Jahrgang 
1857
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Kanzelreden auf die Menſchen zu wirken und deren Herzen zu gewinnen, ſondern ſie ſtrebten nach größerem Einfluß und wußten bald die Seelſorge und überhaupt alle Rechte der Weltgeiſtlichen zu erringen 15), was ihnen wegen der Unwürdigkeit und Unwiſſenheit des niederen Clerus leicht gelang. Die Päpſte aber waren ſehr bereit, ihnen die gewünſchten Privilegien zu verleihen, da ſie den päpſtlichen Stuhl, der damals wegen der Kämpfe mit den Ghibellinen tüchtiger Mitarbeiter bedurfte, kräftiger zu unterſtützen im Stande waren, als

die anderen Orden, die durch ihre reichen Güter eine ſe lichen Eingezogenheit gottgeweihter Stille erfreuten, al

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elbſtändigere Stellung hatten und ſich lieber der beſchau⸗ s mit der beſchwerlichen Seelſorge und dem zum Predi⸗

deutſchen Sprache erwarben, bemerkt Koberſtein, Grundriß der deutſchen Nationallit. I, S. 286 f. Leider haben ſich aus der erſten Zeit nur Franziskanerpredigten erhalten, wie von David und Berthold ſ. Neander V, 2, S. 423 ff. n. deutſche Predigten herausg. von H. Leyſer. Quedlinb. 1838, S. XVI f. Auch die ſoeben genannten ſind eben ſo wenig von Dominikanern gehalten, als die von meinem lieben Freunde, F. K. Grieshaber, geiſtl. Rath und Prof. in Raſtatt, herausgeg. Predigten. II. Stuttg. 1844 und 1846. Jünger als Berthold war der gefeierte Prediger Heinrich Eckhart, gewöhnlich Meiſter Eckart genannt, der oben genannte Provinzial von Sachſen(ſ. K. Schmidt, in theol. Studien und Kritiken 1839, S. 663 ff. und Nean der VI, S. 520 ff.), dem ſich Nikolaus von Straßburg 1300 1320 an⸗ ſchließt, endlich Eckarts Schüler, der berühmteGottes Freund Johann Tauler(geſtorben 1361). S. Leyser, S- XIX f. K. Schmidt's Monogr. über Tauler. Hamb. 1841. Neander VI, S. 504 ff. 538 ff. KoberſteinS. 453 f.

Das Privilegium nicht blos allenthalben zu predigen, ſondern auch Beichte zu hören(jedoch unentgeltlich) gab ihnen ſchon Gregor IX. mit gewichtiger Empfehlung 1227. Er ſchreibt: fratres eiusdem ordinis

ad officium praedicandi, ad quod sunt ex professione sui ordinis deputati, benigne recipere procuretis nec impediatis, quominus illis qui ad praedica- ltionem eorum accesserunt, tunc eorum sacerdotibus valeant conſiteri, ſ. Hospinianus S. 239 aus Matthaeus von Paris, E. Roderici nova collectio privil. apostol. Antverp. 1623, S. 11 und Gieseler, Kirchengeſchichte II, 2, S. 329. Deshalb konnte R. v. Pennaforte(in constit. ord. praed. proleg. c. 3.) ſagen: ordo noster specialiter ob praedicalionem et animarum salutem ab initio noscitur instifutus fuisse. Dazu kam bald darauf das Recht, auf ihren Kirchhöſen die Angehörigen anderer Sprengel beſtatten zu dürfen. Chron. Senon. IV. c. 16 bei Neander V, 1, S. 384. Daher zählte die Legenda de fratr. conv. Isen. geradezu 3 officia auf, nemlich Predigen, Beichte hören und Begraben. Zwar beſchraͤnkte Innocentius IV.(der dem Orden ſonſt gnädig war, denn er geſtattete, daß die Dominikaner andere Or⸗ densglieder bei ſich aufnehmen durften, ohne daß ein Dominikaner das Recht hatte, auszutreten. HMospinianus, S. 230.) dieſe Privilegien 1254 inſofern, als er deren Ausübung von der Erlaubniß der Ordinargeiſtlichen abhängig machte u. ſ. w., aber deſſen Nachfolger Alexander IV. gab die alte Freiheit zurück. Neander V, 1, S. 3741. Bonifacius VIII.(1294 1303) zog, von dem lautklagenden Clerus gedrängt, durch das Decretale super cathedram wieder engere Grenzen und verordnete, daß die Bettelorden von den ihnen zu Theil werdenden Vermächtniſſen ein Viertheil an die Pfarrkirche abgeben ſollten u. ſ. w. Nachdem Benedict XI. dieſe Beſtimmungen zurückgenommen 1304, wurden ſie von dem ſchwachen Clemens V. in dem Decretale dudum abermals eingeſchärft 1311. S. Extravagantes communes, lib. III, tit. 6. c. 2. V, tit. 7, c. l. Clemen- tinge lib. III, tit. 7, c. 2. Die Dominikaner behaupteten ſich aber trotz dem in ihren Privilegien, da die meiſten Paͤpſte ſie, wenn auch im Geheimen, begünſtigten, wie z. C. lohann XXII. in dem Deeretale frequentes 1327, in extrav. II. t. J. c. l. und in einer Bulle vom Jahre 1319(ſ. Urkunde 10), welche Schutz gegen alle Bedrängniſſe verſprach und den Bi⸗ ſchöfen ſcharfe Maßregeln gegen die Feinde der Dominikaner vorſchrieb. Vgl. Schröckh, chriſtl. Kirchengeſchichte XXXIII., S. 145 ff. Auch Alexander V.(1409 u. 1410) ſtand auf der Seite der Bettelorden und die Streitigkeiten dauerten bis 1478, wo Sixtus IV. einen billigen Vergleich zwiſchen den Orden und der Ordinargeiſtlichkeit abſchloß, Hospinianus S. 259. Das Recht, ſogar während des Bannes Gottesdienſt(obwohl bei verſchloſſenen Thüren) halten zu dürfen, dehnte Bonifacius IX. für die Feier des Kirchweihfeſtes in umfaſſender Weiſe aus 1396(ſ. Urkunde 11). Sehr wichtig war auch die den Dominikanern verliehene Exemtion von der Jurisdiction der Parochial⸗ und Diöceſangewalt(Hospinianus S. 230), welche Benedict XI. im Jahre 1303 wieder einſchärfte,(ſ. Urkunde 10, vgl. Dreyhaupt J. S. 783), ebenſo die Freiheit von den üblichen Abgaben an die Biſchöfe und päpſtlichen Nuntien, welche Alexander IV. ihnen vor 1260(ſ. Urk. 1), und Benedict XI. 1303(ſ. Urk. 10) bewilligten. Materiell ſehr einträglich waren die den einzelnen Dominikaner⸗ klöſtern von Päpſten und Biſchöfen namentlich Behufs des Kirchenbaues oder anderer baulichen Anlagen verliehenen Abläſſe. Solche Ablaͤſſe bekamen die Dominikaner in Mühlhauſen 1290, 1291, 1295 und 1307, Grasshof, de orig. atque antiq. Mühlhus. S. 66, desgleichen die in Frankfurt 1240, 1241, 1245, 1246, 1249 u. ſ. w. ſ. Römer⸗Büchner, die Siegel der Stadt Frankfurt a. M. S. 37, die von Dortmund 1334 und 1340. Krömecke, geſchichtl. Nachr. über das Domkloſter in Dortmund S. 12 f., die von Augsburg(ſ. Urk. 24) u. ſ. w. Ueber den Güterbeſitz ſ. unten. v. Raumer, a. a. O. S. 611 ff.