Jahrgang 
1858
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Wichtig iſt in Deutſchland auch der Sprung über die Flamme oder die glühenden Kohlen. Seine Bedeu⸗ tung iſt in dem Volksglauben ausgeſprochen, daß man dadurch Geſundheit auf's ganze Jahr erlange ²³), ein Glaube, der ſich auf die reinigende und neubelebende Kraft, welche man dieſem Elemente zuerkannte, gründet und anderwärts in anderer Form und Geſtalt ſich zeigt. In Frankreich und Spanien haben wir ihn in ſeiner Weiſe eben kennen gelernt; er iſt aber eben ſo gut auch bei den Slaven zu Hauſe ²⁴).

An den Sprung über das Feuer iſt noch beſonders das Wachsthum und Gedeihen des Flachſes geknüpft. So hoch der Sprung, ſo hoch der Flachs! iſt gleichfalls ein allgemeines Wort in Baiern und Schwaben und wird als ein Wunſch beim Sprunge ausgerufen, den die Burſchen und Mädchen meiſt paar⸗ weiſe zuſammen machen. Je höher einer ſpringt, deſto mehr gereicht es ihm zur Ehre und die Alten umſtehen das Feuer und ermuntern recht hoch zu ſpringen. An vielen Orten nimmt man auch angebrannte Holzſcheite aus dem Feuer und ſteckt ſie auf den Acker in die Leinſaat, denn das befördert ihr Gedeihen, und noch heute meint man in der Oberpfalz, daß für deſſen Haus kein Flachs wachſe, der über das Johannisfeuer zu ſpringen verſäumt, oder daß er mißrathe, wenn die Mädchen nicht über das Feuer ſpringen können. Traurig kehrt das Mädchen heim, welches keinen Burſchen zum Sprunge fand; ſie darf ſich auf den heurigen Flachsbau nicht freuen, während jene, welche mit ihren Burſchen hoch über das Feuer ſetzten, freudige Hoffnung auf langen Flachs nach Hauſe bringen. Zum Lohne für das Springen erhält der Burſche einKöychl vom Mädchen und dieſer führt ſie dann hinwieder zum Methe ²⁵).

Wir ſehen hier in der Oberpfalz einen Schmauß dem Johannisfeuer folgen. So beſchloß ſicher in der alten Zeit ein Opferſchmauß das Feſt der Sonnenwende, wobei der Götter dankbar gedacht und ihre Minne getrunken wurde. Dieſer an den großen Jahresfeſten allgemein üblichen Sitte entſagte man auch nach der Bekehrung zum Chriſtenthume nicht; man trank aber ſtatt Woutans, Thors und der übrigen Götter nun Chri⸗ ſtus, Marien und der Heiligen Minne und Gedächtniß. Einen Beleg dafür dürfen wir in der ſchwäbiſchen Sage finden, daß die Gräfin Anna, die auf dem Frauenberge bei Gerhauſen gewohnt haben ſoll, alle Jahre daſelbſt am Johannistage einen Eimer Bier unter die Jugend vertheilt habe. Auf dieſem Berge werden, wie ſchon erwähnt worden iſt, noch jetzt Feuerräder angezündet. An anderen Orten zeigen ſich noch beſtimmtere Spuren. So war es in Nürnberg eine alte Sitte, den Johannisſegen zu trinken, damit ein warmer und fruchtbarer Sommer erfolgen möge. Derſelbe Johannisſegen wird in Heilbronn noch jetzt Abends auf der Straße getrunken, und in Uebelingen am See, in Tettnang, Rotenburg am Neckar waren noch vor wenigen Jahr⸗

33)Wer übe s Johannesfeuer ſpringt, kriegt des ſel jars fiebe net heißt es in Baiern. Auf dieſem Glauben beruht auch die Drohung beim Einſammeln des Holzes, daß Der kein Jahr mehr leben werde, der die Holz⸗ und Brandſteuer verweigere. Deshalb pflegten auch die Nürnberger Buben die Vorübergehenden zum Sprunge über das ange⸗ zündete Feuer einzuladen. In Schwaben galt hier und da der Glaube, daß wer übers Johannisfeuer ſpringe, verborgene Schätze ſehen könne, und in Ebingen kochte man Erbſen am entzündeten Feuer, die aufbewahrt und als heilſam bei Quetſchungen und Wunden erachtet wurben. Meie a. a. O. S. 425. 427.

) So wird aus Preußen und Litthauen berichtet, daß dort auf allen Höhen die Johannisfeuer flammen. Dieſe Feuer halſen nicht nur gegen Gewitter, Hagelſchlag und Viehſterben, beſonders wenn man am folgenden Morgen das Vieh über die Brandſtelle auf die Weide treibt, ſondern auch gegen allerlei Zauberei, namentlich Milchbenehmung. Darum gehen die jun⸗ gen Burſchen, welche das Feuer angezündet, am folgenden Morgen von Haus zu Haus und ſammeln Milch ein. In Grie⸗ ufen die Neihe Abe. X9 5 nſer G So er fur; 5... chenland rufen die Weiber am Abend vor Johannistag über das Feuer ſpringend:ich laſſe meine Sünden. In Serbien binden die Hirten Fackeln aus Birkenweide, zünden ſie an und umſchreiten damit zuerſt Schafhürden und Ochſenzaune, dann ſteigen ſie auf Berge und laſſen ſie verbrennen; in Böhmen wurden die Kühe über das Johannisfeuer geführt, um ſie gegen Hexerei zu ſchützen, und in Rußland ſprangen junge Burſchen und Mädchen blumenbekränzt und mit heiligem Kraut umgürtet ager das Teuer nhirte ie Heerde rüher S Ar 8.. 8. über das Feuer und führten die Heerde darüber. Sie glaubten dadurch ihr Vieh vor den Leschien(Waldgeiſtern) zu ſchützen. Zuweilen ſoll auch unter Tanz und Geſang ein weißer Hahn verbrannt worden ſein. v. Tettau und Temme, S. 277 Grimm, S. 590. Panzer, Beitrag zur deutſchen Mythol. J. S. 215 ff. 210. II. S. 549 f. Meier a. a. O. S. 423. Schönwerth, Aus der Oberpfalz. Augsburg 1857. I. Bd. S. 414.

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