Jahrgang 
1857
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Anhang zu den Urkunden.

Nach Vollendung des Druckes erhielt ich durch die Gefälligkeit des Herrn Reg. K. Aue noch einige die Urkunden betref⸗ fende Notizen, welche ich, mit wiederholtem Danke für den Geber, hier folgen laſſe. Am intereſſanteſten iſt der Auszug aus dem unter Nr. 21 a. erwähnten Briefe des Dominikanerprior Johann Noſenkranz vom Dinstag nach dem Aſchentage(Aſchermitt⸗ woch) 1493(vermuthlich Urſchrift, nicht Concept). Dieſer Prior, welcher auf S. 12 nach Johann Ulrici nachzutragen iſt, ſchreibt: Als der Kurfürſt im vergangenen Herbſte in demſchuczhoffe(Schützenhof, d. i. Schießhaus) zu Eiſenach und auf der Wartburg geweſen ſei, habe er(der Prior) den Kurfürſten um den oberſten Teich vor dem Frauenthor gebeten und eine gütige Antwort erhal⸗ ten. Als er darauf zu dem Capitel in Weſtfalen gereiſt ſei, habe der Unterprior die Bitte wiederholtyn dem rooll(d. i. in Ruhla oder vor der Rolle zu Eiſenach) auf dem Markte und der Kurfürſt habe die Sache dem Grafen von Gleichen, dieſer aber dem Schultheiß zu Eiſenach aufgetragen. Obwohl der Graf dem Schultheiß geſchrieben, daß man dem Kloſter den Teich geben ſolle, ſo ſei er doch immer mit guten Worten hingehalten worden und bitte nun den Kurfürſten, er möge bedenken, daß die Domi⸗ kaner nach ihrer Regel kein Fleiſch eſſen dürften und daß alle Dinge theuer ſeien und möge darum dem Schultheiß oder dem Haupt⸗ mann zu Wartberg, der ein ſonderlicher Freund der Geiſtlichen ſei, ſchreiben, den Teich dem Kloſter zu verabfolgen u. ſ. w.(Dieſes iſt auch geſchehen, ſ. S. 10.) Darauf ſchreibt der Prior, er habe gehört, daß der Kurfürſt in das heilige Land ziehen wolle, wozu ihm Gott ſelige Reiſe verleihen möge. Er(der Prior) ſei der Vater(d. i. der Mönch), der dem Vater des Kurfürſt(dem Kurfürſt Ernſt) in Venedig eine ſonderliche Ehre erzeigt habe. Er habe nemlich dem ſel. Kurfürſt, dem Herzog Heinrich von Braunſchweig, den Biſchöfen von Meiſſen und Merſeburg, dem Herrn von Henneberg, deſſen Beichtvater er geweſen, als derſelbe zwiſchen Padua und Venedig krank geworden, dem Herrn von Mansfeld, dem Herrn von Hohenſtein, dem Herrn von Querfurt u. a. Rittern und Knechten jedem einen Roſenkranz von Korallen gegeben,czu eyn vorzeeyge. Kurfürſt Friedrich habe auf die Zeit, da er(der Prior) mit war, einen Secretar, Wenzelaus, gehabt. Als das geſchah, ſei er(der Prior) 8 Tage darnach zu dem heil. Lande und der h. Jungfrau Lucia gezogen und wolle darum dem Kurfürſt eine kleine Warnung thun, 1) daß er keinen Patron(Schiffspatron) dinge, der alte Schulden an die Heiden zu Jeruſalem und den Herzog zu Gazara habe, denn das wäre ihm ein großes Hinderniß, 2) daß er ſich mitpaduaniſ odervincerien(odervinecrien²) Weine verſehe, denn es werde ihm ſehr Noth darum ſein u. ſ. w. Endlich befiehlt der Prior den Kurfürſten Gott, dem Herrn Jeſu, Marien der himmliſchen Königin und dem h. Dominikus und den ganzen himmliſchen Heern, welche ihm langes Leben und eine ſelige Reiſe geben möchten.

