Jahrgang 
1857
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ſelbſt 3 angelegt werden), welche ein lederner Gürtel(cingulum) an der Hüfte in Falten legte, darüber ein gleichfarbiges Skapulier(d. i. Schultertuch oder Bruſtkragen), zu welchem zwei Nebenſtücke gehörten, 1) ein ſchürzenartiges vorne herabhängendes langes Tuch, 2) eine Kapuze, die feſt angenäht werden konnte, in man⸗ chen Zeiten und in manchen Gegenden aber auch für ſich beſtand. Bei dem Ausgehen nahm der Mönch einen großen, ſchwarzen, ärmelloſen Mantel(capa) um, an welchen ſich ebenfalls eine Capuze(capucium) anſchloß. Die Laienbrüder unterſchieden ſich durch das ſchwarze Skapulier mit ſchwarzer Schürze. Bart und Haarſchur hatten ebenfalls ihre beſtimmte Regel.

Die Verfaſſung des Ordens war einfach. In jedem Kloſter regierte der von der Majorität der Mönche auf Lebenszeit gewählte Prior?), der alle inneren und äußeren Angelegenheiten leitete. Ueber bedeutende Dinge, wie finanzielle Fragen, ſchwere Disciplinarfälle, Annahme von Novizen, allgemeine Ordensverhältniſſe zog der Prior die Brüder im Capitelſaal zu Rathe, aber die Ausführung beſorgte er allein, z. B. die Beleh nung oder Verpachtung von Kloſterländereien und die Uebernahme von Verbindlichkeiten(ſ. die Urk. im An⸗ hange). Ihm zur Seite ſtand der Subprior, der von dem Prior ernannt, nur in deſſen Auftrag und nach deſſen Geheiß handelte, ſo daß mit des Priors Tode ſeine Würde erloſch. Der Leſemeiſter, lector, wurde urſprünglich allwöchentlich erwählt, um bei Tiſch vorzuleſen. Allmälig wurde daraus ein ſtehendes Amt, wel⸗ ches durch die dem Lector übertragene Aufſicht über die geſammte Bildung der Novizen von Bedeutung war.

Die Klöſter eines verwandten Landes bildeten eine Ordensprovinz ³), der ein Prior provincialis) vorgeſetzt war, welcher die Klöſter bereiſte und entweder ſelbſt das officium visitationis übte(ſ. g. in der Urk. Nr. 1) oder eine andere geeignete Perſönlichkeit damit beauftragte. Dieſer berief alljährlich die Provinzial⸗ capitel ¹0), welche aus allen Prioren der Provinz und aus den Diffinitoren beſtanden, d. h. aus Deputirten,

1) Auf welchem Grunde Dreihaupt's Angabe a. a. O. I, S. 782, beruht, daß der Prior alle 3 Jahre neu gewäͤhlt würde, habe ich nicht gefunden. Sollte es eine Verwechſelung mit der Wahl der Diffinitoren ſein? Daß ein beſonderer Kell⸗ ner das Oekonomiſche und Finanzielle wie in andern Klöſtern beſorgte, iſt mir wenigſtens urkundlich nicht vorgekommen.

8) Im Jahre 1221 gab es ſchon 60 Klöſter in 8 Provinzen, 1494 aber 4143 Klöſter in 21 Provinzen, HMospinianus, S. S. 226. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts zählte man 43 Provinzen und 12 Congregationen oder reformirte Abthei⸗ lungen, welche unter beſenderen Generalvikaren ſtanden. Die deutſchen Klöſter bildeten eine Provinz Teutonia bis 1303, wo ſich eine Scheidung nöthig machte, da die Zahl zu ſehr gewachſen war. Man trennte nun das ſüdliche und weſtliche Deutſchland, welches den Namen Teutonia behielt, von dem nördlichen Theil, Saxonia genannt. Teutonia zählte im Jahre 1303 48 Mönchs⸗ und 65 Nonnenklöſter(im Jahre 1458 eben ſo viel Mönchs⸗, aber nur 60 Nonnenklöſter), Saxonia hatte 1303 51 Mönchs⸗ und 9 Nonnenklöſter(1458 46 Mönchs⸗ und 20 Nonnenklöſter). Als dritte deutſche Provinz wurde 1301 Böhmen anerkannt, deſſen 22 Mönchs⸗ und 6 Nonnenklöſter vorher zur Provinz Polen gehöort hatten. Die ſchleſiſchen und pommerſchen Klöſter blieben bei Polen bis zur Reformation, wo dieſelben zu Böhmen geſchlagen wur⸗ den. Durch die Reformation erloſch die Provinz Saxonia ganz und Teutonia ſchmolz ſehr zuſammen. 1514 wurde die kleine Provinz Niedergermanien und 1709 O bergermaniien geſchaffen. Das Nähere über des Ordens Ver⸗ breitung und Provinzialeintheilung ſ. in der Zeitſchrift des thür. Vereins zu Jena, III, 1.

Hermann war Provinzial von Teutonia 1287, ſ. Urk. Nr. 1. Nachdem Saxonia 1303 von Teutonia losgeſchieden wor⸗ den war, wurde Meiſter Heinrich Eckhart oder Eckart erſter Provinzial, ſ. Krömecke a. a. O. S. 6. Co nrad 1359 ſ. Urk. Nr. 6. Thidericus oder Thymmo 1395, 1396, ſ. Urk. Nr. 10. 11. Aymericus 1406 ſ. Drey⸗ haupt S. 782. Robert 1420. Joh. Anthony 1509, ſ. Krömecke S. 23. Hermann Rabe, Dr. theol. 1520, ſ. Dreyhaupt S. 782. 791. Hiſtor. Nachricht von Nordhauſen. Frankf. 1740, S. 77 f. 631.

Provinz Teutonia und die folgenden von der

10) Solcher Capitel wurden in Eiſenach mehre gehalten, nemlich 1268 von der Provinz Saxonia 1321, 1343(oder 1344) und 1390. Die Anweſenheit der Landgrafen(Albrecht, Friedrich, Balthaſar) und ihrer Gemahlinnen wird jedesmal erwähnt, ſowie allerlei Feſtlichkeiten, einmal ſogar ein großes thüringiſches Turni er ſ. Ilistoria de Landgrav. S. 1332. 1345(bei Struve I.) Monach. Pirn. S. 1550(bei Mencken II.) u. a. ſ. Funk- haenel, gymnasii ill. Isenac. sol. saec. indic. 1841, S. 25. Andere ſächſiſche Provinzialcapitel fanden Statt in Min⸗

den(1271 vom Capitel von Teutonia) 1307, 1318, 1353, 1370, 1426 und 14..(Notiz des Herrn Mooyer daſelbſt), in

Göttingen 1353, 1381, 1418, 1484, 1501(Heumann), aus der Zeit⸗ und Geſchicht⸗Beſchr, der Stadt Göttingen 1738,

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