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Herr Profeſſor Dr. Rein von Seiten des Lehrer⸗Kollegium in der lateiniſchen Feſtrede den würdigen Ausdruck. Für den Cötus ſprach der Oberprimaner Auguſt Thon das metriſche Gebet(eigene Arbeit), dann recitirte der Oberprimaner Deuſſing den Chor aus Euripides Iphigenia T. V. 1056— 1118, der Oberprimaner Karl Martin Horat. III. Od. 5, die Ober⸗Sekundaner: Trunk ein franzöſiſches Gedicht von V. Hugo„la golfe de Baia“, Preller eine eigene lateiniſche metriſche Arbeit„de pace“, Lorey eine eigene deutſche metriſche„der Regenbogen“, endlich je zwei Schüler aus den drei übrigen Klaſſen deutſche Gedichte. Der Gymnaſialchor be⸗ gann und ſchloß unter Leitung des Herrn Helmbold den feſtlichen, von zahlreicher Zuhörerſchaft beſuchten Aktus durch gut ausgeführte Geſänge.
Am 16. bis zum 19. einſchließlich, ſowie am 22. September beſtanden zwei Inländer, die das Rutheneum in Gera beſucht hatten, Rudolf Schlimbach aus Weida und Friedrich Spranger aus Friesnitz, auf Befehl des Großherzoglichen Hohen Staats⸗Miniſterium Depart. der Juſtiz und des Cultus, nach Reſcript vom 21. Auguſt, die ſchriftliche und mündliche Maturitätsprüfung im hieſigen Gymnaſium.
Am 24. und 25. September wurde das Privat⸗Examen ſämmtlicher Klaſſen abgehalten, darauf am 27. das Sommerhalbjahr mit der Cenſurvertheilung geſchloſſen. Das Winterhalbjahr wurde am 6. Oktober begon⸗ nen; in daſſelbe fielen fünf Studien- und Arbeitstage.
Eine mühſame Arbeit, welche die hohe Schulbehörde angeordnet hatte, die Aufnahme des ſämmtlichen zum Gymnaſium gehörigen Inventarium, iſt in dem verfloſſenen Schuljahre vorgenommen worden. Die Katalogiſi⸗ rung der Bibliothek, der gedruckten und geſchriebenen Noten, der phyſikaliſchen, chemiſchen und naturgeſchichtli⸗ chen Sammlungen und der Programme iſt vollendet; die Direktion hat dies der freundlichen, keine Mühe ſcheu⸗ enden Unterſtützung ſämmtlicher ordentlicher Lehrer, ſowie des Mathematikus Herrn Kunze, des Herrn Dr. Meiſter und des Geſanglehrers Herrn Helmbold zu verdanken. Das nicht unbedeutende Gymnaſialarchiv, welches in einem Schranke im Konferenz⸗Zimmer aufbewahrt wird, hat der Direktor geordnet. Was noch übrig iſt, die Katalogiſirung der Utenſilien ꝛc., wird in der nächſten Zeit erledigt werden.
Die hohe Schulbehörde, welche die Intereſſen der Anſtalt mit Kraft und Einſicht fördert und dabei mit ehrendem Vertrauen dem Gymnaſium eine Selbſtändigkeit geſtattet, wie ſie wohl ſelten anderwärts gefunden wird, hat, nachdem in dem Schuljahre 185 ⅜ das Lokal für die Vorbereitungsklaſſe eingerichtet, dann das Zim⸗ mer für die Lehrer⸗Konferenz in würdiger Weiſe ausgeſtattet worden war, in dem Sommer des nun verfloſſenen Schuljahres mit großer Liberalität auch das phyſikaliſche Lehrzimmer herſtellen laſſen und alle dahin einſchlagen⸗ den Anträge der Direktion mit gewohntem Wohlwollen genehmigt.
War nun auf dieſe Weiſe einem längſt gefühlten Bedürfniſſe des Gymnaſium abgeholfen, ſo wurden auch die Lehrer ſelbſt nicht vergeſſen. Nachdem nämlich vom Großherzoglichen Staats-Miniſterium an den hohen Landtag ein Antrag um Verwilligung einer Summe zur Verbeſſerung der Lehrerbeſoldungen an den beiden Lan⸗ desgymnaſien geſtellt und angenommen worden war, wurde durch Reſcript vom 5. Oktober 1856 eröffnet, daß Se. Königliche Hoheit, der Großherzog, die gnädigſte Entſchließung gefaßt habe, vom 1. Januar 1857 an fol⸗ gende Beſoldungserhöhungen zu gewähren: dem Direktor von 1050 Thlr. zu 1150, dem Profeſſor Weißenborn von 725 Thlr. zu 800, dem Profeſſor Rein von 600 Thlr. zu 650, dem Profeſſor Witzſchel von 500 Thlr. zu 550, dem Profeſſor Schwanitz von 475 Thlr. zu 500 Thlr. Ein zweites Miniſterialreſcript vom 12. Dezember 1856 ſetzte die Direktion davon in Kenntniß, daß nach gnädigſter Entſchließung Sr. Königlichen Hoheit, des Großherzogs, dem Profeſſor Wittich eine einmalige Remuneration von 50 Thalern verwilligt worden ſei. Zu welchem Danke für die Gnade unſeres Durchlauchtigſten Landesherrn und die wohlwollende Fürſorge des Hohen Staats⸗Miniſterium der Direktor und die erwähnten Lehrer für die Gehaltszulagen, durch welche wieder ein bedeutender Schritt geſchehen iſt zur Ausgleichung des Verhältniſſes zwiſchen den Beſoldungen der Gymnaſial⸗ lehrer und anderer Staatsdiener, mit welchen jene nach ihrer Bildung und Thätigkeit ſich zu vergleichen berech⸗ tigt ſind, ſich verpflichtet fühlen, hat die Direktion in einem Berichte am 14. Oktober an das Großherzogliche Hohe Staats⸗Miniſterium, Depart. der Juſtiz und des Cultus, ausgeſprochen.
Aber auch noch andere Beweiſe fürſtlicher Huld hat das Gymnaſium im Verlaufe dieſes Schuljahres er⸗ halten. Ihre Kaiſerliche Hoheit, die Frau Großherzogin Großfürſtin, deren Munificenz und gnädige Geſinnung gegen das Karl Friedrichs⸗Gymnaſium in einer langen Reihe von Programmen dieſer Anſtalt bisher ſchon die Direktion zu erwähnen die Verpflichtung und die Freude hatte, geruhte vor einiger Zeit, als der Verfaſſer dieſes Jahresberichtes die Gnade genoß, ſeine unterthänigſte Aufwartung zu machen, zu fragen, welcher Landesfürſt der Stifter des Gymnaſium ſei. Der Direktor glaubte mit Fug und Recht den Kurfürſten Johann Friedrich nennen zu können aus den Gründen, die in dem Oſterprogramme von 1844 Seite 17 dargelegt ſind und die
Veranlaſſung zur 300 jährigen Jubelfeier am 18. Oktober 1844 gegeben haben. Die erhabene Fürſtin hatte darauf eine Büſte Johann Friedrichs durch den rühmlichſt bekannten Bildhauer in Weimar, Herrn von Hoyer, 4*