Die Urkunde Nr. 1. 1287 iſt datirt Würzburg den 23. März; die Urkunde Nr. 10. 1395 Naumburg den 14. Mai, die Bulle a, Avignon den 6. Mai 1319, die Bulle b, Rom den 27. Februar 1304(von letzterer beſitzt das Archiv noch eine Copie, gefertigt Zeitz 1373). Die Ratzeburger Urkunde Nr. 11. iſt abgefaßt den 14. Mai 1396, die Bulle aber Rom den 5. Januar 1396. Nr. 24. dat. Insbruck den 7. März 1515.

In ganz Thüringen waren(abgeſehen von den Klöſtern in Erfurt und Mühlhauſen) nur 2 Mönchs⸗ und 2 Nonnen⸗Klöſter des Dominikanerordens, welche jetzt ſämmtlich zu dem Großherzogthum gehören. Von den beiden Nonnenklöſtern zu Weida(ſ. Limmer, Geſchichte des Voigtlandes, Gera 1826, II, S. 323) und zu Cronſchwitz, zu welchem Landgraf Heinrich Raspe den Grund und Boden gegeben(ſ. ebendaſ. S. 353. 357 365; Lepſius, Geſch. d. Biſch. v. Naumburg 1846, I, S. 80) mögen ſich manche Urkunden in dem reichen Archiv zu Dresden befinden. Was die Urkunden des Dominikanerkloſters in Jena betrifft, ſo ſagen die Viſitations⸗ akten von 1529, daß die wegen des Bauernkriegs fliehenden Mönche ihre Urkunden mit nach Leipzig genommen hätten. Mehrere aber blieben zuruck in dem ſtädtiſchen Archiv zu Jena, von wo ſie 1780 nach Weimar gebracht werden ſollten und wogegen der Stadt⸗ rath am 3. Januar 1782 Vorſtellungen machte, wie ſich aus den Regierungsakten in Weimar ergiebt. Nach dem dabei liegenden Verzeichniß waren es 23 Stuͤcke, nemlich 1) eine Meſſeverpflichtung, 1399(die Meſſe ſtiftete Albrecht von Bottelſtete zu Golmsdorf und Er Poppe v. Bottelſtete, Pfarrer zu Butenitz, mit einem Holz und Geld). 2) Verzichtleiſtung auf 3 Mark an Albrecht von Lo⸗ bedeburg von Luchtenburg, ausgeſtellt von deſſen Bruder Johann, Predigermönch. 1330. 3) Geſchenk eines Weinbergs durch Hart⸗ mann v. Lobdeburg. 1320. 4) Atteſtat des Convents über einige zu Erfurt verfertigte Bücher. 1333. 5) Urkunde, daß die Bücher des Prior Günther von Schwarzburg nicht verkauft werden ſollen. 1333. 6) Schenkung eines Weingartens durch Hartmann gen. von Burgowe. 1321. 7) Kauf eines Weingartens. 1317. 8) Schenkung eines Hofs in Lobeda, confirmirt durch Hartmann von Lobdeburg, von Burgowe genannt. 1321. 9) Meſſeverpflichtung gegen Albrecht den Jüngern von Lobdeburg und deſſen Sohn Al⸗ brecht. 1398. 10) Zinskauf auf einen Weingarten. 1457. 11) Seelmeſſenverpflichtung. 1506. 12) Moſtgeſchenk als Seelgeräthe. 1458. 13) Zinskauf zu Goſſerſtedt. 1472. 14) Zinskauf auf einen Weingarten. 1477. 15) Seelmeſſenverpflichtung. 1506. 16) Aufnahme des Jenaiſchen Convents in die Fraternität des Kloſters in Leipzig. 1500. 17) Zinskauf auf einen Garten. 1487. 18) Waſſerleitungs⸗ und Röhrkaſtenanlage⸗Erlaubniß. 1506. 19) Meſſeverpflichtung gegen die Schuhmacher⸗Innung. 1481. 20) Zins⸗ kauf auf einen Weinberg. 1473. 21) Catharine Aebtiſſin zu Iſleben nimmt die Prediger zu Jena in die Gemeinſchaft auf. 1509. 22) Beſtätigungsurkunde des Predigerordens(2). 1474. 23) Quittung des Convents über den Empfang des im Jubeljahr geſam⸗ melten und nach Liefland beſtimmten Geldes an 658 rhn. Gulden, welche in der St. Michaelskirche verwahrt geweſen. 1509. S. noch Wiedeburg, Beſchreib. von Jena. 1785. S. 180 ff.