Jahrgang 
1857
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15 ten, daß dieſes ſich der von ihnen vertretenen ſtrengeren Richtung zuneigen werde. Die kirchliche Disciplin, die ſatzungsmäßige Buße, die Geſammtheit der äußeren mechaniſchen Religionshandlungen kam ſelbſt dem ein⸗ fältigen Laien als ungenügend vor und dieſer Gedanke iſt die Triebfeder, welcher zwei Decennien ſpäter die büßenden Geißlerſchaaren mit ihren ſchwermüthigen Liedern und blutgetränkten Riemen durch die Straßen der thüringiſchen Städte ziehen ließ. Wir haben aber auch äußere Beweiſe, daß das Volk die Grundſätze der Dominikaner billigte, nemlich in den unſerem Kloſter bald darauf zuſtrömenden Geſchenken, Almoſen, Seelge⸗ räthen u. ſ. w. Namentlich erſcheint die Landgräfin Eliſabeth, die Wittwe des in Folge des Drama erkrankten Landgrafen, als die größte Wohlthäterin des Kloſters; ſie muß alſo die von den Dominikanern vorgetragenen Dogmen als die richtigen anerkannt haben. Schließlich iſt zu bemerken, daß unſern Mönchen, wenn ſie jene an ſich ſtrengen, der Kirche gegenüber aber freigeiſtigen Anſichten verfochten, gewichtige Autoritäten zur Seite ſtan⸗ den, durch welche ſie den etwaigen Vorwurf der Ketzerei zurückweiſen konnten).

Die Trennung der Dominikaner von den andern Geiſtlichen trat auch hervor bei der Ankunft des Kaiſers Ludwig in Eiſenach, 1328, wo Jene allein weder entgegenzogen, noch Kirche hielten, bis ſie durch energiſche Maßregeln dazu gezwungen wurden). Wie ſich das Verhältniß ſpäter geſtaltete, iſt bei dem gänzlichen Man⸗ gel an Nachrichten nicht zu ermitteln.

III. Beſchreibung der Kloſtergebäude.

Auf der Südſeite der Stadt, am Fuße der Wartburg, hart an dem Predigerthore P liegt das Dominika⸗ nerkloſter, nach Oſten und Norden in einem rechten Winkel von der Stadt, nach Süden und Weſten in Form eines Halbkreiſes von der alterthümlichen Stadtmauer O begrenzt, ſo daß der ganze Raum ein großes unregel⸗ mäßiges Dreieck bildet. Die Nähe der Stadtmauer und die nach der Stadt hin abgrenzenden Gebäude mach⸗ ten eine ausgedehnte Kloſtermauer ebenſo überflüſſig als unmöglich. Daher dürfen wir uns eine ſolche nur an zwei Stellen denken Q 0, wo ſie nöthig war, um die Verbindung der Gebäude und der Stadtmauer herzu ſtellen und den Kloſterbezirk vollſtändig abzuſchließen. S. Fig. I. Auf der Nordſeite erhebt ſich die lange, jetzt auf das Mittelſchiff beſchränkte und darum ſehr ſchmale Kirche A, die durch das Oſtportal s die Bewoh⸗ ner der Stadt zum Eintritt einlud und welche, trotzdem, daß ſie als halbe Ruine trauert, den Charakter edler Einfachheit und impoſanter Würde nicht verloren hat. Daran aber lehnten ſich nach S. hin zwei große Ge⸗ bäude B und C, welche durch einen Querflügel D verbunden waren, ſo daß dieſe drei Flügel nebſt der Kirche ein Quadrat ausmachten. In deſſen Mitte befand ſich der geräumige vor allen Winden geſchützte Hof F(als

41) Rückſichtlich der von ihnen verworfenen ſpäten Reue ſ. Grieshabers deutſche Predigten I, S. 22. 53 u. a. Daß die Fürbitte der Heiligen und Maria's nicht allein rette, ſagten Thom. v. Aquino, Summa p. III, qu. 25. art. 5. Steph. de Borbonc, de septem donis spiritus(bei Gieſeler, Kirchengeſch. Bonn 1848, II, 2, S. 471), welcher es superstitio und abusio nannte, wenn man Maria anging, Taulerjin der Predigt über das Gleichniß von den Arbeitern im Weinberge. Daß nicht mechaniſche Werke oder Ablaß ſelig machen, ſondern daß wahre Buße erforderlich iſt, finden wir in Grießha⸗

bers Predigten II, S. XLIII. f. Thomas v. Aquino, in Flacius, catal. testium verit. Francf. 1672 S. 625. Ber⸗

thold, deutſche Predigten von Kling, Berlin 1824, S. 384. Schmidt, Meiſter Eckart in Studien und Kritifen 1839,

S. 721. Aber die reichſte Sammlung von mittelalterlichen Ausſprüchen über das Erforderniß der wahren Frömmigkeit und

Liebe zu Gott und zu den Mitbrüdern, im Gegenſatz zu der äußeren Werkheiligkeit(aus Innocenz III., Raymund Lullus u.

A.) hat Neander V, 2, S. 390, 406 ff., 467 ff. Alſo ſind die in dem Mysterium an den Tag gelegten Meinungen nicht

vereinzelte Ausſprüche, ſondern es ſind Stimmen einer weit verbreiteten und auch geduldeten evangeliſchen Richtung. In der

damaligen Kirche konnten wohl entgegengeſetzte Standpunkte neben einander ſtehen, denn dieſelbe verband alle Gegenſätze zu

einer höheren Einheit, Neander V, S. 355.

Funkhänel, gymn. ill. soll. saec. ind. 1844, S. 25 f. erzählt dieſe ergötzliche Begebenheit. Derſelben Oppoſition gegen

Ludwig, als Feind des Papſtes und mit dem Bann belegt, begegnen wir in Frankfurt. Ludwig aber vertrieb die Dominika⸗

ner zur Strafe aus der Stadt, wohin ſie erſt 1351 zurückkehrten. Römer⸗Büchner, die Siegel der Stadt Frankf. S. 38.