Jahrgang 
1858
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ſonders auch die Verehrung des Waſſers und die damit verbundenen Superſtitionen zu beſeitigen und auszu⸗ rotten wohl noch bedenklich ſein. Es fällt auf, daß in jenen Verboten und Beſchlüſſen der Menſchenopfer, wenn ſie wirklich üblich und bekannt waren, als einer höchſt verabſcheuungswürdigen heidniſchen Sitte nie ausdrück⸗ lich gedacht wird. Auch erſcheint der Glaube ſelbſt noch zu jung und friſch, gleichſam zu lebenskräftig, um bis in die früheſte Vorzeit zurückgehen und mit Menſchenopfern im Zuſammenhange ſtehen zu können, von denen alsdann nicht nur eine allgemeine und umfängliche Ausbreitung, ſondern auch eine ziemlich zähe Lebensdauer angenommen werden müßte. Deshalb möchte ich den Gedanken an wirkliche Menſchenopfer hier noch fern halten und jenem Glauben eine andere Deutung und Entſtehung zu geben verſuchen. Wenn in demſelben nicht blos die verſchlingende Gewalt großer, reißender und darum gefährlicher Gewäſſer, die ja faſt alljährlich an ihnen ſichtbar wird, ausgeſprochen ſein ſoll: wenn vielmehr auf das Moment, daß an beſtimmten Tagen das Opfer verlangt wird, beſonderes Gewicht hierbei zu legen iſt, ſo möchte ich in dem Verlangen nach einem Men⸗ ſchenopfer vielmehr eine Aeußerung des erzürnten und unverſöhnten Waſſergeiſtes erblicken, welcher die Ueber⸗ ſchreitungen der Menſchen in ſeinem Bereiche rächend und ſtrafend verfolgt. Schifffahrt und Fiſchfang, die Ueberbrückung des Stromes, ja das Ueberſchreiten der Brücke und des Stegs ſowie jede andere Hemmung und Beſchränkung der Gewäſſer zum Nutzen und Vortheil der Menſchen erſchienen als eine Gewaltthat, dem Nichus in ſeinem Gebiete angethan. Dieſe Auffaſſung und Vorſtellung geht aus vielen erhaltenen Zügen der Sage und des Volksglaubens deutlich und beſtimmt hervor. Scheint doch ſelbſt das Schöpfen aus den Brunnen und das Ausmeſſen der Waſſertiefe nicht ganz gefahrlos und Scheu und Vorſicht dabei nöthig geweſen zu ſein. Demnach faſſe ich den Sinn und die Bedeutung des Waſſerkultus, wobei Opfer und Gaben nicht fehlten, im Ganzen entweder als eine Verſöhnung für die dem Waſſergeiſte zugefügte Gewalt oder auch als einen Ausdruck der Dankbarkeit auf für die Nachſicht, Huld und Milde, welche nicht nur Eingriffe geſtattete, ſondern auch ge⸗ ſunde und erfriſchende Gaben ſpendete. Sühne und Dank können ſich hier mit einander berührt haben, auch kann das eine Opfer leicht in das andere übergegangen ſein.

Das Feſt der Sonnenwende gehörte nun ebenfalls und vielleicht ganz beſonders zu den Tagen, an welchen alljährlich dem Waſſer eine allgemeine Verehrung zu Theil wurde, deren Bedürfniß, Zweck und Abſicht wohl verſchieden und mannigfaltig ſein konnten. Erhaltene Gebräuche und Traditionen ſowie beſtimmte Nachrichten geben dafür Zeugniß und Beſtätigung. Vergegenwärtigen wir uns nun hierbei den eifrigen und nachdrucksvollen Kampf des Chriſtenthums gegen das Heidenthum, dem der Erfolg ja nach und nach nicht gefehlt hat, ſo könnte jener volksthümliche Glaube an das am Johannistage und zu anderen beſtimmten Zeiten geforderte Menſchen⸗ opfer wohl auch hervorgerufen ſein aus der Vorſtellung, daß der Waſſergeiſt, über die unter dem Einfluſſe des Chriſtenthums unterlaſſenen und abgeſtellten Opfer an dieſem Tage erzürnt und aufgebracht, für die vormals freiwillig dargebrachte Verehrung und Gabe nun ein gezwungenes Menſchenopfer heiſche. Den Glauben ſelbſt, welchen ich als einen Niederſchlag einer derartigen Vorſtellung und Anſchauungsweiſe auffaſſen und bezeichnen möchte, konnte das Chriſtenthum recht gut unter den Volke beſtehen laſſen, ja ihn nähren und unterſtützen als ein wirkſames Mittel gegen Rückfälle in die alten Bräuche und Gewohnheiten. Läßt ſich für dieſe Anſicht und Vermuthung vielleicht aus einem noch in Rotenburg üblichen Brauche und Glauben eine Stütze entnehmen und gewinnen? Dort erhält am Johannistage der Neckar vom Spitale einen Laib Brod; unterläßt man dieſes Opfer, ſo wird der Fluß ungeſtüm und aufgebracht und nimmt einen Menſchen). 4

Für die genauere Kenntniß des ganzen Kultus iſt eine Erzählung des Gregor von Tours von einem See bei dem Berge Helanus von Bedeutung und Intereſſe. Sie lautet bei Grimm S. 563: mons erat in ga- balitano territorio(Gevaudan) cognomento Helanus, lacum habens magnum. ad quem certo tempore

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9) E. Meier a. a. O. S. 429.Dem Diemelnix wirft man jährlich Brod und Früchte hinab.

4 mnn Grimm, Myth. 462. Vergl. das Blumenopfer für den See im Hohlſtein bei Hilgershauſen am zweiten Oſtertage.

Früher wurde das Blumen⸗ Man glaubte durch

opfer ſo heilig gehalten, daß ſich auch zu anderer Zeit ohne ein ſolches Niemand hinab gewagt hätte. den Beſuch der Grotte ohne dies Opfer Gott zu erzürnen. Lynker, Heſſ. Sagen, S. 258.

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