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Dieſe Ueberſicht zeigt ihre Verbreitung faſt durch ganz Europa hindurch, mögen ſie in den genannten Län⸗ dern entweder früher beſtanden haben oder noch jetzt dort üblich ſein. Daß dieſe Feuer aus dem Geiſte der chriſtlichen Gottesverehrung und Religion nicht hervorgegangen ſind, bedarf kaum noch eines Beweiſes. Die Kirche hatte zwar, wie dies überhaupt ihre Weiſe war, den Brauch ſchon frühe ſich anzueignen geſucht und auf Johannes den Täufer bezogen und gedeutet, auch einigen Antheil an der Feier ſelbſt genommen, allein nirgends und nie ſehen wir die Sitte ganz in die Hände der Geiſtlichkeit übergehen, vielmehr wurde ſie von der welt⸗ lichen Obrigkeit und vom Volke geleitet und geübt. So auch in Gernsheim am Rheine. Dort wurde das an⸗ gezündete Feuer vom Pfarrer geſegnet und ſo lange es brannte, vom Volke geſungen und gebetet. Erloſch die Flamme, ſo ſprangen die Kinder, früher auch die Erwachſenen über die Kohlen.
Das Holz zum Johannisfeuer wurde, wie dies auch bei anderen Jahresfeuern bräuchlich war, von der Jugend im Orte eingeſammelt und dabei alte, feſtſtehende Reime und Sprüche hergeſagt. Hier und da ging
dem Zuge ein Knabe mit einem geputzten Maibaume voran 20).
Nach Sonnenuntergang wurde der Holzſtoß angezündet und unter Jubel und Geſang der Reigen um die Flamme getanzt. Dabei war man mit Blumen bekränzt und allerlei Kräutern, Beifuß, Eiſenkraut, Ritterſporn u. a. verſehen, die nachher in die Flamme geworfen wurden, eine weſentliche Ceremonie, die für verſchiedene Dinge gut und förderlich war. Aus einer alten am Johannistag gehaltenen Predigt erſieht man, daß das Volk in Meiſſen oder Thüringen gegen das Ende des 16. Jahrhunderts wohl auch ein Pferdehaupt in die Flamme warf und die Hexen damit zwingen wollte, zum Feuer zu kommen und dadurch kenntlich zu werden 21). Aehn⸗ liches findet ſich auch außerhalb Deutſchland. In Frankreich nahm man ausgeglühte Brände oder Kohlen mit nach Hauſe, um damit verſchiedene heilſame Wirkungen und kräftige Zauber zu Stande zu bringen; man ſprang dreimal mit einem Nußzweig in der Hand um das Feuer, ſtreifte mit einem Büſchel Wollkraut und einem Laub⸗ aſt vom Nußbaume in die Flamme, um beides nachher über der Thür des Viehſtalls zu befeſtigen, und alte Leute legten ſich von der Kohle in ihre Holzſchuhe als Schutzmittel gegen ſehr viele Uebel. Im 12. und 13. Jahrhunderte leitete in Frankreich der Volksglaube die Vergiftung der Brunnen und der Luft von umfliegenden Drachen her; um dies zu verhüten, zündete man an Brunnen und Seen Johannisfeuer an, worin Thierknochen verbrannt wurden als beſonderes Schutzmittel gegen das Drachengift 22). Auch in Spanien findet ſich im Anfange des 16. Jahrhunderts derſelbe Glaube, dieſelben Bräuche.
20) So in Hollbach in Oberfranken und in Ansbach. In dieſen Kinderreimen, deren aus Franken, Baiern, Schwaben, der Umgegend von Fulda und auch in unſerer Nähe mehrere geſammelt vorliegen, ſind einzelne Stellen nicht ohne Bedeutung. So fordern die Sprüche aus Hollfeld, Hollſtedt und Biſchberg in Oberfranken auf, den Mädchen den Rocken anzuzünden, damit ſie nicht mehr ſpinnen koͤnnen; nach dem Spruche in Ansbach ſoll ihn der heilige Florian, nach dem in Gundelsheim in Oberfranken der heil. Johannes ſelbſt anzünden. Darin liegt jedenfalls eine Mahnung und Aufforderung an die Mädchen,
den Rocken bei Seite zu ſetzen und ſich am Sonnwendfeuer zu betheiligen. Auch heißt es mehrmals, daß, wer keine Steuer
(Holz) zum Feuer gebe, das Jahr nicht überleben ſolle. Das deutet auf den Glauben, wer zum Feuer nichts beitrage, ent⸗
ziehe dadurch dent eigenen Leben und der Geſundheit Nahrung und Gedeihen. Dem Geizigen wurde auch das Holz genom⸗
men, denn es war einmal Brauch, daß jeder Bewohner des Orts etwas zum LZimmetfuir geben mußte; etwa um dadurch
überhaupt den Ort vor Krankheit und Sterben zu bewahren? S. Panzer, Beitrag zur deutſchen Mythologie I. S. 213. Meier a. a. O. S. 425. Journal von und für Deutſchland 1790. 1. S. 313. Reimann a. a. O. 398. Ueber Johannisſeuer bei Jena ſ. Göthe's Werke, Bd. 31. S. 178.
21) Eckhart de reb. Franc. or. I. 425. Grimm, Mythol. 534 f. I. Ausg. Anh. S. CIX.
22) So berichten Joh. Beleth und Wilh. Durantis, Schriftſteller aus dem 12. und 13. Jahrh. Die hierher gehörigen Stellen bei Wolf, Beiträge zur deutſchen Mythol. II. S. 387. Panzer, Beitrag I. S. 360. Ueber andern Aberglauben beim Johannisfeuer in Frankreich ſ. Wolf a. a. O. S. 392. Aus Spanien berichtet um das Jahr 1510 Martinus de Arles, Canonicus von Pampeluna: quidam ignes accendunt in compitis viarum, in agris, ne inde sortilegae et maleficae illa nocte transitum faciant, ut ego propriis oculis vidi. alii herbas collectas in die s. Ioannis incendentes contra fulgura, tonitrua et tempestates credunt suis fumigationibus arcere daemonas et tempestates. Grimm S. 590.
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