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der flachen Holzdecke nicht nöthig waren, auf dieſelbe Zeit. Dagegen die bedeutende Höhe des Mittelſchiffs, die enge Verbindung des Chors mit dem Langhaus(denn beide waren höchſtens durch ein paar Stufen ge⸗ trennt), die ſcharfkantige ſpitzbogige Form der Fenſter und Portale, die ſauber gearbeiteten ſpitzbogigen Mauer⸗ blenden in der Kirche 4⁷) und in der Kapelle beurkunden, daß der Baumeiſter den heranſtürmenden Wellen des neuen himmelanſtrebenden germaniſchen Princips ſich nicht zu entziehen vermochte, daß er aber die alten Erin⸗ nerungen und Satzungen der romaniſchen Kunſtform möglichſt feſthielt. Grundriß, Anlage, Ornamentik gehören der fruͤheren Zeit, die ungewöhnliche Höhe, die Spitzbogen und die reiche ſtrahlende Beleuchtung der anbrechen⸗ den neuen Zeit an— eine wunderbare Vermiſchung, wie ſie bei einer anderen deutſchen Kirche nicht zu finden iſt. Vorzüglich merkwürdig und auffallend ſind folgende Erſcheinungen, von denen die erſte durch die örtlichen Verhältniſſe bedingt war: 1) Der Chor, in welchem um den Altar herum die Chorſtühle ſtanden, welche von den Brüdern bei dem Gottesdienſt, von den fremden Prioren bei den Provinzialcapiteln eingenommen wurden, war deshalb viel länger als in andern Kirchen und hatte ſtatt des früher gewöhnlichen runden oder des neuen polygonen den ziemlich ſeltenen platten Schluß. Ferner lag derſelbe gegen alles Herkommen nach Weſten, wäh⸗ rend am Oſtende der Eingang von der Stadtſeite hereinführte, durch ein Portal, deſſen ganzer Schmuck aus einfachen Hohlkehlen und hervortretenden Ribben beſteht und welches von einem ganz ſchmuckloſen ſcharfkantigen Geſimsbaldachin überdacht iſt s 4s). Die Wand darüber füllen drei lange von einer flachbogig gedeckten Niſche umrahmte Fenſter aus, von denen das mittlere über die beiden anderen hinaufreicht. Durch dieſe fielen die Strahlen der Morgenſonne in das lange Schiff. 2) Die Kirche hatte nur auf der Nordſeite ein niedriges, ſchon ſeit mehreren Jahrhunderten abgetragenes Seitenſchiff E, von dem hohen Mittelſchiff durch eine Reihe ſchlichter Pfeiler von geringer Gliederung getrennt, die durch 6 hohe Spitzbogen unter ſich verbunden waren und die nördliche von 15 Fenſtern durchbrochene Hauptwand trugen. Die beiden anderen niedrigeren ſpitzbogi⸗ gen Oeffnungen 7% führten unſtreitig zu einer oder zwei Nebenkapellen M, vielleicht zur Taufkapelle, die ſtets auf der Nordſeite angebracht wurde. Bei dem Abbruch des Seitenſchiffs und der Kapelle wurden die 8 offenen Bogengewölbe zugemauert, aber die Tragſteine und Vertiefungen für die Balken und der Sims zum Anlehnen des Dachs ſind noch ſichtbar. Die Kirche iſt alſo merkwürdiger Weiſe zur Hälfte zweiſchiffig geweſen 4⁹), denn auf der Südſeite, deren obere Wand von 12 langen Fenſtern durchbrochen war, lag unten blos eine Kapelle N, eine ſpitzbogige Niſche„ 5⁰) und mehre Eingänge, deren einer vom Kreuzgang zu gleicher Erde k, zwei in der Höhe zur Kirche führten, letztere um aus dem oberen Stockwerk des Kloſters zur Kanzel und zur Orgel zu ge⸗ langen. 3) Der Chorbau trat vor dem Schiffe nicht beſonders voraus, da das Seitenſchiff einen Theil des Mittelſchiffs und den ganzen Chor bis an das Ende begleitete. Die Urſache lag darin, daß man Raum für die Zuhörer gewinnen und den Mangel des ſüdlichen Seitenſchiffs erſetzen wollte. Eine beſondere Zierde des Chors war ein rieſiges Fenſter 2, welches wir uns mit pracht⸗ und gluthvoller Glasmoſaik und mit zierlichem Stabwerk ausgefüllt denken müſſen. 4) Ueber dem Oſteingang s erhob ſich nach Innen eine Emporbühne, deren 47) Die Mauerblenden auf dem ſ. g. Nonnenchor(ſ. Fig. III.) ſprechen für ſich ſelbſt und b noch meines Lobes. Doch darf ich die eigenthümliche Formation nicht unerwähnt laſſen, auf den Capitälen der Mittelſäulen ruhen, ſondern daß zwei kleeblattförmige Gebil glieder eingeſchoben ſind.
edürfen weder meines Commentars daß die Bögen nicht unmittelbar de, welche die Bögen tragen, als Mittel⸗
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Gegen den Gedanken, als habe der Chor doch am Oſtende ſeinen Platz ge
habt, ſprechen mehrere Gründe und Umſtände, na⸗ mentlich die Beſchaffenheit des Oſtportals, welches ohne Zwe
ifel dem Bau von 1235 angehört, die Anlage des Nonnenchors ꝛc.
49) Etwas Aehnliches iſt nur von der Dominikanerkirche in Warburg bekannt, wo dieſe Eigenthümlichkeit durch einen ſpäteren Umbau verloren ging.
50) Daß der Bogen„ nicht eine Niſche bildete, ſondern zu einer kleinen Kapelle führte, könnte man daraus ſchließen, daß das . Wenn Letzteres der Fall war, ſo ürde den Kreuzgang ganz unterbrochen und alle Sym⸗
Fußgeſims an der Außenwand der Kirche bei v aufhört, alſo auf einen Ausbau deutet. kann die Kapelle nur ſchmal geweſen ſein, denn ein größerer Bau w metrie aufgehoben haben.


