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Gärtchen oder als Laienkirchhof benutzt), den der Kreuzgang mit ſeinen breiten nach dem Hofe zu gerichteten Fenſteröffnungen umgab(a b c d), ambitus, circuitus, jener nie fehlende Theil der klöſterlichen Stiftungen, ein ſchwacher Ueberreſt der antiken Bauanlage, nach welcher ſich alle Räume um einen in der Mitte befindlichen offenen Platz herum gruppirten und auf denſelben mündeten. Dieſer Kreuzgang, welcher die Kloſterräume un⸗ ter ſich und zugleich mit der Kirche verband und welcher den Brüdern nach ihrem Tode eine friedliche Ruhe⸗ ſtätte, den Lebenden aber einen Platz zum Auf- und Abwandeln(in den Klöſtern spatiamentum genannt) dar⸗ bot und zugleich zu ſeierlichen Prozeſſionen diente, war mehr durch anſehnliche Dimenſionen als durch architek— toniſchen Schmuck ausgezeichnet. Die Seite, welche an der Südwand der Kirche hinlief a, iſt ganz verſchwun⸗ den, aber durch die Tragſteine und den Sims, an welchen des Kreuzgangs Dach ſich anlehnte, dokumentirt; ebenſo verſchwand der weſtliche Flügel b ſammt dem ganzen Gebäude B, zu welchem derſelbe gehörte. Das frühere Vorhandenſein deſſelben ergiebt ſich durch die Beſchaffenheit der Kirchenmauer, an welche das Haus ſtieß, denn wir erblicken noch die Balkenlöcher der verſchiedenen Stockwerke. Eine dritte Seite des Kreuzgan⸗ ges c iſt zwar noch vorhanden, aber die eng zuſammenſtoßenden Bögen ſind vermauert und der jetzt von klei⸗ nen Fenſtern beleuchtete Raum iſt als Vorplatz vor mehreren Klaſſen und als Treppenhaus benutzt. Erhalten iſt nur die vierte Seite d, welche nach dem Predigerplatz führte, bei der Zelle des Pförtners(ostiarius) vor⸗ über durch den einzigen Ausgang e, den das Kloſter nach der Stadt zu hatte(denn die Thüren z 2 gingen nach dem inneren Hof und nach der Brauerei). Die durch breite Pfeilermauern von einander getrennten Bögen ſind in Glasfenſter verwandelt und das alte Stabwerk iſt bei den meiſten der Zerſtörungswuth der Neuzeit als Opfer gefallen. Die beiden einzigen, welche der Vernichtung entgingen, deuten durch die reiche Füllung von Steinarbeit(darunter Fiſchblaſenformen) auf die ſpätere Periode des germaniſchen Styls hin. Der Boden hatte ein ungleiches Pflaſter von Feldſteinen, welches vor mehren Decennien durch Backſteine erſetzt wurde. An die⸗ ſes große Viereck fügte man laut einer an der Außenwand befindlichen Inſchrift 1512 einen neuen Flügel zur Vergrößerung des Refektorium E(Speiſeſaal) mit 3 großen breiten oben doppelt ausgeſchweiften Fenſtern, an deren Gewänden ſich die ausgekehlten Kanten in den Ecken kreuzen oder durchſchneiden, und ſtörte durch den Anbau die Symmetrie des Ganzen ¹³).
Außer dieſer Hauptgruppe gab es noch mehrere Häuſer: 1) neben dem Refektorium hart am Stadtthor die Brauerei G mit einem rund ausgemauerten jetzt verſchütteten Ziehbrunnen I, 2) hinter dem Kreuzgange an der Stadtmauer ökonomiſche Räume I, die im Erdgeſchoß mit einfach gekuppelten ſpitzbogigen und kleeblattför⸗ migen Fenſtern geſchmückt ſind. Unter dieſen birgt ſich ein langer Keller von einem hohen, ſchönen Tonnen⸗ gewölbe überſpannt, und von dieſem reichte ein jetzt zugemauerter gewölbter Gang nach dem Hauptgebäude hin⸗ liber. Im oberen vor einigen Jahren abgetragenen Stockwerk waren vermuthlich Fruchtböden oder die Säle, in denen Wolle, Leder u. ſ. w. nicht blos aufbewahrt, ſondern auch von den Brüdern zu Kleidern verarbeitet wurde. 3) Nicht weit davon ſogleich hinter dem Weſtende der Kirche erhebt ſich ein hohes ſpitzgiebeliges iſo⸗ lirtes Steinhaus K(ſpäter Münze), vielleicht das Krankenhaus(infirmarium oder infirmitorium), dem die Ba⸗ deſtube nicht fehlte.
Die Beſtimmung und Vertheilung der Hauptgebäude dürfen wir uns in folgender Weiſe denken. Neben der Kirche, 1 Treppe hoch, war der große Kapitelſaal 9,(erwähnt S. 5), mit Wandmalereien geſchmückt, deren Ueberreſte, aus einer Reihe von menſchlichen Füßen dand Beinen beſtehend, noch vor wenigen Jahren geſehen wurden 4⁴). Die beiden anderen Flügel gaben dem Prior Wohnung und enthielten Zellen, Schlafſäle(dormi-
43) Man könnte verſucht ſein, auch den vorher erwähnten Flügel D für einen neuen Anbau zu halten, wenn ſich nicht die Wand an welche das Refektorium ſtieß, mit dem rundbogigen durch ein Kreuz geſchmückten Bogenfeld einer Thüre, tympanum„ (ſ. Fig. IV.) erhalten hätte, woraus hervorgeht, daß der Flügel D gegen 1500 nur einen theilweiſen Uunben erfahren hat. Ein niedriger Steinſitz in einem Südfenſter des Refektorium war der Platz des Leſemeiſters, ſ. S. 5.— Du
44) Der darunter befindliche Raum iſt zu düſter— denn er empfing nur durch kleine ſchmale Fenſter ſpärliches Licht—, als daß er zum Capitelſaal hätte dienen können, zumal da wir wiſſen, daß in dem Kloſter Kaiſer Carl IV. u. aa. Fürſten Berſamme⸗


