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und Nachſicht, den Germanen nicht minder als den Angelſachſen gegenüber angewendet, verdankt manches Volks⸗ feſt ſein jetziges Beſtehen, deſſen Feier theils mit der Kirche in einen Zuſammenhang gebracht worden iſt, theils auch ohne ſolchen Zuſammenhang ſich bis jetzt, wenn auch in einer modernen Geſtaltung erhalten hat oder doch in der Tradition noch fortlebt. Zugleich hat aber auch dieſe Anknüpfung der gepredigten Lehre an das feſtgewurzelte, von Vater auf Sohn vererbte Heidenthum der deutſchen Glaubensweiſe und Sitte in Haus und Familie ein ſo eigenthümliches Gepräge gegeben, daß, wenn auch die verfloſſenen Jahrhunderte vieles verwiſcht haben, doch noch heute dem Volke unbewußt mehr oder minder leiſe Anklänge an das Heidenthum der Vor⸗ fahren geblieben ſind, wahrnehmbar in manigfachen abergläubiſchen Vorſtellungen und Rückſichten, in Namen und Feſtgebräuchen, ja ſelbſt in den Geſtalten der Feſtkuchen. Bräuche und Gewohnheiten, in der heidniſchen Vor⸗ zeit an heiligen Tagen und Zeiten gepflogen, treten im ganzen Jahreslaufe uns noch heute überall entgegen; vom Epiphaniastage bis zum Chriſtfeſt reicht ein Stoff dem andern die Hand und es erreicht dieſe bedeutſame Feſtreihe mit der Sonne am Sonnenwendtage gleichſam ihren Höhenpunkt. Faſſen wir dieſen Höhepunkt, den Tag der„sunewenden“, in der Kirche gefeiert als Feſt und Gedächtnißtag Johannes des Täufers, jetzt näher in's Auge.
Die Zeit der beiden Sonnenwenden war dem Heidenthume eine feſtliche, hochheilige Zeit. Die Feier der Winterſonnenwende ging nach Einführung des Chriſtenthums theils in das Weihnachtsfeſt über, theils erſcheint ſie noch immer in Bräuchen und Volksglauben, welche an den bedeutungsvollen zwölf Tagen und Nächten zwi⸗ ſchen Weihnachten und dem hohen Neujahre, den ſogenannten„Zwölften“ haften. Das alte Feſt der Sommer⸗ ſonnenwende aber iſt noch vorhanden und geborgen in Ueberreſten von uralten Sitten, Gewohnheiten und Aber⸗ glauben, welche am Johannistage theils noch immer lebendig fortbeſtehen, theils im Andenken des Volkes und deſſen Traditionen erhalten ſind und ohne Zuſammenhang mit kirchlichen Einrichtungen ihre Wurzeln in dem Heidenthume haben.
Als einen ſolchen uralten Brauch nenne ich zunächſt die vormals übliche Sitte, in der Nacht vor Johan⸗ nistag oder auch in der folgenden Nacht in Flüſſen und Quellen zu baden oder aus heilkräftigen Brunnen zu trinken. Offenbar lag dieſer Sitte der Glaube zu Grunde, daß in dieſer Zeit dem Waſſer eine beſonders heil⸗ ſame und reinigende Kraft inwohne. Ein ſolches Johannisbad, alljährlich am Vorabende des Feſtes in Köln von Frauen vorgenommen, beſchreibt der Dichter Petrach in einem Briefe an den Cardinal Colonna im Jahre 1330 in folgender Weiſe*).„Bei meiner Ankunft in Köln am Vorabende des Johannisfeſtes wurde ich von meinen Freunden an den Rhein geführt, um ein merkwürdiges Schauſpiel mit anzuſehen. Das ganze Ufer war mit einer Schaar von Frauen bedeckt. Ich ſtieg auf einen Hügel, um den Vorgang beſſer ſehen zu können. Unglaublich war der Zuſammenlauf. Ein Theil der Frauen war mit wohlriechenden Kräuterranken gegürtet; mit zurückgeſchobenem Gewande fingen ſie an ihre weißen Hände und Arme in den Fluß zu tauchen und ab⸗ zuwaſchen. Dabei murmelten ſie in einer mir fremden Sprache einige unverſtändliche Worte unter einander. Auf meine Frage, was dies zu bedeuten habe, erhielt ich zur Antwort, daß dieſes ein uralter Gebrauch unter der Bevölkerung Kölns, namentlich der weiblichen ſei, welche die Ueberzeugung hege, daß alles in dem ganzen Jahre drohende Elend und Unglück durch die an dieſem Tage übliche Abwaſchung im Fluſſe hinweggeſpült werde und Freude und Glück dann nachfolge. Es ſei alſo ein jährliches Reinigungsfeſt, welches mit unverbrüchlicher Pünktlichkeit begangen werde.“ Ein einziges Bad in der Johannisnacht, ſagt man noch heute im würtember⸗ giſchen Amte Tettnang, wirkt ſo viel als neun Bäder in einer anderen Zeit genommeu. Daher badeten früher die Leute in dieſer Nacht im Mineralbade zu Leimnau; auch anderwärts in Würtemberg waren Johannisbäder
sed ad laudem Dei in e sum suum animalia occidant et donatori omnium de satietate sua gratias referant, ut dum eis .... F.. 2 1 aliqua exterius gaudia reservantur, ad interiora gaudia consentire facilius valeant. nam duris mentibus simul omnia ab- scindere impossibile esse non dubium est, quia is qui locum summum ascendere nititur, necesse est ut gradibus vel pas 8 As-—
sibus non autem saltibus elevetur.“ 2) Franc. Petrarchae de reb. familiar. epist. 2, 4. Grimm, Myth. S. 555.
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3) Müll 4) Grim
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