Jahrgang 
1857
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Das Conventsſiegel(in rothem Wachſe abgedrückt und an mehreren Urkunden befindlich) iſt wie die meiſten geiſtlichen Siegel paraboliſch geſpitzt und ſtellt auf einer kleinen Conſole den einen Schutzheiligen des Kloſters dar, Johannes den Täufer in härenem Gewande, die rechte Hand erhoben, die linke Hand geſenkt. Ihm gegenüber ſteht der Heiland aus den bergartig herabſtrömenden Wellen des Jordan mit dem Oberkörper emporragend, im Begriff die Taufe zu empfangen. Auf ſein Haupt läßt ſich die ſymboliſche Taube nieder. Die Umſchrift(in Majuskeln) lautet: Sigillum fratru(m) predicatoru(m) i(n) isenache. Fig. V. Sowohl die Art der Skulptur und die kräftige Plaſtik, als die Form der Schriftzüge verrathen die Entſtehungszeit von 1230 bis 1250. Auch ſcheint der Convent niemals ein anderes Siegel geführt zu haben. Dagegen die Prioren brauchten perſönliche Siegel, die uns ſehr unvollkommen überliefert ſind. Sehr ſchön war das von Heilmann Püſemann, wie die Fragmente bei der Urkunde Nr. 13 zeigen. Eine reiche Ornamentik germaniſcher Architek⸗ tur füllt die ovale Fläche aus, in deren Mittelniſche eine Figur geſtanden haben muß. Von der Unſchrift iſt nur noch zu erkennen: s. poris ys.... ord. praedic.

Die Stellung der Dominikaner zu Eiſenach gegenüber dem Clerus.

Als die Predigermönche nach Eiſenach kamen, von dem hochgefeierten Graf Elger geführt, wurden ſie von allen Seiten freudig begrüßt, denn nur ſelten hatte man in unſerer Stadt die Predigt gehört und der Gottes⸗ dienſt war auf das Meſſeleſen und die dem Volke unverſtändlichen Kirchen⸗Geſänge beſchränkt 37). Die neuen Ankömmlinge füllten alſo eine tief empfundene Lücke aus und ohne Zweifel dürfen wir uns die jetzt verödete und profanirte Kirche von einer dichtgedrängten Schaar Gläubiger angefüllt denken, die den begeiſterten Reden der beredten Brüder lauſchten. Auch der Clerus war anfangs wohl ganz zufrieden, durch die Hülfe der uneigen⸗ nützigen Predigermönche eine ſehr erwünſchte Unterſtützung zu erhalten. Aber bald mag ſich dieſe Anſicht ge⸗ ändert haben, als die Dominikaner die Beichtkinder der andern Sprengel an ſich feſſelten und ſowohl von ihrem Glücke berauſcht, als auf ihr höheres Wiſſen pochend, mit Uebermuth auf die Weltgeiſtlichen und auf die an deren Orden herabblickten. Zwar leſen wir in Eiſenach nichts von ſolchen lauten Klagen, wie ſie die Geiſt⸗ lichkeit anderer Orte über die gewaltigen Eingriffe der Prediger anſtimmte 2), aber es fehlt auch hier nicht an

gegenſeitiger Mittheilung der guten Werke, auf gemeinſamen Begräbniß⸗ und Seelmeſſen für die abgeſtorbenen Genoſſen. Heinrich Raspe ſtiftete bei dem Nikolaikloſter eine fraternitas, deren noch vorhandener Stiftungsbrief von 4239(im Großh. Geh. Archiv) regelmäßige Anniverſarien u. a. verheißt. Auch mit Auswärtigen konnte eine derartige Verbrüderung abge⸗ ſchloſſen werden und zwar a) indem es ganze Corporationen unter einander thaten(bei Klöſtern kommt dieſes unzählige mal vor), b) indem das Kloſter oder der ganze Orden Privatperſonen in die fraternitas recipirte. Dann beſchränkte ſich der Bund auf die Mittheilung der guten Werke. So erhielt die Schützengilde in Nordhauſen von dem Dominikanerorden der Provinz Sachſen omnium missarum, orationum, predicationum, ieiuniorum, vigiliarum, abstinentiarum, laborum cetero- rumque bonorum participationem. 1420. Hiſtor. Nachr. v. Nordhauſen. Frankf. 1740, S. 631. S. auch Urk. 8.

Koch citirt aus den Legenda de fratr. praed. Isenac. folgende Worte: sermo domini in Thuringia tunc fuit pretiosus et pauci fuerunt, qui ante adventum praedicatorum populis verbum Dei intimarent und ſpäter: Isenaci tunc sermo Dei ra- rus fuit et pretiosus. Anderwärts war es aber nicht beſſer, denn die Geiſtlichen waren allenthalben zum Predigen unge⸗ ſchickt und an einen Unterricht in der Religion war gar nicht zu denken. Hospinianus, S. 256. Alexander IV. an den Erzbiſchof von Salzburg in Mansi sacros. conciliorum nova et amplissima collectio. XXIII, S. 827. v. Raumer, Geſch. der Hohenſtaufen III, S. 614. Mit welcher Freude die Prediger aufgenommen wurden, geht aus manchen Notizen hervor, z. B. aus einer Urk. des Biſchofs Theodorich von Verona 1267, welcher dem Kloſter Altenberg bei Wetzlar 30 Tage Ablaß verwilligte, ſo oft ein Dominikaner predigte. Gudenus, cod. dipl. III, S. 1136 f.

In einem Briefe an Kaiſer Friedrich II. klagen die Weltgeiſtlichen, daß die Prädikatoren alle geiſtliche Handlungen, wie Beichte, Taufe, letzte Oelung und Begräbniß an ſich geriſſen und ihnen dadurch die Einnahmen ſo geſchmälert hätten, daß ſie jetzt kaum leben könnten. Tittmann, Geſch. Heinrichs des Erlauchten I, S. 293 aus Petr. de Vineis epist. I, c. 37. In Lübeck entbrannte 1277 ein lebhafter Streit zwiſchen dem Clerus und den Dominikanern, welchen der Biſchof von Bre⸗ men in einem Brief an das Cölner Domeapitel ſchildert, Theol. Studien und Kritiken 1828, S. 109. In Dortmund wur⸗ den die Dominikaner, als ſie 1310 ſich kaum angeſiedelt hatten(vermuthlich auf Anſtiften der feindlich geſinnten Franziskaner

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