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Anlage ſich nur durch die oben erwähnte Notiz erklärt, daß das Kloſter urſprünglich für Nonnen beſtimmt war und für welche eine abgeſchloſſene Empore, ein ſ. g. Nonnenchor, geſchaffen werden mußte. Auf dieſem ſind die erwähnten Fenſterblenden(Fig. III.), ſowie 2 kleine zierlich gearbeitete Vertiefungen in der Mauer und eine Thüre, die an dem Gerbhauſe vorüber nach dem Kapitelſaal geleitete.
Bei dem Portal s unter dem Nonnenchor zeigte ſich links eine Seitenkapelle N, von einem und einem halben ſpitzbogigen Gewölbe überdacht, der Jungfrau Maria und allen Heiligen geweiht(ſ. Urk. 8), in welcher Graf Elger beſtattet wurde 51). Ueber dieſer Kapelle N findet ſich(neben dem Kapitelſaal) ein anderer gleich großer und ähnlich gewölbter Raum, das Gerbhaus, d. i. die klöſterliche Schatzkammer, deren Beſtimmung 2 kleine Wandſchränke und ein ſteinerner thierförmiger Waſſerausguß Cum Ausſpülen der heil. Gefäße gebraucht) verrathen. Eine eiſerne Thüre hielt ſowohl das Feuer, als diebiſche Hände ab. Hier wurden nemlich die köſt— lichen Paramente verwahrt, die Kelche ⁵²) u. a. Gefäße(ſ. Urk. 8).
Von der ehemaligen inneren Ausſchmückung der Kirche hat ſich nichts erhalten. Die Altäre ſind bis auf den Namen verſchwunden, einen ausgenommen, sS. crucis genannt, den wir aus Urkunde 6 kennen lernen 5). Auffallend iſt, daß auch die Kanzel, der Taufſtein, das Tabernakel, die Weihkeſſel und alle Grabmonumente ⁵⁴) abhanden gekommen ſind.
Zwei große Steintafeln mit Skulpturen ſind die einzigen Ueberreſte des früheren Reichthums. 1) Die obere Hälfte der einen Tafel zeigt zwei kleine ſchwebende Engel, welche das würdig gefaltete Schweißtuch der h. Ve— ronika halten, auf welchem ſich das Chriſtusbild mit Heiligenſchein und Dornenkrone darſtellt. Gegen den ge⸗ wöhnlichen Typus iſt der ganze Oberkörper des Heilands mit auf der Bruſt gekreuzten Händen abgebildet, aber die große Verletzung des Kopfes geſtattet leider kein Urtheil über deſſen Ausdruck. Auf der unteren Hälfte er⸗ blicken wir drei am meiſten zerſtörte Figuren, auf zwei Löwen ſtehend, welche in der Mitte zuſammenſtoßen und einen Kopf zu haben ſcheinen. Die mittlere Figur(wahrſcheinlich der Donator), auf den Löwenkopf fußend, mit gefalteten Händen und lockigem Haar, befindet ſich zwiſchen zwei kleinen Figuren, deren gefaltete Hände und Köpfe betend nach oben gerichtet ſind und welche trotz aller Beſchädigung eine gewiſſe Anmuth beſitzen. Die Umſchrift(in gothiſchen Majuskeln), welche nähere Auskunft geben würde, iſt bis auf einige Buchſtaben zerbrök⸗ kelt. Das Erhaltene zeigt von einem tüchtigen aber handwerksmäßigen Arbeiter. 2) Unter einem mit Blumen ornamentirten ſpitzbogigen, aber flachgedrückten Baldachin der ſpätgermaniſchen Zeit ſteht der Heiland mit lan⸗ gem Haar und Dornenkrone zwiſchen zwei Heiligen, von denen er durch ein von der über der Mitte der Niſche befindlichen Conſole herabhängendes langes Spruchband getrennt wird. Nur ein Theil des Bildes war, ge⸗ wiſſer Umſtände halber, jetzt ſichtbar, weshalb eine nähere Beſchreibung nicht gegeben werden kann. Dieſe Ta⸗ fel iſt bei xf eingemauert, die erſte bei P.
51) Dieſes berichtet Koch aus den Legenda und aus Rothe. Auf Elgers Grabe war zu leſen: Comitis de Honstein hic jacet b g 3 1
filius, frater ordinis praedicatorum, cui nomen est Elgerus], Ysenacensis domus prior primus, anima cuius requiem
Obiit anno domini mille binies centum] additis quadraginta annis atque duobus.
eternam ac lucem habeat divam.] ann nahm ſie Feuerſpritzen auf und jetzt Waaren aller Art. Der
Später wurde die Kapelle ein Gefängniß, Eule genannt, d obere Raum, das Gerbhaus, diente mehrere Jahrhunderte als Gymnaſialbibliothek.
Der maſſiv goldene Kelch, welchen Landgräfin Eliſabeth ſchenkte, wog 5 Mark und trug die Worte: Domina Elizabeth relicta
Marchionis Misnensis A. D. MCCCXXXVI. Heu singer, opusc. S. 181.
Auch die Altarſtickerei von Elgers Schweſter, welche Nonne zu Rore war, hatte daſſelbe Schickſal, ſowie das Bild der Kreu⸗
zigung, welches als ein Geſchenk des Landgrafen Hermann II. von der Wartburg in das Kloſter gelangte und durch die Er⸗
innerung an die h. Eliſabeth geweiht war, denn vor dieſem Cruecifir ſoll ſie ihre Krone abgelegt und geſagt haben, ſie wolle
keine Krone tragen, da ſie den Heiland in der Dornenkrone ſehe.
5¹1) Das Herz des Königs Heinrich Raspe war gewiß nicht ohne Denkmal beigeſetzt. Landgräafin Eliſabeth hatte folgende Grab⸗ ſchrift: Anno MCCCLIX undecimo Cal. Septemb.(22. Auguſt) obüüt inclyta domina Elizabe relicta vidua principis domini Friderici senioris Landtgravii Thur. ac Marchionis Misnie, hic sepulta cuius anima requiscat in pace. Dieſe Inſchrift
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52) domini Friderici
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