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vorgerufen. Allein weder die Congregation von Clugny, noch die neuen Stiftungen der Ciſtercienſer, Carthäu⸗
ſer und Prämonſtratenſer vermochten die Gebrechen durchgreifend zu heilen, da die Ordensglieder ſehr bald
von der ſcharfen Regel abwichen und in die frühere Verweltlichung zurückverfielen. Eine völlige Regeneration mußte erfolgen, wenn der alte Geiſt der Demuth und Frömmigkeit wieder erweckt werden ſollte. Dieſes ge⸗ ſchah durch die Franziskaner(1209 und 1223) und Dominikaner(1216), welche das allen Klöſtern gemeinſame Gelübde der Armuth in das Gelübde des Bettelns verwandelten und deshalb den Namen Bettelorden erhielten. — Mit dieſen beginnt eine neue Aera in dem Inſtitut des Mönchsweſens, denn der dahinſterbende Einfluß deſſelben wurde durch die Frömmigkeit und die Wirkſamkeit der neuen Orden wiederum belebt und auf mehrere Jahrhunderte befeſtigt.
Der Stiſter des zweiten Ordens war der Spanier Dominikus aus der edlen Familie Guzman(geb. 1170, geſt. 1221), welcher, als er die Albingenſer zu bekehren verſuchte, Gefährten um ſich ſchaarte, die ſich dem Berufe widmeten, durch Predigen die Ungläubigen zu bekehren und den Kirchenglauben gegen Irrthümer zu vertheidigen. Nachdem dieſe vom Papſt Honorius III. die Beſtätigung als fratres praedicatores erhalten hatten ³), entſagten ſie 1220 auf dem Generalcapitel in Bologna allem Beſitz und allen feſten Einkünften(ne anxietas quotidiani quaestus studium praedicationis impediret).
Die Regel des h. Auguſtinus lag ihrem Statut zu Grunde, wurde aber rlückſichtlich der Disciplin ſehr verſchärft ²). So ſollte in dem Kloſter, als einer Werkſtätte für den Himmel, tiefer Ernſt und Schweigen herr⸗ ſchen(namentlich während des Eſſens und zu anderen vorgeſchriebenen Stunden), ſo mußten die Conventualen aller Fleiſchſpeiſen ſich enthalten und die vorgeſchriebenen regelmäßigen Faſttage und Faſtenzeiten(z. B. von Kreuzes Erhöhung im September bis zum Oſterfeſt, alſo etwa 7 Monate) ſtreng beobachten, d. h. ſie durften an ſolchen Tagen nur eine beſcheidene Mahlzeit halten. Dazu kamen allerlei Verbote, z. B. auf einem weichen Lager zu ſchlafen(denn nur Stroh war geſtattet), zu reiten ⁵5), Würfel zu ſpielen, Geld zu haben oder bei ſich zu tragen, Privat⸗Briefe zu ſchreiben, und eine Menge von kleinlichen Beſtimmungen(in Beziehung auf das geſammte Benehmen, in der Kirche, bei dem Eſſen u. ſ. w.). Uebertretungen wurden mit Faſten, mit abgeſon⸗ dertem Speiſen(d. h. an einem kleinen Tiſche oder ſogar auf der Erde), mit der Geißel, mit kürzerem oder längerem Gefängniß, im äußerſten Falle mit Exkommunikation beſtraft.
Die Kleidung), aus grober Wolle gefertigt, war wie bei allen Orden bis auf den kleinſten Theil ſtreng vorgeſchrieben und wurde als Sache der höchſten Wichtigkeit betrachtet. Wahrſcheinlich trugen die Do⸗ minikaner in den erſten Jahren die Chorherrentracht, nemlich einen ſchwarzen Rock und darüber ein weißes Chorhemd, aber ſeit 1229 hatten ſie abgeſehen von manchen minderwichtigen Modifikationen— eine weiße bis auf die Füße reichende, mit Aermeln verſehene Kutte(tunica genannt, im ſtrengen Winter konnten 2 oder
3) Eigentlich giebt es drei Beſtätigungsbullen(1216 und 1217) von Honorius, welche Echard I, S. 13 ff. mittheilt. Fink S. 434. 3 85
4) Die Regel des h. Auguſtinus leſen wir bei P. Stellart, fundamina et regulae omnium ordinum. Duaci(1626) S 296— 327 und Hospinian a. a. O. S. 213— 217., die vollſtändigen Statuten der Dominikaner in L. Holstenii g0 dex regul. monast. et canon. auct. Mariano Brochie Aug. Vind. 1759, Tom. IV, S. 10 ff. Der berühmte Ray- mund de Pennafonte ſammelte 1238 die constitutioses ardinis praedicatorum ad meliorem formam reiactac welche 1239 angenommen, 1240 approbirt und 1241 confirmirt wurden(ſo Echard I, S. 109). Eine kurze Ueberſicht der We densregel ſ. bei v. Raumer, Geſch. der Hohenſtaufen III, S. 595 ff.
5) Als der erſte Prior Eiſenachs, der edle Graf Elger, wegen hohen Alters zu den Provinzialcapiteln nicht mehr zu Fuß wan⸗ dern konnte, ſondern ſich eines Eſels bedienen mußte, klagte er ſich ſelbſt bitter an, daß er contra ordinis statuta geritten ſei u. ſ. w. Koch, Verfaſſer einer Eiſenach. Chronik im Mſc., citirt hierbei Legenda de patribus Uonpentus Isen ord. praed.(über dieſes Mſe. ſ. unten) und F. Steill, Heiligkeit und tugendvoller Geruch edi.
des Luſtgartens Prediger⸗Or⸗ dens. II, S. 677.) ſtga Prediger⸗Or
6) Echard I, S. 71—77.— Der Gebrauch der Leinwand als Leibwäſche oder für das nächtliche Lager war ſtreng unterſagt
ſelbſt 3 gleichfar ſchürzen chen Ze⸗ gooßen, Die La hatten
Di auf Leb Dinge, zog der nung hange). deſſen urſprün ches du
D vorgeſe Nr. 1) capit


