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in Gyps anfertigen und im Mai vorigen Jahres hierher ſenden laſſen. Die trefflich gelungene Büſte iſt ſeit dem vorigen Sommer im Lehrerkonferenzzimmer aufgeſtellt. Zugleich ließ Ihre Kaiſerliche Hoheit durch den Herrn Kammerherrn von Minckwitz den Direktor davon in Kenntniß ſetzen, daß die Büſten von noch zwei ſäch⸗ ſiſchen Fürſten, welche ſich ebenfalls große Verdienſte um das Eiſenacher Gymnaſium erworben haben, die des Herzogs Johann Wilhelm und des Höchſtſeeligen Großherzogs Karl Friedrich, in Arbeit genommen und alsbald nach ihrer Vollendung dem ſich der beſonderen Gnade Ihrer Kaiſerlichen Hoheit erfreuenden Inſtitut übergeben werden ſollten. Bereits iſt am 11. März d. J. die zweite Büſte, die Johann Wilhelms, gleichfalls ein treffliches Kunſtwerk, angekommen und ſoll demnächſt in demſelben Lokale aufgeſtellt werden.*) Kommt dazu noch die Büſte des Fürſten mit den freundlichen und milden Zügen, unter deſſen Regierung die zeitgemäße Re⸗ organiſation des Gymnaſium eintrat und die Stelle des mathematiſchen Lehrers gegründet wurde, deſſen Mu⸗ nificenz daſſelbe den größten und beſten Theil des phyſikaliſchen Apparates und manche Bereicherung der Biblio⸗ thek verdankt, durch deſſen gnädige Fürſorge zu wiederholten Malen eine Verbeſſerung der Lehrergehalte erfolgte, endlich deſſen Namen es ſeit dem Jahre 1840 zu tragen die Ehre genießt, ſo beſitzt es die Bildniſſe derjenigen Landesfürſten, deren Regierungen, ſo ſehr es ſich auch immerwährend der Huld der Landesherrſchaften erfreuen konnte, doch bis jetzt vorzugsweiſe für daſſelbe Epoche machende genannt zu werden verdienen. So darf ſich daſſelbe auch der Huld des jetzt regierenden durchlauchtigſten Landesherrn, deſſen hoher und lebendiger Sinn für Wiſſenſchaft und Kunſt ſich überall bethätigt, erfreuen. Der erhabenen Fürſtin aber, der das Gymnaſium, wie ſo vieles Andere, auch jene Schmuckwerke zu verdanken hat, ſei hier nochmals ehrerbietigſter und innigſter Dank in Treue und Ergebenheit dargebracht!
Turnen.
Unter Anleitung des Herrn Gascard fanden während der dazu geeigneten Jahreszeit nun wieder regelmä⸗ ßige Turnübungen Statt, an denen die große Mehrzahl der Schüler mit lebendigem Intereſſe Theil nahm. Ein Reſcript des Großherzogl. Staats⸗Miniſterium, Depart. der Juſtiz und des Kultus, vom 7. Oktober 1856, ordnet an, daß der Turnunterricht nicht auf das Sommerhalbjahr beſchränkt bleibe, ſondern wie früher, ſo lange die Witterung es geſtattet, ertheilt werde.
Der Beſtand der Turnkaſſe iſt folgender:
11 thlr. 15 Sgr. in Kaſſe vom Jahre 1855,
12„ 22„ an Beiträgen von 79 Schülern im Jahre 1856.
24 Thl. 7 Sgr. in Summa. Davon wurden 2 Thlr. 2 Sgr. im vorigen Jahre ausgegeben und es beträgt mithin der Kaſſebeſtand 22 Thlr. 5 Sgr., wovon 21 Thlr. in einem Sparkaſſebuche angelegt ſind.
*) Ueber die Regierung dieſes religiöſen und um das Eiſenacher Land hoch verdienten vorletzten Herzogs von Eiſenach, Johann Wilhelm, ſiehe Storch topographiſch⸗hiſtoriſche Beſchreibung der Stadt Eiſenach ꝛc. S. 532 ff. Was er für die Eiſe⸗ nacher Schule gethan hat, iſt von Bedeutung. Zunächſt iſt zu erwähnen, daß er die bisherige Stadt⸗ und Landesſchule (schola provincialis) durch Reſcript an den Rath zu Eiſenach vom 26. Oktober 1707 zu einem fürſtlichen Gymnaſium(gym- nasium illustre) erhob, doch ſo, daß dem Stadtrathe das ius patronatus, wie bis dahin, verblieb. Ferner errichtete er zu⸗ gleich mit dem Seminarium theologicum eine classis selecta, die mit jenem am 28. Juli 1709 feierlich eingeweiht wurde. Zum Andenken daran ließ er 1712 eine ſilberne Medaille prägen. Außerdem ſorgte er dafür, daß die von den Herzogen Johann Ernſt und Johann Caſimir geſtifteten und am 9. März 1609 zum erſten Male vertheilten Schulſtipendien im jähr⸗ lichen Betrage von 265 meißniſchen Gulden, die iu den bald darauf folgenden ſchrecklichen Zeiten des dreißigjährigen Krieges und auch noch ſpäter theils gar nicht, theils unregelmäßig und in verminderter Summe ausgezahlt worden waren, vom Jahre 1698 an regelmäßig und ſeit 1702 in der Weiſe ausgezahlt wurden, daß die eine Hälfte des Betrages den Stipendiaten jahr⸗ lich an den feſtgeſetzten Terminen ſogleich, die andere erſt bei ihrem Abgange auf die Univerſität ausgehändigt wurde. Und als am 9. März 1709 die hundertjahrige Jubelfeier dieſer Stiftung durch einen Rede⸗Aktus begangen wurde, ließ der Herzog eine Feſtmedaille in Silber prägen. Auch den von dem damaligen Konrektor Heſſelbarth mit Hülfe wohldenkender Bewohner der Stadt zu Stande gebrachten„Gnaden⸗ und Frei⸗Tiſch“ für zwölf arme Schüler, der am 1. Januar 1701 begann, unter⸗ ſtützte er inſofern, als er den zwölf alumnis jeden Sonntag aus der fürſtlichen Kellerei ein Beſtimmtes an Brod und Bier verabreichen ließ. Die Kurrende genoß ebenfalls Unterſtützung von ihm. Ueberhaupt bewieß er großes Intereſſe an dem Gymnaſium. Als der von Schleuſingen berufene Rektor Chriſtian Juncker am 13. Januar 1708 eingeführt wurde, erſchien der Herzog perſönlich und äußerte ſogleich bei ſeinem Eintritte, er habe nicht ermangeln wollen ſelbſt in das Gymnaſium zu kommen, um ſein gnädigſtes Wohlmeinen gegen die Studia zu bezeigen. Später wohnte er öfters den Lektionen der Selecla bei, wie er auch einmal einen Herzog von Braunſchweig⸗Bevern, Domprobſt zu Braunſchweig, dahin mitbrachte. Offenbar erfreute ſich der treffliche Fürſt dieſer ſeiner Schöpfung. Den Rektor Juncker befragte er oft über den Zuſtand des Gymna⸗ ſium, ob einem Mangel abgeholfen, ob eine Verbeſſerung vorgenommen werden könnte. Auch der Erbprinz Wilhelm Heinrich erſchien zu wiederholten Malen bei Feierlichkeiten im Gymnaſium. 5 1


