getanzt oder nach äbiſchen den daran aufgehangenen Tüchern und Bändern geklettert. Dieſe Sitte iſt auch in Norwegen heimiſch. Dort e Jahre werden ſogenannte Maienſtangen, gleichfalls mit Kränzen und Bändern geſchmückt, am Johannistage errichtet; en, wie die jungen Leute ſingen und tanzen darum und freuen ſich dabei der Hoffnung auf eine reiche Ernte. Unter ümmtere der wendiſchen Bevölkerung in der Gegend von Salzwedel wurde vormals der ſogenannte Kronenbaum auf⸗ ner und gerichtet, der nur von den Weibern geholt werden durfte. Keine ſchloß ſich davon aus und ſelbſt körper⸗ auf der liche Gebrechen hielten nicht von dem Zuge ab. Am Abend vor Johannistag wurde eine Birke gefällt und en Jahr⸗ alle Zweige bis auf eine kleine Krone davon entfernt. Am folgenden Tage wurde dann der alte Baum um⸗ gehauen und der neue unter dem Geſange wendiſcher Lieder— Männer waren dabei ganz ausgeſchloſſen— duf dieſem aufgerichtet und mit Kränzen behangen ²). Holl⸗ und Dieſe geputzten Johannisbäume gleichen auffallend den Pfingſtbäumen, welche in vielen Gegenden, beſon⸗ de he ders in Mittel⸗ und Niederdeutſchland, an Sommerfeſten errichtet werden und könnten deshalb von der Pfingſt⸗ nahnbe feier auf den Johannistag übertragen ſein, zumal da auch Verkleidungen, kleine dramatiſche Vorſtellungen und allerlei der Mai-⸗ und Pfingſtfeier angehörige Symbolik dabei vorkommen 2⁹). Allein gerade am Harze dürften uer halfen dieſelben als vormaliger Mittelpunkt der Johannisſcheiterhaufen ſich als deren modern geſtaltete Ueberreſte er⸗ aͤber die halten haben, ſo daß ſie in ihrer Heimath für frühere Johannisfeuer zeugen würden 30). en die jun⸗———. In Grie⸗ 25) Meier a. a. O. S. 424. 427 f. Panzer, Beitrag II. S. 239. Zeitſchrift für deutſche Mythol. III. S. 44. Grimm, zu Serbien Mythol. S. 585. Kuhn und Schwarz, Norddeutſche Sagen S. 393. Wolf, Beiträge I. S. 102. II. 392. lis eer 27) Sommer, Sagen S. 156. Gräße, der Sagenſchatz des Königreichs Sachſen. S. 285. Aungin 28) Kuhn, Märkiſche Sagen, S. 331. zu u 29) Pröhle, Harzbilder S. 19 ff. Zeitſchrift für deutſche Mythol. I. S. 81. S.
4 20) Wir ſahen oben, daß man in Franken geputzte Tannen beim Einſammeln des Holzes herumtrug. Um dieſe Bäume wurde dann der Holzſtoß errichtet. So wurde das Oſterfeuer noch bis zum Jahre 1831 auf der Kugelburg bei Volkmarſen in Heſſen ange⸗ zündet. S. Lynker, Heſſ. Sagen S. 240.
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