Jahrgang 
1858
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und zwar bis in die neuere Zeit herab ſehr gewöhnlich ³). Aehnliche Wallfahrten nach benachbarten Quellen in der Mitſommernacht werden auch aus Dänemark und Schweden gemeldet. In Frankreich meint das Land⸗ volk, daß der erſte Eimer Waſſer am Abend vor Johannistag geſchöpft das Fieber heile, daß der Thau, in die⸗ ſer geſegneten Nacht geſammelt, gut gegen Ausſchläge und Geſchwüre ſei, ſowie er anderwärts Blumen und Kräuter heilkräftig macht, und in einer Quelle bei Nogent baden in derſelben Zeit Männer und Frauen ¹).

Ich glaube nicht, daß man dem Johannisbad einen chriſtlichen Urſprung beilegen und darin eine Gewohn⸗ beit, erſt durch chriſtliche Ueberlieferung eingeführt, vermuthen darf. Dieſer Vermuthung ſteht entgegen, daß dieſes Bad, wie viele andere urſprünglich heidniſche Gebräuche, des Abends oder in der Nacht vorgenommen wurde, ein Merkmal, welches deutlich und beſtimmt für unſere Anſicht ſprechen dürfte, abgeſehen von der wei⸗ teren Verbreitung, die es auch außerhalb Köln, der heiligen, ihrer Heiligthümer wegen berühmten Stadt, ge⸗ habt hat. Dazu kommt, daß ſchon lange vor Petrarch die Sitte in Libyen zur Zeit Auguſtins vorkam. Der Kirchenvater erwähnt dieſelbe als eine heidniſche und eifert gewaltig dagegen 5⁵).

Dem Glauben an eine beſondere Wunderkraft und Heilſamkeit des Johannisbades geht aber auch eine gewiſſe Scheu und Beſorgniß, Angſt und Furcht vor dem Elemente des Waſſers zur Seite, ausgeſprochen in der unter dem Volke viel verbreiteten Vorſtellung, daß Seen, Flüſſe und Bäche wie an anderen beſtimmten Tagen des Jahres, ſo auch ganz beſonders am Johannistage ihr Opfer haben müſſen. In der Umgegend des Bodenſees ſagt man, an dieſem Tage verlange der Engel oder St. Johannes einen Schwimmer und einen Klimmer. Darum möge ja Niemand an dieſem Tage ſelbſt in den kleinſten Flüſſen nicht ſich baden oder auf einen Baum ſteigen. Bei Berg, Kannſtadt, Heilbronn, Heidelberg muß nach demſelben Volksglauben dem Neckar am Johannistage oder auch einen Tag vorher und nachher ein Menſchenopfer werden, daher auch dort das Ba⸗ den in dieſer Zeit als höchſt gefährlich gilt. Auch ſoll des Nachts ja Niemand zu Hülfe eilen, wenn er etwa ein Geſchrei aus dem Waſſer vernimmt, es würde ihm ſonſt das Leben koſten, denn der Neckargeiſt ahmt gern die Stimme der Ertrinkenden nach, um Menſchen herbeizulocken ⁵6). Auch die Nixe der Elbe, Saale, Elſter, Unſtrut, Fulda, Bode und Holtemme verlangen ihr Opfer und viele Schiffer vermeiden an dieſem Tage das Waſſer. Der Waſſergeiſt pflegt hier und da den Namen deſſen, welchen er als Opfer verlangt, dreimal zu rufen und dann treibt es jenen unwiderſtehlich zum Fluſſe hin und er wird vom Nix hineingezogen 7). An der Samlän⸗ diſchen Küſte fahren die Schiffer an dem Johannistage und an den nächſtfolgenden Tagen nicht zur See, weil nach ihrer Meinung das Meer dann hohl geht und ein Opfer fordert. Ebenſo halten ſie es für gefährlich, am Sonntage auf Fiſchfang auszuziehen s).

Wie iſt dieſer Glaube, der anderwärts noch an andern Tagen und Zeiten vorkommt und faſt überall einen Widerhall findet, wohl zu deuten und zu erklären? Grimm(S. 462) findet in der Forderung des jährlichen Opfers eine Hinweiſung auf wirkliche dem Nichus in uralter heidniſcher Zeit gebrachte Menſchenopfer. Daß unſere heidniſchen Vorfahren auch dem Waſſer einen Kultus gewidmet und Seen, Flüſſe, Quellen und Brunnen heilig gehalten haben, iſt von Grimm nachgewieſen und außer allen Zweifel geſetzt. Sollte aber von Menſchen⸗ opfern, die der früheſten und älteſten Zeit des germaniſchen Heidenthums angehören würden, in dem noch jetzt erhaltenen und überall verbreiteten Volksglauben ſich wirklich eine Erinnerung erhalten haben? Es dürfte dieſe Annahme gegenüber dem ſo regen Eifer der Chriſten durch Verbote, Geſetze und Concilienbeſchlüſſe ganz be⸗

3) Müllerund Falke, Zeitſchr. f. deutſche Kulturgeſch. 1857. S. 681. Meier, Sagen, Sitten u. Gebräuche aus Schwaben. S. 427.

4) Grimm, Myth. S. 555. Anhang in der I. Ausgabe CXIX. 33. Sommer, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sach⸗ ſen und Thüringen, 1846. S. 156.

5) Grimm, Myth. S. 556.

6) Meier, Sagen. S. 428.

7) Sommer, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Sachſen und Thüringen. S. 39. Pröhle, Unterharziſche Sagen, 1856. S. 179. Wolf, Heſſ. Sagen. S. 130. 8) v. Tettau und Temme, die Volksſagen aus Oſtpreußen, Litthauen und Weſtpreußen. 1837. S. 277.